FU Berlin: Wird das Orientierungsstudium weggekürzt?

12.07.2025, Lesezeit 4 Min.
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Im April 2025 hat das Präsidium der Freien Universität Berlin einstimmig beschlossen, das Orientierungsstudium nicht weiterzuführen. Ab dem Wintersemester 2025/26 wird keine neue Aufnahme mehr möglich sein.

Das Orientierungsstudium lief unter dem Begriff EinS@FU seit dem Wintersemester 2017/18 als einjähriges Angebot für bis zu 190 Studierende, die die Uni kennenlernen wollten.  

Im Rahmen von EinS@FU war es möglich, Seminare aus mehr als 40 Studiengängen der Freien Universität Berlin zu besuchen. Zusätzlich wurden die Studierenden bei EinS@FU mit einem speziell auf ihre Bedürfnisse zugeschnittenen Lehrangebot und einem umfangreichen Mentoring Programm begleitet. So war es möglich, Lerneinheiten über wissenschaftliches Schreiben oder wie man einen Bafög Antrag stellt, zu besuchen. Auch war es möglich, Teile dieser Seminare für spätere Bachelorstudiengänge anrechnen zu lassen. 

Im Rahmen der Kürzungen des Berliner Senats wird das Angebot nun zum Wintersemester auslaufen. Insgesamt soll der Berliner Wissenschaftsetat im Jahr 2025 um 250 Millionen Euro gekürzt werden. Rund 145 Millionen Euro davon werden die Hochschulen einsparen müssen. 40 Millionen Euro davon sollen an der Freien Universität Berlin weggekürzt werden. In den folgenden Jahren werden voraussichtlich weitere Kürzungen folgen. 

Dass dadurch Angebote wie EinS@FU und bis zu 25.000 Studienplätze in ganz Berlin gestrichen werden, ist ein Ausdruck des Rechtsrucks und der Ökonomisierung der Universitäten. Auch, dass besonders die Geisteswissenschaften von den Kürzungen betroffen sind, ist ein Ausdruck davon. Studierende sollen schnell in die Uni, um dort zu qualifizierten Fachkräften ausgebildet zu werden und um schnell wieder auf den Arbeitsmarkt geschickt werden zu können. Ein Orientierungsstudium, in dem man relativ frei Vorlesungen besuchen kann und auch Studierende, die nicht aus akademischen Haushalten kommen in die Wissenschaft und Universität eingeführt werden, passt nicht in dieses Muster. Auch in der Bologna Reform von 2009 sehen wir diese Ökonomisierungslogik: Damals wurde eine Vereinheitlichung aller Studierendengänge in Bachelor und Master vorgenommen. Davor hatten im Magister-Diplom-System Studierende die Möglichkeit, frei aus verschiedenen Studiengängen Vorlesungen zu besuchen. 

Stattdessen wollen wir für eine Universität als Ort des kritischen Denkens und kollektiven Lernens kämpfen. Offen für alle Angehörige der Arbeiter:innenklasse, für Geflüchtete und Eltern. Dafür fordern wir eine Abschaffung aller Zulassungsbeschränkungen und Semesterbeiträgen sowie die Rücknahme der Bologna Reform von 2009 und einen sofortigen Stopp der geplanten Kürzungen. 

Diese sind nämlich nicht etwa „alternativlos”“ wie der Senat es uns darstellen will, sondern politisch gewollt. Denn während er in Wissenschaft und Bildung kürzt, baut der Berliner Senat um den Görlitzer Park einen Zaun und rüstet seit Jahren die Polizei auf. Dies zeigt die Prioritätensetzung des Senats. Geld ist da, nur in den falschen Händen: Wir fordern die Enteignung von Milliardären und Kriegsprofiteuren, um die Universitäten komplett auszufinanzieren. Wie diese Gelder verwendet werden, sollte in demokratischen Versammlungen aller Studierenden und Beschäftigten diskutiert und entschieden werden. 

Auch sollten in diesen Versammlungen alle zentralen Entscheidungen der Universität entschieden werden: Zum Beispiel, ob die Polizei Zutritt zum Campus bekommt und was gelehrt wird. In den vergangenen Jahren gab es wiederholte Beispiele, in denen das Präsidium der Freien Universität die Polizei rief, um den Protest der palästina solidarischen Bewegung zu unterdrücken. Dies wurde von einer Vielzahl an Studierenden und Beschäftigten kritisiert. Es zeigt sich: Das Präsidium vertritt nicht unsere Interessen, stattdessen braucht es eine demokratisch organisierte Universität, in der frei gelehrt und geforscht werden kann.

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