Lasst euch nicht einschüchtern – organisiert den Streik direkt an der Schule!
Eine Berliner Schule bringt zu jedem Schulstreik dutzende Schüler:innen auf die Demos. Was ist das Geheimnis des Erfolgs? Der 18-jährige Elias ist aktiv bei der Schulgruppe gegen Wehrpflicht am Immanuel-Kant-Gymnasium sowie dem Streikkomitee Berlin-Ost und war bei den letzten beiden Bundeskonferenzen dabei.
Dieses Interview ist Teil der neuen Zeitung Wie können die Schulstreiks gewinnen? der kommunistischen Jugendgruppe Waffen der Kritik. Ihr könnt die Zeitung bei uns vor Ort in München, Berlin, Leipzig, Bremen, Dortmund, Münster, Ingolstadt und Flensburg bekommen, schreibt uns dafür einfach eine Mail oder Nachricht auf Instagram.
Lea: Hallo Elias. Welche Strukturen habt ihr entwickelt?
Elias: Wir haben an unserer Schule eine WhatsApp-Gruppe mit etwa 80 Mitgliedern. Bei Treffen sind wir meist um die 20 Menschen. Nach den Ferien wollen wir in einer AG auch niedrigschwellig mit Mitschüler:innen in Kontakt kommen.
Lea: Ist es für euch ein Vorteil, ein Komitee direkt an der Schule zu haben?
Elias: Hundert Prozent. Die Streiks zeigen, dass wir laut sind und nicht bei der Kriegstreiberei von Merz und seiner Rasselbande mitmachen. Wir brauchen eine Gesellschaft gegen Militarisierung und eine breite Bewegung. Das wird aber nicht allein durch Streiks kommen, sondern durch Gespräche, Aktivismus, Aufklärung und Politisierung. Diese Arbeit kann eben nur an den Schulen stattfinden. Denn dort sind die Schüler:innen, die direkt von der Wehrpflicht betroffen sind und oft noch nicht politisiert sind.
Lea: Was klappt gut, was vielleicht nicht so gut? Und warum?
Elias: An meiner Schule haben wir es geschafft, eine der aktivsten und größten Schulgruppen in Berlin aufzubauen. Wir haben für die letzten zwei Streiks Zubringer-Demos von unserer Schule mit jeweils rund 60 Schülis und solidarischen Genossis organisiert. Trotzdem müssen wir noch mehr Menschen erreichen und diejenigen aktivieren, die im Moment nur in der Whatsapp-Gruppe hocken.
Lea: Was ist dafür euer Plan?
Elias: In der Schulgruppe wollen wir nach den Ferien „Aktuelle 15 Minuten“ einführen, in denen eine Person einen kleinen Vortrag vorbereitet und danach diskutiert wird. Wir wollen außerdem niedrigschwellige Angebote schaffen, wie Kuchenbasar, Kleidertausch oder unsere AG, um in den Kontakt und Austausch mit neuen Menschen zu kommen.
Als Ost-Komitee haben wir bis jetzt zwei Vollversammlungen (VVs) veranstaltet und eine weitere geplant, zu der alle Menschen eingeladen werden, die wir kennen, und wo taktische Schritte besprochen werden. Durch diese VVs haben wir es geschafft, mehrere Menschen zu festigen und in der Vernetzung zu halten.
Lea: Wofür sind die VVs gut?
Elias: Ich finde die VVs sehr wichtig. Wir aktivieren und festigen Schülis. Und wir haben politischen Austausch. In der Bewegung kommt der meiner Meinung nach sonst oft zu kurz. Im Ost-Komitee wachsen wir jedes Mal ein bisschen mehr zusammen. Die VV ist auch ein Ort, wo sich Schülis aus verschiedenen Schulen kennenlernen und vernetzen.
Lea: Es gab von euch auch Solidarität mit den Streikenden aus dem Vivantes-Krankenhaus.
Elias: Wir haben uns mit den Streikenden solidarisiert, weil wir den gleichen Kampf führen. Das Geld, das sie bekommen könnten, wird in die Militarisierung gesteckt. Sie arbeiten in einem kriegswichtigen Feld. Die meisten wollen nicht in die Lage kommen, Soldat:innen, oder gar ihre eigenen Kinder versorgen zu müssen. Wir waren deswegen bei ihrem Streikposten am 6. Mai. Und sie kamen zu unserem Streik am 8. Mai.
Lea: Was rätst du anderen, die ein Komitee gründen wollen?
Elias: Einfach anfangen. Wir haben unsere Schulgruppe auch erst im zweiten Anlauf aufgebaut, indem wir uns zu dritt vor die Schule gestellt haben, mit unseren Freund:innen, unserer Stufe und dann mit anderen Stufen gequatscht haben. Außerdem haben wir auf unseren Zubringer-Demos und den VVs Telefonnummern von Interessierten gesammelt und sind jetzt trotz einer Schulleitung mit einer unglaublichen Anti-Einstellung an dem Punkt, an dem wir sind. Wenn ihr Schulgruppen aufbauen wollt, geht in eure lokalen Schulstreikkomitees und fangt einfach an. Wir haben eh nichts zu verlieren.
Lea: Was an der Schulleitung ist streng? Warum ist es trotzdem wichtig zu streiken?
Elias: Unsere Schulleitung ist teilweise sehr repressiv gegen uns als Anti-Wehrpflicht-Komitee. Fehltage an Streiktagen werden pauschal nicht entschuldigt, außer es liegt ein ärztliches Attest vor. Das Flyern an der Schule wurde verboten. Es hieß, die Schule sei ein „politisch neutraler Ort“.
Viele lassen sich von einem Fehltag abschrecken, gerade wenn die halbe Schule aus wundersamen Gründen am Streiktag Prüfungen schreibt. Aber man muss weitermachen. Repression bedeutet nur, dass sie Angst vor einem haben. Das bedeutet, dass man das Richtige tut.