Italien: Generalstreik der Metaller:innen legt Genua lahm und trotzt Polizeigewalt

07.12.2025, Lesezeit 3 Min.
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Foto: Gordon Cole/La Voce delle Lotte

Mit schwerem Gerät, Kränen und Traktoren stellten sich die Metallarbeiter:innen Genuas gegen Entlassungen und verteidigten sich gegen Polizeigewalt. Italien verwandelt sich nun in ein wahres Labor des Klassenkampfes.

Über Fünftausend Metallarbeiter:innen marschierten am Donnerstag durch Genuas Straßen. Die Gewerkschaften ihres Sektors hatten zu einem Generalstreik in Solidarität mit den Arbeiter:innen des Stahlwerks Ilva aufgerufen. Die Arbeiter:innen nutzten schweres Gerät wie LKWs, Kräne oder Traktoren, um Straßen und Autobahnen zu blockieren. Sie setzten sich dabei gegen brutale Polizeigewalt durch, um gegen die Schließung des Stahlwerks zu kämpfen, die 1.200 Arbeitsplätze bedroht.

Die Regierung beantwortete die Mobilisierung mit gepanzerten Fahrzeugen, die viele an den G8-Gipfel von 2001 erinnerte. Damals prügelte die italienische Polizei mit lange nicht gesehener Gewalt auf die Antiglobalisierungsbewegung ein und ermordete dabei den jungen Aktivisten Carlo Giuliani. Heute schoss die Polizei Tränengas auf die Streikenden, die ihre Demonstration dennoch fortsetzen konnten. 

Zur Demonstration hatten die Gewerkschaften Fiom, USB und FIM aufgerufen. Die Streikenden hatten eine von Hamburger Gittern blockierte Demoroute vorgefunden. Sie sahen also keine weitere Option, diese Gitter mit ihren Fahrzeugen zu entfernen, was die Polizeigewalt auslöste.

Genua verwandelt sich derzeit in ein Labor des Klassenkampfes. In den letzten Monaten war es Schauplatz des Aufrufs, die europäischen Häfen in Solidarität mit dem palästinensischen Volk und der Global Sumud Flotilla und gegen den von Israel durchgeführten Genozid zu blockieren. Dieser Aufruf wurde Realität am 22. September, als Hafenarbeiter:innen, Basisgewerkschaften und Studierende unter dem Motto „Wir blockieren alles“ protestierten. Am 03. Oktober folgte dann der politische Generalstreik in Solidarität mit Palästina, wo aufgrund des Drucks der Basis sogar der zentrale Gewerkschaftsverband Italiens, die CGIL, zum Streik aufrief.

Diese Aktionen setzten sich kürzlich fort. Am 28. Und 29.11 kam es erneut zum Streik und zu Demonstrationen seitens der Basisgewerkschaften, doch diesmal ohne Unterstützung der CGIL.

Genua verwandelte sich so in das Zentrum der Aktionen und Versammlungen der Avantgarde der Arbeiter:innen und Studierenden, gemeinsam mit dem Hafen von Livorno. Nach der Blockade von Schiffen, die Rüstungsgüter nach Israel transportieren, kämpfen sie nun auch gegen die Kriegs-, Aufrüstungs- und Kürzungspolitik der Regierung Meloni.

Dieser Generalstreik der Metaller:innen, in Solidarität mit ihren Kolleg:innen im Stahlwerk Ilva, und ihre Konfrontation mit der Polizei, sind nur das letzte Beispiel einer neuen Generation, die in Genua entsteht. Sie sind nicht nur ein Beispiel für Italien, sondern auch für Arbeiter:innen und Jugendliche in Europa und auf der ganzen Welt.

Dieser Artikel erschien zunächst am 5. Dezember in La Izquierda Diario.

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