Internationaler Solidaritätsaufruf: Verteidigen wir Zanón (FaSinPat), Cerámica Neuquén und die Arbeiter:innenkontrolle!

15.09.2025, Lesezeit 6 Min.
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Foto: Ceramistas En Lucha

Spendenaufruf der drei selbstverwalteten Keramikfabriken in Neuquén / Argentinien.

In diesem Jahr feiern wir 24 Jahre Arbeiter:innenselbstverwaltung bei Zanon, 15 Jahre bei Stefani und elf Jahre bei Cerámica Neuquén, den drei von Arbeiter:innen übernommenen Fabriken, die zusammen mit der Textilfabrik Traful Newen in der Provinz Neuquén ein Beispiel dafür sind, wie wir uns gegen die Schließungen oder Entlassungen wehren können, die die Bosse durchsetzen wollen.

Heute sind unsere Projekte durch jahrelange Sparpolitik, Preiserhöhungen, finanzielle Schwierigkeiten und die Angriffe der Regierung bedroht. 

Ein Stück Geschichte

Die Fabrikübernahmen verbreiteten sich in Argentinien nach der Krise von 2001. Sie waren der Widerstand gegen Schließungen und Entlassungen in einer der schwersten nationalen Krisen der letzten Jahrzehnte. Viele dieser Projekte konnten sich auf Dauer nicht halten, da es vom Staat nicht nur keine Unterstützung gab, sondern dieser im Gegenteil gegen die übernommenen Betriebe vorging. Hinzu kamen der Boykott und die Konkurrenz durch die kapitalistischen Betriebe, die sehr wohl staatliche Unterstützung erhalten. Wir Arbeiter:innen von Zanon haben von Anfang an gesagt, dass unser Projekt der Selbstverwaltung keine Insel ist. Oder wie es heute heißt: „Niemand kann sich alleine retten.“

Es kam zu Repression und Räumungsversuchen, Kolleg:innen wurden wegen der Kämpfe verhaftet, es gab Strom- und Gassperren, Strafverfahren, Straßenblockaden, Protestcamps und Suppenküchen, Streikfonds, Solidaritätsfeste und Versammlungen. Und auch Solidarität. Sehr viel Solidarität. Von anderen Arbeiter:innen, Künstler:innen, Menschenrechtsorganisationen, Studierenden, ganzen Schulen, Sportler:innen, Schauspieler:innen, Musiker:innen, Schriftsteller:innen und der Gesellschaft im Allgemeinen. Dies war in all den Jahren eine wesentliche Unterstützung. 

Aber das Nicht-Verhalten der Regierungen zu den Projekten der technologischen Erneuerung, zu Anfragen nach Krediten für Investitionen in die Produktion, zu Plänen für die Umstellung der Produktion und zu Anfragen nach besonderen Tarifen hat zu einer Verschlechterung der Produktionskapazität unserer selbstverwalteten Betriebe geführt.

Unsere aktuelle Situation

 Am 31. Januar hat der Vorstand der Elektrizitätsgenossenschaft Calf bei Cerámica Neuquén die Stromversorgung wegen eines dreimonatigen Zahlungsrückstands eingestellt. Der selbstverwaltete Betrieb hat die Energie zehn Jahre lang bezahlt, aber als die Gebührenerhöhungen von Milei zum Tragen kamen, wurde der Energiepreis mit mehr als 30 Millionen Pesos pro Monat unbezahlbar. Trotzdem haben wir uns bemüht: Wir haben mitten in der Pandemie einen Zahlungsplan aufgestellt, und als wir damals mit der Produktion begannen, haben wir sogar die Schulden bezahlt, die die ehemaligen Chefs von Cerámica Neuquén hinterlassen hatten. Wir haben die Rechnungen immer bezahlt, und jetzt, wo wir wegen der Gebührenerhöhungen Probleme haben, wird uns nach drei Monaten der Strom abgestellt. Währenddessen macht Calf pro Jahr mehr als drei Milliarden Pesos Gewinn und treibt das Geld für seine eigenen Schulden bei CAMMESA von den Nutzer:innen ein, denen es mitten in der Provinz der Öl- und Gasvorkommen von Vaca Muerta die teuersten Gebühren des Landes abnimmt. Wir wollen die Schulden bezahlen, aber wenn wir nicht produzieren, können wir weder Schulden bezahlen, noch unsere Löhne.

Als ob dies nicht schon schlimm genug wäre, hat das Unternehmen Camuzzi am 26. Mai die Gasversorgung bei Zanon und Cerámica Neuquén eingestellt, womit es die beiden selbstverwalteten Betriebe lahmgelegt und 120 Arbeitsplätze in Gefahr gebracht hat. Die Abschaltung erfolgte, obwohl wir mit Camuzzi und der Regierung über das Energiesekretariat der Provinz in Verhandlungen standen und die Regierung zugesagt hatte, den Kontakt zu einem Gaslieferanten herzustellen – eine Zusage, die bis heute nicht eingehalten wurde.

Es ist wichtig zu wissen, dass die Einstellung der Gasversorgung nicht wegen Schulden bei dem Unternehmen Camuzzi erfolgt ist, an das wir die Rechnungen für den Gastransport bezahlen. Das Problem besteht darin, dass wir einen Vertrag mit einem Gaslieferanten brauchen. Die Regierung hatte sich, wie gesagt, verpflichtet, einen Kontakt herzustellen, ist dem aber nicht nachgekommen.

Wir fordern den Gouverneur Rolando Figueroa auf, uns einen Termin zu geben, um eine Lösung zu finden, die Gas- und Stromversorgung wiederherzustellen, die Produktion wieder aufzunehmen, unsere Gehälter zu sichern und einen Zahlungsplan für unsere Schulden aufstellen zu können.

Ein Plan zur Reaktivierung der selbstverwalteten Betriebe und zur Umstellung der Produktion

Wie gesagt: Wir wollen produzieren und arbeiten. Wir wissen, dass die Gebührenerhöhungen ein Problem sind, dass wir viel Energie verbrauchen und dass die Maschinen alt sind. Im Fall von Cerámica Neuquén, wo die Maschinen moderner sind, können wir gasbetriebene Stromgeneratoren anschaffen, wodurch die Gesamtkosten für Energie um 50 Prozent gesenkt und die Produktion wieder aufgenommen werden könnten.

Bei Zanon, wo die Maschinen 30 Jahre alt sind, haben wir einen Plan, die Produktion auf andere Bereiche umzustellen, wie z. B. Logistik, Kunststoffrecycling usw. Wir haben den Standort und die Arbeitskräfte, wir brauchen Zugang zu Krediten, um investieren zu können, sei es von privaten Investor:innen oder vom Staat. Wir sind sogar offen für den Verkauf von Grundstücken und Vermietungen, um in die Umstellung der Produktion zu investieren.

Spendenaufruf

Die Arbeiter:innen von Zanon und Cerámica Neuquén befinden sich aufgrund der Gebührenerhöhungen und der Sparpolitik der Regierungen von Milei und Figueroa in Neuquén in einer kritischen Lage. Diese wurde durch die Unterbrechung der Stromversorgung bei Cerámica Neuquén und der Gasversorgung in beiden Fabriken noch verschärft, wodurch fast 200 Arbeitsplätze gefährdet sind.

Aber wir kämpfen weiter für den Erhalt unserer Fabriken, für die Wiederherstellung der Strom- und Gasversorgung und für den Zugang zu Krediten, um die Technologie zu erneuern und weiterarbeiten und produzieren zu können. Da die Fabriken jedoch stillstehen, brauchen wir erneut die Solidarität und Unterstützung der Gemeinschaft, um unsere Familien ernähren zu können. Deshalb haben wir einen Kampffonds für die beiden Fabriken ins Leben gerufen, denn wie man in diesen Tagen immer wieder hört: Niemand kann sich alleine retten.+

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