Ingolstadt: Aus dem Nichts kein BAföG mehr

22.09.2026, Lesezeit 4 Min.
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Foto: Shutterstock.com / New Africa

Student:innen können sich normalerweise recht sicher sein, dass sie am Monatsende ihr BAföG erhalten, um damit unter anderem ihre Miete, Essen und Strom bezahlen zu können. Doch für mehrere Student:innen der EURO Fachakademie Ingolstadt ist das seit Ende Juli nicht mehr der Fall.

Ende Juli bekamen wir und mehrere unserer Mitstudierenden der EURO Fachakademie Ingolstadt einen Brief vom Amt für Ausbildungsförderung, welcher uns darüber informierte, dass wir erstmal kein BAföG mehr erhalten werden. Wenige Tage vor dem Monatsende und pünktlich zu den Sommerferien stehen viele von uns also ohne Geld da. Laut dem BAföG-Amt Ingolstadt sind der Grund dafür Unstimmigkeiten in der von der Fachakademie angegebenen Stundenanzahl. In den letzten Schuljahren seien diese Unterrichtsstunden sehr stark von den tatsächlich abgehaltenen Stunden abgewichen, weshalb der Unterhaltsbeitrag noch nicht bewilligt werden kann. Betroffen sind jedoch nur die Student:innen mit Wohnsitz in Ingolstadt, andere Landkreise sind nicht betroffen. Auf Nachfrage einzelner Student:innen teilte uns das zuständige Amt mit, dass die EURO bereits seit Januar von diesem Problem wüsste, was von der EURO in einer Nachricht an alle Student:innen bestätigt wurde. Trotz des monatelangen Kontakts erfuhren wir als Betroffene erst Ende Juli von der Situation.

Aussagen mehrerer Student:innen zufolge, wurde ihnen vergewissert, dass man sich um dieses Problem schnellstmöglich kümmern würde. Nun jedoch erfuhren wir am Freitag (18. September), dass bis zur Klärung dieser Situation es noch vorsichtig geschätzte zwei bis drei Monate dauern könnte. Das stellt viele von uns vor eine schwierige finanzielle Situation. Die meisten sind stark von der regelmäßigen BAföG-Zahlung abhängig und haben nun keine Möglichkeit, ihre laufenden Kosten zu decken. Angesichts dessen erklärte sich die EURO dazu bereit, den Einzug der monatlich anfallenden Studiengebühren temporär auszusetzen, betonte jedoch, dass der Gesamtbetrag für den Zeitraum ab August nach Freigabe der BAföG-Zahlungen eingezogen werden wird. Die Studiengebühren bilden aber nur einen Teil der monatlich anfallenden Kosten. Dadurch, dass wir erst sehr kurzfristig darüber in Kenntnis gesetzt wurden, konnten wir uns nicht darauf einstellen und beispielsweise Geld beiseite legen. Viele unserer Mitstudierenden sind derzeit extrem besorgt und wissen nicht, wie sie ihre Miete, Essen, Versicherung und weitere Ausgaben decken sollen. Diejenigen, die nicht von einem finanziell stabilen sozialen Umfeld profitieren können, sehen sich nun dazu gezwungen, Schulden aufzunehmen. Während also die EURO bereits monatelang hierzu im Kontakt mit dem BAföG-Amt stand, wurden wir Student:innen im Dunkeln gelassen. 

Doch es geht hierbei nicht um irgendeinen kleinen formalen Fehler, sondern um den Lebensunterhalt dutzender Student:innen. Deswegen fordern wir als Studierende der EURO Fachakademie Ingolstadt diese dazu auf für einen transparenten Umgang mit der Situation zu sorgen und alle Entwicklungen den Studierenden gegenüber offen zu kommunizieren, anstatt über diese hinweg den Sachverhalt hinter verschlossenen Türen zu klären. Außerdem sagen wir klar, die EURO Fachakademie muss hier Verantwortung übernehmen! Sie muss finanziell schwache Student:innen unterstützen und sich dafür einsetzen, dass dieses Problem schnellstmöglich gelöst wird. Wir fordern auch die zuständigen Behörden auf, die Zahlungen sofort zu ermöglichen. 

Dass Student:innen Probleme mit ihren BAföG-Zahlungen haben, ist aber nicht nur ein regionaler Einzelfall. Tagtäglich hören wir von unseren Freund:innen, Bekannten oder lesen in den sozialen Medien, dass der BAföG-Antrag enorm bürokratisch ist. Vor allem für Kinder von geschiedenen Eltern ist es eine Horrorvorstellung, wenn sie auf einmal das Elternteil, zu dem sie seit Jahren keinen Kontakt mehr haben, anschreiben müssen, um für diesen Antrag dessen Einkommen zu beweisen. Nachdem man es dann geschafft hat, sich durch die enormen bürokratischen Hürden zu kämpfen, ist es jedoch möglich, dass man wie wir auf einmal doch ohne Geld da steht. Und das in einer Zeit, in der die Kürzungspolitik der Merz-Klingbeil-Regierung und die Militarisierung uns Studierende und die Jugend sowieso schon immer mehr in die Prekarität drängt. Gleichzeitig sehen wir aber, dass die Situation nicht hoffnungslos ist und sich bundesweit, sowie international Widerstand gegen den Sozialkahlschlag, die Probleme im Bildungssystem und die fortschreitenden autoritären Tendenzen in der Politik, formiert. Zum Beispiel die bundesweiten Schulstreiks gegen die Wehrpflicht, welche sich auch gegen die Angriffe der Regierung richten. Wir als Studierende müssen uns dieser Bewegung anschließen und an den Universitäten für den nächsten Streiktag am 25. September mobilisieren und uns den Sozialprotesten am 26. September anschließen.

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