Ihr Kampf ist unser Kampf: Warum wir als Studierende den Streik bei den Vivantes-Töchtern unterstützen

14.04.2026, Lesezeit 4 Min.
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Foto: Elaine Toszka

Als Studierendenvertretungen- und gruppen rufen wir dazu auf, sich mit dem Erzwingungsstreik der outgesourcten Beschäftigten bei den Vivantes-Töchtern zu solidarisieren und für die Streikkasse zu spenden.

Unterzeichnende Gruppen:

Waffen der Kritik – Hochschulgruppe von Klasse Gegen Klasse 

AStA FU

Rotes Café FU

FSI Lateinamerikainstitut FU

BDS FU

Die Beschäftigten der Tochterunternehmen von den landeseigenen Berliner Vivantes-Krankenhäusern gehen am 15. April in den Erzwingungsstreik. Sie kämpfen für eine 100-prozentige Angleichung an den Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes (TVöD) und damit dafür, endlich genauso bezahlt zu werden wie ihre Kolleg:innen, die direkt bei Vivantes angestellt sind.

Das gesamte Gesundheitssystem beruht auf der Reinigung, der Gastronomie, der Sterilisation und der Technik. Kein:e Ärzt:in oder Pflegekraft könnte arbeiten, kein:e Patient:in könnte ädaquat versorgt werden ohne die überwiegend migrantischen und weiblichen Beschäftigten, die systematisch benachteiligt werden. Ab 2002 gründete der Berliner Senat fünf Tochterfirmen, die sich zu 100 Prozent in seiner Hand befinden: Die Vivantes Service GmbH (VSG), VivaClean, Speise- und Versorgungslogistik (SVL), Vivantes Reha und Vivantes MVZ (Medizinisches Versorgungszentrum). Insgesamt 2.500 Beschäftigte arbeiten dort. Dieses Outsourcing führt dazu, dass sie seit Jahren für die gleiche Arbeit deutlich schlechter bezahlt werden – teilweise über 800 Euro weniger im Monat. Ebenfalls dient es dazu, die Belegschaft zu spalten, indem durch die unterschiedlichen Tarifverträge Beschäftigte der Tochterfirmen nicht gemeinsam mit ihren Kolleg:innen, die direkt bei Vivantes angestellt sind, streiken können. 

Menschen, die von Rassismus und/oder Sexismus betroffen sind, sind in Deutschland überproportional oft von solchen prekären Arbeitsverhältnissen betroffen. Der Streik steht dafür, den Lohnunterschieden zwischen Männern und Frauen, zwischen Menschen mit deutscher Staatsangehörigkeit und Menschen ohne deutsche Staatsangehörigkeit, ein Ende zu setzen.

Auch an der FU Berlin ist Outsourcing eine weit verbreitete Praktik. Nahezu alle Reinigungskräfte, Beschäftigte im Wach- und Sicherheitsdienst und in einzelnen Bereichen des Botanischen Gartens sind bei Tochterfirmen angestellt. Mit der vom Berliner Senat geplanten Hochschulbaugesellschaft könnten ein großer Teil der Aufgaben der technischen Abteilung ausgegliedert werden. Hochschulen könnten so Mieterinnen ihrer eigenen Gebäude werden, was auch studentische Räume bedroht. 

Mit dem Berliner Senat haben wir als Studierende und Beschäftigte der Berliner Universitäten mit den Beschäftigten der Vivantes-Töchter einen gemeinsamen Gegner. Ihr Streik steht heute besonders im Zeichen der massiven Haushaltskürzungen. Während auf Bundesebene hunderte Milliarden in die Aufrüstung investiert werden, hat die Sparpolitik für uns den Wegfall von über 20.000 Studienplätzen, Streichung von Projekten und höhere Arbeitsbelastung durch weniger Neueinstellungen zur Folge. 

Die Beschäftigen der Vivantes-Töchter machen vor, wie wir uns dagegen wehren können. Immer wieder hat der Senat unter Rot-Rot-Grün und Schwarz-Rot, zuletzt im Koalitionsvertrag vom 2023, die Wiedereingliederung versprochen. Passiert ist das nie. Bereits am 9. Februar 2026 sind die Kolleg:innen zum ersten Mal in einen eintägigen Warnstreik getreten, Ende Februar haben sie sogar schon drei Tage am Stück gestreikt. Nachdem der Senat sich weigerte, auf die Forderungen einzugehen, stimmten 98,5 Prozent der ver.di-Mitglieder für den Eintritt in einen Erzwingungsstreik. 

Um gewinnen zu können, brauchen die Streikenden dringend Unterstützung. Durch den Streik steht den Beschäftigten noch weniger als ihr normaler Lohn zur Verfügung. Eine Streikkasse wurde eingerichtet. Jeder Euro hilft, den Streik durchzuhalten und den Druck auf den Senat zu erhöhen.

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