Hat die Türkei die größte Porno-Datenbank der Welt?

31.07.2025, Lesezeit 3 Min.
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Foto: VladOrlov (Shutterstock.com)

Queere Menschen werden in der Türkei ausgemustert. Wie das abläuft? Beweisvideos vom Sex.

Der Militärdienst in der Türkei ist verpflichtend, geht sechs Monate regulär und um sich ausmustern zu lassen, gibt es verschiedene Wege. Ein Grund zur Ausmusterung ist das sogenannte „Pinke Dokument“ – auf türkisch „pembe tezkere“. Queere Menschen werden geprüft und sind mit diesem Dokument offiziell ausgemustert, mit dem Vemerk „çürük“ (türkisch für „verfault“).

Dass allein der Ausdruck „verfault“ den türkischen Militarismus verdeutlicht, indem er ausgemusterte Menschen dehumanisiert, ist bereits an Ekelhaftigkeit kaum zu übertreffen. Noch ekelhafter ist aber das Verfahren, wie geprüft werden soll, ob queere Menschen dieses Dokument bekommen und ausgemustert werden oder nicht.

Im Prüfungsverfahren müssen queere Menschen ihr Geschlecht und ihre Sexualität nachweisen. Mit medizinischen Nachweisen, persönlichen Fotos und intimsten Videos. Ja, genau, Videos. Beispielsweise sollen schwule Männer so nachweisen, ob sie „aktiv oder passiv schwul“ sind. Denn wenn sie „aktiv schwul“ sind, also aktiv penetrieren, dürfen sie offiziell zum Militär. Wenn sie „passiv schwul“ sind, also beim Sex penetriert werden, dann werden sie ausgemustert, weil sie nicht „männlich genug“ sind.

In der Türkei leben vermutlich Millionen von queeren Menschen. Die Queerfeindlichkeit und Repression, die sie erfahren, ist seit Jahrzehnten so exzessiv, dass die Türkei von 49 geprüften „LGBT-sicheren“ Ländern auf Platz 47 ist, mit gerade einmal 4,75 von 100 Punkten. Erdoğan hat in seiner über 20-jährigen Legislatur etliche queerfeindliche Gesetze erlassen, darunter das absolute Verbot von Demonstrationen zur Pride sowie die offizielle Aberkennung von trans Personen als solche.

Zugleich muss man sich vorstellen, dass zehntausende queere Menschen das Prozedere für die Pembe Tezkere durchmachen mussten, also Foto- und Videomaterial eingereicht haben, um vom Militär ausgemustert zu werden. Ob es ein Gerücht ist, dass die Türkei die größte Schwulenporno-Datenbank weltweit ist, kann zwar nicht erwiesen werden, jedoch auch nicht widerlegt. Diese Tatsache ändert aber nichts an dem absolut entmenschlichenden Ausmusterungsverfahren in der Türkei.

Während in Deutschland der Wehrdienst bald wieder verpflichtend sein soll, ist das in der Türkei seit Jahrzehnten nie optional gewesen. Es gibt auch keine Chance auf einen Zivildienst oder Ähnliches. Was offiziell alle machen dürfen, aber mehrheitlich niemals können, ist sich „freizukaufen“ – für aktuell 280.850,64 Türkische Lira. Das sind über 6.000 Euro und sowohl für türkische, als auch für internationale Verhältnisse wie Türk:innen in Deutschland extreme Summen. Wehr- und Kriegsdienstverweigerer werden auf unbestimmte Zeit inhaftiert oder zwangsrekrutiert.

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