Krieg dem Krieg: Das Erbe von Luxemburg, Liebknecht und Lenin
Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht wurden am 15. Januar 1919 von Freikorps ermordet. 107 Jahre später sehen wir in Europa und weltweit: Der Kampf, für den sie starben, ist längst nicht vorbei.
Tausende Menschen waren trotz extremer Kälte und massenhaften Verkehrsproblemen bei der diesjährigen LLL-Demo in Berlin auf der Straße, um dem Erbe von Rosa Luxemburg, Karl Liebknecht und Wladimir Iljitsch Lenin zu gedenken. Blöcke aus roten Farbenmeeren, revolutionäre Parolen, tausende Sozialist:innen und vor allem Jugendliche ließen sich trotz Repression und bürgerlicher Hetze im Vorfeld nicht die Straßen nehmen. Gerade die sich anbahnende Wehrpflicht war eines der Hauptthemen.
Auch wir von der Revolutionären Internationalistischen Organisation (RIO), Herausgeberin von Klasse Gegen Klasse, waren heute gemeinsam mit der Revolutionären Sozialistischen Organisation (RSO) und Interbrigadas Teil des „Palästina Antikolonial“-Blocks, das vom Internationalistischen Bündnis Berlin (Interbündnis) organisiert wurde. Doch nicht nur Palästina war unser Hauptfokus, sondern auch die imperialistische US-Aggression in Venezuela, die Militarisierung Deutschlands und die autoritären, migrations-, frauen- und queerfeindliche Angriffe der Regierung auf unsere Rechte als Schüler:innen, Jugendliche, Arbeiter:innen und LGBTQIA+. Wir haben heute klargemacht: Krieg dem Krieg, Hand in Hand, keine:r von uns hat ein Vaterland!
Aber wer waren Rosa Luxemburg, Karl Liebknecht und Wladimir Iljitsch Lenin überhaupt?
Rosa Luxemburg war eine in Polen geborene Revolutionärin, die für demokratischere Gewerkschaften kämpfte. Sprich, für mehr Diskussionen unter Beschäftigten, die zu gemeinsamen Entscheidungen führen, statt eine von oben herab kommandierende Führung. Für Luxemburg war klar:
Die Gewerkschaften vertreten nur die Gruppeninteressen und eine Entwicklungsstufe der Arbeiterbewegung. Die Sozialdemokratie vertritt die Arbeiterklasse und ihre Befreiungsinteressen im Ganzen.
Der Aufstand der Russischen Revolution 1905 hat Rosa Luxemburg sehr beeindruckt. Sie unternahm eine über Jahre dauernde kritische Analyse der revolutionären Strategie und schrieb nach der Oktoberrevolution von 1917 in Russland:
In dieser Beziehung waren Lenin und Trotzki mit ihren Freunden die ersten, die dem Weltproletariat mit dem Beispiel vorangegangen sind, sie sind bis jetzt immer noch die einzigen, die mit Hutten ausrufen können: Ich hab’s gewagt!
Dabei spricht sie über Wladimir Iljitsch Lenin, einen russischen Revolutionär der Bolschewiki. Zusammen mit Leo Trotzki verkörperte er die Spitze der Russischen Revolution von 1917. Beide haben damals viel über Luxemburgs Werke geschrieben und wiederum hat sie viel von deren Schriften analysiert. All diese Theoriearbeit ist bis heute noch Kern der revolutionären Strategie.
Am 2. Dezember 1914 stimmte Karl Liebknecht als einziger Abgeordneter im Reichstag gegen die Bewilligung der Kriegskredite für den ersten Weltkrieg. Als die SPD-Fraktion im Reichstag dem Kriegseintritt Deutschland zustimmte, schloss Liebknecht sich Luxemburg, Franz Mehring und anderen an, die 1915 die „Gruppe Internationale“ (später „Spartakusgruppe“) aus Protest dagegen gründeten. Sie wurden wegen ihres Widerstandes gegen den Krieg verfolgt und auch teilweise ins Gefängnis gesperrt. 1918 wurde die Spartakusgruppe in den organisatorisch selbständigen Spartakusbund umbenannt. Später wurde sie, neben den Internationalen Kommunisten Deutschlands (IKD), die organisatorische und politische Keimzelle der im selben Jahr gegründeten Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD). Schließlich wurden Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg am 15. Januar 1919 von Freikorps ermordet, die von der SPD-Regierung beauftragt wurden, um Revolutionär:innen und Aufstände niederzuschlagen und zu töten.
Die Kontinuität ihrer politischen Kämpfe
Auch über 100 Jahre nach ihrem Tod sind die Inhalte ihrer Kämpfe weiter aktuell. Zum Beispiel die eben erwähnte Vorstellung Luxemburgs, dass Gewerkschaften demokratische Organe der Beschäftigten sein sollen. Heute bestimmt ein kleinerer Kern an Hauptamtlichen der Gewerkschaft beispielsweise, wann und wie lang gestreikt werden soll. Dabei bräuchte es nun für die stattfindenden Tarifverhandlungen der Länder (TV-L) Versammlungen, in denen die Beschäftigten über aktuelle politische Themen wie Militarisierung und Rechtsruck diskutieren können und Forderungen entwickeln, für die an Streiktagen zu politischen Demonstrationen von Gewerkschaften aufgerufen werden kann, etwa in Solidarität mit den Schüler:innen streiken gegen die Wehrpflicht.
Luxemburg beschäftigte sich auch viel mit Streiks. Sie verstand Massenstreik nicht als Mittel für bessere Verhandlungen, sondern als Waffe zur Freisetzung der Kraft der Arbeiter:innenklasse selbst. Auch dieser Kampf bleibt aktuell. Im September 2025 blockierten zum Beispiel Hafenarbeiter:innen die Häfen in Italien, um Waffenlieferungen nach Gaza zu verhindern. Und das, ohne auf Gewerschaftsspitzen zu warten. Sie setzten damit die italienische Regierung massiv unter Druck und machten klar, dass die, die die Welt täglich am Laufen halten, auch die Kraft haben, sie für ihre Ziele lahmzulegen.
Auch Luxemburgs Kampf für die volle Gleichberechtigung von Frauen ist angesichts des internationalen Rechtsrucks und den Angriffen auf die Rechte von Frauen und queeren Personen ein Thema, für das wir weiter kämpfen. Nicht nur in Deutschland, sondern auf der ganzen Welt. Der Kampf gegen queerfeindliche Hetze durch die CDU oder die AfD, aber auch gegen den Entzug des Rechts auf Abtreibung in den USA sind aktuelle Themen.
Der andauernde Genozid in Gaza und der imperialistische Angriff auf Venezuela bestärken uns darin, dass wir einen starken Kampf gegen Imperialismus und für internationale Soliarität unter Arbeiter:innen kämpfen müssen. Liebknechts Slogan: „Der Hauptfeind steht im eigenen Land”, ist heute noch so aktuell wie damals. Denn nicht nur der US-amerikanische, sondern auch der deutsche und europäische Imperialismus bereiten sich mit Militarisierung und Aufrüstung darauf vor, ihre Interessen mit Waffengewalt durchzusetzen. Das zeigt sich an der aktuellen Debatte zur Wehrpflicht oder den horrenden Ausgaben für die Bundeswehr der letzten Jahre.
Luxemburg kritisierte die bürgerliche „Demokratie“ scharf:
Was bisher als Gleichberechtigung und Demokratie galt: Parlament, Nationalversammlung, gleicher Stimmzettel, war Lug und Trug!
Warum? Weil sie der Meinung war, dass in einem System, das auf Ausbeutung und Unterdrückung fußt und dies zum Funktionieren braucht, man nichts durch Wahlen ändern könne. Vielmehr brauche es die Organisierung von denjenigen in Räten, die mit ihrer Arbeit diese Welt täglich am Laufen halten. Nur auf Arbeit im Parlament statt auf Selbstorganisierung zu setzen, könne keine bessere Zukunft erkämpfen.
Die ganze Macht in der Hand der arbeitenden Masse als revolutionäre Waffe zur Zerschmetterung des Kapitalismus – das allein ist wahre Gleichberechtigung!
– Rosa Luxemburg
So sind wir am Sonntag nicht nur auf die Straße gegangen, um drei großen Revolutionär:innen zu gedenken, sondern weil der Kampf, den sie geführt haben, heute genauso aktuell wie damals ist. Ihre damaligen Analysen und Kämpfe zeigen uns auf, wie wir in dieser Zeit des internationalen Rechtsrucks, der Militarisierung und der Kriege voranschreiten müssen.
Zum Weiterlesen:
https://www.klassegegenklasse.org/dossier-rosa-luxemburg-und-die-deutsche-revolution/