„Ich liege im Sterben“: Britische Regierung ignoriert den Hungerstreik von Palestine Action Aktivist:innen

12.01.2026, Lesezeit 6 Min.
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Foto: Zeynep Demir Aslim/ Shutterstock

Der Gesundheitszustand der Hungerstreikenden von Palestine Action verschlechtert sich rasant, während sich Solidaritätsaktionen in ganz Großbritannien und international ausbreiten. Trotz klarer und wiederholter medizinischer Warnungen hält die Labour-Regierung von Keir Starmer die Streikenden weiterhin im Gefängnis fest und beharrt auf einer Vorgehensweise, die jetzt ein unmittelbares Todesrisiko mit sich bringt.

Seit Anfang November befindet sich eine Gruppe pro-palästinensischer Aktivist:innen in Großbritannien im Hungerstreik. Ihr Gesundheitszustand hat sich seitdem dramatisch verschlechtert. Ärzte und Unterstützer:innen warnen nun vor akuter Lebensgefahr. Dieser Donnerstag war Heba Muraisis 71. Tag ohne Essen, was die 66 Tage von Bobby Sands übertrifft, dem irischen republikanischen politischen Gefangenen, der 1981 unter Margaret Thatcher starb.

Muraisi leidet unter starken Muskelkrämpfen und Atembeschwerden, was die Befürchtung schwerer neurologischer Schäden aufkommen lässt. Kamran Ahmed, der sich derzeit im 64. Tag seines Hungerstreiks befindet, wurde mehrfach ins Krankenhaus eingeliefert, leidet unter zeitweiligen Hörverlusten und ist in eine kritische Phase der Auszehrung eingetreten. Lewie Chiaramello, der an Typ-1-Diabetes leidet, befindet sich seit rund 48 Tagen in einem intermittierenden Hungerstreik, was die lebensbedrohlichen Risiken, denen er ausgesetzt ist, weiter erhöht.

Obwohl alle drei mit dem Tod rechnen müssen, weigert sich die Labour-Regierung, einzugreifen, und hält sie weiterhin unter Berufung auf Anti-Terror-Gesetze fest.

Ein Hungerstreik ohne Präzedenzfall

Die „Filton 24” sind vierundzwanzig Aktivist:innen von Palestine Action, einer pro-palästinensischen Gruppe, die in Großbritannien verboten und als „terroristische Organisation” eingestuft ist. Sie sind seit Monaten inhaftiert, weil sie angeblich im August 2024 gegen eine Einrichtung des israelischen Rüstungsunternehmens Elbit Systems in Filton bei Bristol vorgegangen sind.

Anfang November haben acht der Gefangenen beschlossen, ihr Leben aufs Spiel zu setzen, um die sofortige Freilassung der Untersuchungshäftlinge gegen Kaution, die Aufhebung des Verbots von Palestine Action, die Aufhebung der Anklagen wegen „Terrorismus“, die Veröffentlichung von Dokumenten über Elbit und die Kommunikation zwischen dem britischen und dem israelischen Staat sowie die Beendigung aller Partnerschaften zu fordern.

Fünf Gefangene mussten ihren Hungerstreik nach mehreren Wochen ohne Essen aufgrund medizinischer Intervention beenden. Ihr Opfer blieb nicht ohne Folgen: Einige leiden nun unter bleibenden Schäden, darunter Nervenverletzungen, sensorische Ausfälle und andere irreversible Schäden, die durch anhaltende Unterernährung verursacht wurden.

Aber die Verschlechterung des Gesundheitszustands der politischen Gefangenen ist nicht nur auf Hunger zurückzuführen. Die Aktivist:innen werden unter erniedrigenden und gefährlichen „terroristischen” Haftbedingungen festgehalten: strenge Isolation, Zensur der Kommunikation, wiederholte Verzögerungen beim Zugang zu medizinischer Notfallversorgung, inkonsistente medizinische Überwachung, zu spät gerufene Krankenwagen und strenge Beschränkungen des Kontakts zu Anwält:innen und Familienangehörigen. Selbst während ihres Krankenhausaufenthalts bleiben sie stark gefesselt, auch wenn sie auf die Toilette gehen.

Dabei wurde keine:r von ihnen wegen terroristischer Straftaten angeklagt – geschweige denn verurteilt. Die Gefangenen von Palestine Action werden wegen gewöhnlicher Straftaten wie Sachbeschädigung oder Verstößen gegen die öffentliche Ordnung verfolgt, die sie noch vor dem Verbot ihrer Organisation Palestine Action begangen haben. Die Unschuldsvermutung und der Grundsatz der Nichtrückwirkung von Gesetzen werden offen verletzt, als Teil einer umfassenderen Kriminalisierung der Unterstützung für Palästina, die sich auch in den Vereinigten Staaten, Deutschland und Frankreich abzeichnet.

Außerdem beträgt laut der Staatsanwaltschaft die maximale Dauer der Untersuchungshaft 182 Tage – was an sich schon ein Skandal ist. Heba Muraisi und Kamran Ahmed wurden im November 2024 verhaftet und werden nicht vor Juni 2026 vor Gericht gestellt, was zwanzig Monaten Haft ohne Gerichtsverfahren entspricht. Lewie Chiaramello, der im Juli 2025 verhaftet wurde, wird erst im Januar 2027 einer Vorverhandlung unterzogen – das bedeutet achtzehn Monate Haft ohne Urteil.

Die Labour-Regierung stellt sich taub und setzt die Unterdrückung fort

Angesichts dieser Situation bleibt die Labour-Regierung unter Keir Starmer gleichgültig und verächtlich. Obwohl sie sich der kritischen Lage der Hungerstreikenden voll bewusst ist, wurden keine ernsthaften Maßnahmen ergriffen. Am 18. Dezember 2025 enthüllte The National, dass fast 900 Angehörige der Gesundheitsberufe an Außenminister David Lammy und Gesundheitsminister Wes Streeting geschrieben hatten, um eine fachärztliche Versorgung der Streikenden zu fordern. Der Brief blieb unbeantwortet.

Diese Verachtung wurde am 16. Dezember im Parlament deutlich. Nachdem etwa fünfzig Abgeordnete in einem Brief an die Regierung den Justizminister aufgefordert hatten, sich mit den Anwält:innen der Hungerstreikenden zu treffen, wurde die Forderung rundweg abgelehnt, was Gelächter im Plenarsaal auslöste.

Gleichzeitig hat die Regierung antisemitische Angriffe in Sydney zum Anlass genommen, um härtere Maßnahmen gegen Proteste zu rechtfertigen. Jeder Hinweis auf das Wort „Intifada” ist jetzt ein Grund für eine Verhaftung, während die Polizeigewalt gegen Demonstrant:innen zugenommen hat. Am 22. Dezember wurde Greta Thunberg in London verhaftet, weil sie ein Plakat mit der Aufschrift „Ich bin gegen Genozid, ich unterstütze Palestine Action Gefangene” hochhielt.

Als Reaktion auf die Missachtung und Unterdrückung haben sich die Solidaritätsaktionen verstärkt. Vor dem Parlament, den Gerichten, den Büros der Labour-Partei und den betroffenen Gefängnissen fanden regelmäßig Demos statt. In der Nacht vom 16. auf den 17. Dezember 2025 gingen Demonstrant:innen – darunter die Abgeordnete Zarah Sultana von der Your Party-Fraktion, die sie gemeinsam mit Jeremy Corbyn links von der Labour-Partei gegründet hatte – zum HMP Bronzefield-Gefängnis, um die dringende Einweisung einer Hungerstreikenden, Qesser Zuhrah, ins Krankenhaus zu fordern. Nach 17 Stunden Konfrontation mit den Gefängnisbehörden und der Polizei und drei Festnahmen wurde endlich ein Krankenwagen zugelassen, um sie ins Krankenhaus zu bringen.

Die Solidarität hat sich auch international ausgebreitet. Vor britischen Botschaften in Boston, Tel Aviv, Johannesburg und anderen Orten gab es Proteste. Georges Ibrahim Abdallah, der libanesische revolutionäre Aktivist, der 41 Jahre lang in Frankreich inhaftiert war und im Juli 2025 freigelassen wurde, hat seine Unterstützung bekundet, ebenso wie ehemalige irische republikanische Gefangene, darunter Tommy McKearney, der 1980 am Hungerstreik teilgenommen hatte. Der ehemalige Guantánamo-Häftling Mansoor Adayfi, der jetzt in Großbritannien lebt, hat sogar aus Solidarität einen Hungerstreik begonnen.

Wir unterstützen die Hungerstreikenden voll und ganz, genauso wie alle politischen Gefangenen und Aktivist:innen, die wegen ihrer Kritik am Genozid in Gaza unterdrückt werden. Bei der Kundgebung in Paris, die am 27. Dezember aus Solidarität mit den Filton 24 organisiert wurde, hat Sasha Yaropolskaya, eine Aktivistin von Du Pain et Des Roses und Révolution Permanente, die internationale Dimension der Kriminalisierung der Solidarität mit Palästina hervorgehoben und betont, dass man dieser Unterdrückung auf derselben globalen Ebene begegnen muss.

Der Artikel erschien zunächst am 8. Januar in unserer französischen Schwesterzeitung Révolution Permanente.

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