Inoffizielles Jugendwort 2026
Der Langenscheidt-Verlag, welcher wie jedes Jahr jetzt die Jugendwörter des Jahres herausgegeben hat, zensiert die Stimme der Jugend durch ein widersprüchliches Verbot des Wortes „Mehrzweckeier“.
Das seit 2008 herausgegebene Jugendwort des Jahres schlägt seit jeher Wellen unter großen Teilen der Jugend. Der Langenscheidt-Verlag will mit der Erfassung des Jugendwortes authentische Begriffe aus der Jugendsprache finden und damit zeigen, „was junge Menschen beschäftigt“. Das Verfahren ist dabei immer gleich: Die Jugendlichen reichen Begriffe ein und die beliebtesten werden dann zur breiten Abstimmung gegeben. Doch nicht dieses Mal. Während Zehntausende Jugendliche auf den letzten Schulstreiks gegen die Wehrpflicht und die Militarisierung auf die Straße gegangen sind, hat sich die Parole „Merz Leck Eier“ als ein Schlachtruf gegen die Interessen des deutschen Staates und als Ausdruck der Wut und Unzufriedenheit einer ganzen Generation herauskristallisiert. Doch genau dieser Ausdruck in Form einer Abwandlung wird jetzt durch den Langenscheidt-Verlag verboten.
Der Begriff „Mehrzweckeier“ hätte es nach Angaben des Verlags demnach in die Top 10 geschafft und hätte damit jetzt zur Abstimmung gestanden.
Das Verbot des Begriffs wurde damit begründet, dass es sich um eine persönliche Beleidigung und zudem um eine politische Kampagne handle. Doch wenn man selbst davon spricht, dass man zeigen wolle, was junge Menschen beschäftigt, wirkt dieses Manöver sehr widersprüchlich, vor allem wenn man sich die Jugendwörter der letzten Jahre ansieht. Denn mit rassistischen Begriffen wie „Talahon“, Teil einer politischen Kampagne der extremen Rechten, im Jahr 2024 hat der Verlag hingegen überhaupt kein Problem.
Dieses Verbot ist ein klarer Ausdruck des zunehmenden Autoritarismus. Schüler:innen werden für Schilder oder das Rufen von „Merz Leck Eier“ festgenommen und von der Polizei zurück in die Schulen eskortiert. Jetzt, wo sich die Bewegung auch direkt gegen die Merz-Klingbeil-Regierung stellt, nehmen die Disziplinierungen immer weiter zu. Eine Regierung, welche in den kommenden vier Jahren 607 Milliarden Euro für die Aufrüstung ausgeben will und immer größere Angriffe auf das Sozialsystem und die Arbeiter:innenrechte fährt, hat kein Problem damit, auch Minderjährige wie in Kiel vom Verfassungsschutz bespitzeln zu lassen.
Eines der wichtigsten Instrumente, um politische Kritik klein zu halten, ist der Paragraf 188 StGB, der Politiker:innen Sonderrechte verschafft, um vermeintliche Beleidigungen oder Verleumdungen zu bestrafen. Seit er 2021 verschärft wurde, bildet er die Grundlage, um selbst ohne Anzeige der kritisierten Politiker:innen Ermittlungen durch die Polizei einzuleiten und ermöglicht im Falle einer Verurteilung ein Strafmaß von bis zu 3 Jahren. Kritik an Merz, Pistorius und Co. mag angemessen sein, doch laut dem Gesetz stört sie leider deren „öffentliches Wirken“. Das verkaufen sie als „Schutz der Demokratie“, doch wessen Demokratie meinen sie denn? Offensichtlich nicht die der Jugend und der Beschäftigten, die damit daran gehindert werden, ihre Interessen und ihre Kritik zu artikulieren. Was sie damit schützen, ist die Demokratie der privilegierten Bürokrat:innen und Kapitalist:innen. Es braucht eine ersatzlose Streichung dieses undemokratischen Sonderrechts!
Doch während der deutsche Staat uns immer weiter reprimiert und diszipliniert, sehen wir immer mehr, dass unser Protest zu einer Bedrohung für ihre Kriegspläne wird. Gegen die Wehrpflicht und die dahinterliegende Militarisierung zu kämpfen, muss auch heißen, sich der autoritären Zuspitzung entgegenzustellen und unsere demokratischen Rechte mit unseren eigenen Methoden zu verteidigen. Die Regierung will unseren Protest und unsere Organisierung einschränken und um dem etwas entgegenzusetzen, müssen wir die Kampfmethoden der Arbeiter:innen gemeinsam mit ihnen ergreifen, um unsere Forderungen zu erkämpfen. Wir brauchen Komitees an allen Orten unseres alltäglichen Lebens, an denen wir mit unseren Mitschüler:innen, Kommiliton:innen und Kolleg:innen in die politische Diskussion treten können. Nur wenn wir uns selbst organisieren, können wir die Militarisierung und mit ihr die Wehrpflicht und Angriffe auf Meinungs- und Versammlungsfreiheit zurückschlagen.
Kommt deshalb zu unserem bundesweiten Vernetzungs-Call am Samstag, den 1. August um 18:00 Uhr (Link auf Anfrage über Instagram oder E-Mail) und diskutiert mit uns über die strategische Perspektive und Ausweitung der Schulstreiks!