Kämpfen bis zum Sieg: Der Vivantes-Streik geht jetzt richtig los

16.04.2026, Lesezeit 5 Min.
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Vivantes-Beschäftigte bei der Streikversammlung im SO36 am Vormittag. Foto: Baki Devrimkaya/ KGK.

Hunderte Beschäftigte der Vivantes-Töchterunternehmen sind seit gestern im Erzwingungsstreik. Sie wollen 100 Prozent TVöD und eine Zukunft für die nächsten Generationen.

„Wenn es sein muss, stehe ich alleine auf der Straße und kämpfe für die Rechte von ALLEN!“ Yeter, eine Beschäftigte von VivaClean, hielt eine beeindruckende Rede bei der Streikversammlung im SO36 – vor Hunderten von Kolleg:innen. Aus allen Bereichen der Vivantes-Tochterunternehmen kamen sie gestern zu ihrem ersten Erzwingungsstreiktag zusammen. Viele standen bereits 2021 auf der Straße und erkämpften sich große Erfolge, unter anderem Sonntags- und Schichtzulagen, ein 13. Gehalt und weitere Vorteile. Doch einen hundertprozentigen Tarifvertrag des öffentlichen Dienst (TVöD) bekamen sie nicht. Stattdessen bekamen die Beschäftigten der Vivantes Service GmbH (VSG) gerade einmal 90 Prozent des TVöD, die anderen Tochterfirmen VivaClean GmbH und Speiseversorgung und -logistik GmbH (SVL) sogar noch weniger.

Gestern haben sie nach wenigen Warnstreiktagen nun mit ihrem angekündigten und mit einer beeindruckenden Mehrheit von 98,2 Prozent abgestimmten Erzwingungsstreik begonnen. Bereits um 6 Uhr morgens trafen sich die Kolleg:innen der Vivantes-Töchter an den verschiedenen Standorten an ihren Streikposten zusammen. Mit Klasse Gegen Klasse, Brot und Rosen und Waffen der Kritik begleiteten wir die Kolleg:innen in Neukölln mit einer Delegation von 20 Personen, unterstützten sie mit Stimmung, mit Snacks – und mit vielen durchlöchernden Fragen. Denn die Beschäftigten der Tochterunternehmen haben viel zu erzählen.

Seien es die miserablen Arbeitsbedingungen, in der sie teilweise mit den Anforderungen von Zeitfenstern und Hygienestandards nicht hinterherkommen oder die starrköpfige Haltung der Geschäftsführung, die sich keinen Schritt in Richtung der Streikenden bewegt. Die Streikenden wollen 100 Prozent TVöD und die Hilfszahlungen durch den Arbeitgeber in die Rentenkasse (sogenannte Vermögenswirksame Betriebsleistungen; kurz VBL). Ohne die VBL sehen sie keine 100 Prozent des TVöD. Diese Spaltung wollen sie nicht hinnehmen. Weder für sich selbst, noch für die kommenden Generationen. Denn viele der heute streikenden Arbeiter:innen hätten gar nicht mehr so viel mehr Rente durch die VBL, doch sie wollen sie erstreiken, um den Generationen nach ihnen eine bessere Rente zu ermöglichen.

Das sind ihre Forderungen und sie sind bereit, bis zum Ende dafür zu kämpfen. Das machen sie sowohl auf der Streikkundgebung am Urban-Klinikum in Kreuzberg klar, wo sich die Streikenden aller Streikposten um 8:30 Uhr getroffen haben, als auch bei der Streikversammlung im SO36 ab 10:30 Uhr. Mit einem Demozug liefen sie vom Urban-Klinikum bis zum Kreuzberger Szeneclub, der seine Räumlichkeiten solidarischerweise zur Verfügung stellte. 

Auf der Kundgebung und bei der Streikversammlung sprachen verschiedene Kolleg:innen aus unterschiedlichen Betrieben und Standorten. Eine von ihnen erzählte, wieso sie streikt: Nicht nur für sich, sondern für alle Kolleg:innen, auch die, die nicht in den Streik gegangen sind und auch für die nächsten Generationen. Eine andere Kollegin erzählt unter Tränen, wie sie als Mutter und Oma kaum Zeit für ihre Kinder, noch weniger für ihre Enkelkinder findet. Viele sind wie sie Eltern oder Großeltern, viele von ihnen auch alleinerziehend und sie alle teilen dieselben Probleme. Es braucht Mut, diese Tränen der Frust auf einer Bühne vor hunderten Kolleg:innen zu vergießen, doch auch denselben Mut, um anschließend die berührende Rede mit den Worten zu beenden: „Eine Tochter darf nicht von ihrer Mutter getrennt werden. Wir wollen nicht mehr Tochterunternehmen sein – wir wollen zurück in den Mutterkonzern!“

Ein rund um kraftvoller Auftakt für eine hoffentlich starke Streikerfahrung für hunderte Beschäftigte, die hoffentlich bald über tausend sein könnten. Dafür sind sie aber auf unsere Hilfe als solidarische Unterstützer:innen angewiesen. Jeder Euro in ihre Streikkasse ermöglicht ihnen einen längeren Erzwingungsstreik. Eine volle Streikkasse überzeugt mehr Kolleg:innen, ihre finanziellen Ängste zu überkommen und mit in den Streik zu treten. Als Klasse Gegen Klasse wollen wir dafür Gespräche mit Passant:innen am Maybachufer, Flyeraktionen und unterhaltsame Spiele nutzen, um Spenden für die Streikkasse der Beschäftigten zu sammeln. Kommt mit uns mit: Am Freitag um 18 Uhr entlang am Maybachufer, um solidarische Menschen zu finden, die den ein oder anderen Euro gegen Unterhaltung, Snacks und Drinks entbehren und spenden können, damit alle Arbeitenden bei den Vivantes-Töchtern hoffentlich bald zusammen auf den Straßen Berlins richtig Radau machen und für all ihre Forderungen kämpfen können. Hoch die internationale Solidarität und 100 Prozent TVöD für alle!

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