Hannover: IG Metall läuft sich warm

03.10.2026, Lesezeit 3 Min.
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Foto: Lukas Fechner

6.000 Beschäftigte des VW- Werks haben gegen das Auslaufen der Produktion in Hannover und für eine zukunftssichere Automobilindustrie demonstriert.

Um 12:00 am 21. September startete mit rund 6.000 Beschäftigten vom VW-Werk in Hannover der Demonstrationszug der Beschäftigten Richtung Festplatz Stöcken. Ab 09:30 Uhr machte der Autozuliefererbetrieb ZF/WABCO den Auftakt und startete mit einer Kundgebung auf dem Hof ihres Betriebes in den Tag und betonte die Rolle der Autozulieferer. Unterstützung bekamen die Beschäftigten an diesem Tag von zahlreichen anderen Betrieben sowie von anderen Gewerkschaften wie der ver.di und der GEW, die auch an den Protesten teilnahmen. Im Mittelpunkt standen die Kolleg:innen von Volkswagen Nutzfahrzeuge und ZF/WABCO, die an diesem Tag bereits zum zweiten Mal zu einem Aktionstag der IG Metall aufgerufen wurden.

Auf der Bühne prangt der Schriftzug „Zusammenhalt ist unsere Stärke“ neben Bannern wie „Investieren statt kaputtsparen – Für eine innovative Industriepolitik.“ In diesem Geiste wurden auch die Reden der verschiedenen IG- Metall Funktionäre sowie Betriebsräte wie dem Betriebsratsvorsitzenden von Volkswagen Nutzfahrzeuge Stavros Christidis gehalten. Mit den Ankündigen, die IG- Metall wolle das „erstmal im Guten regeln“ und man wolle aber bereits jetzt „am Tisch Muskeln zeigen, die Muskeln von Volkswagen“ läuteten die Reden den ungefähren Kurs der IG- Metall ein. Die Gesamtvorsitzende der IG Metall Christiane Benner warb mit den Worten „Die Beschäftigten sollen nun die Zeche zahlen – Nicht ohne die IG Metall“ um Vertrauen unter den Beschäftigten. Kolleg:innen aus den betroffenen Betrieben dagegen äußerten „Daran werden wir sie messen“ und drückten ihren Anspruch an die IG-Metall-Führung aus.

Jens Schäfer, Betriebsratsvorsitzender von ZF Hannover, stach jedoch durch seine auffallenden Worte heraus. Für ihn sei die „Profitgier der Kapitalisten und der Managerkaste“ verantwortlich. In seinem Redebeitrag prangerte er auch mit „immer mehr Aufrüstung“ die Militarisierung Deutschlands an. Sonst war dieses Thema an diesem Tag weniger präsent.

Die Proteste des Aktionstags der IG-Metall am 21. September zeigten mit 175.000 Beschäftigten bundesweit eine beträchtliche Mobilisierung. Am Tag nach den Landtagswahlen, mit einer herben Niederlage für die CDU in Mecklenburg-Vorpommern und dem Wahlsieg der Linkspartei in Berlin, zeigten die Mobilisierungen, dass es neben der Möglichkeit der Wahl noch eine zweite, auch deutlich effektivere Möglichkeit politischen Beteiligung gibt. Gebeutelt von den Teuerungen der letzten Jahre, den allgegenwärtigen Debatten über die Kürzung der Rente, verbunden mit einer Erhöhung der Lebensarbeitszeit sowie den weiteren Angriffen auf die Sozialsysteme, scheinen die Beschäftigten sich nicht mehr auf die parlamentarische Politik zu verlassen. Auch verliert das Modell der Sozialpartnerschaft nach den erneuten Angriffen immer mehr seinen Inhalt und stellt keine Attraktivität mehr da für die Beschäftigten.

Allein in Sindelfingen gingen 20.000 Kolleg:innen auf die Straße. Jene, die am 11.September öffentlichkeitswirksam auf ihrem Instagram-Account ein Mobivideo für den Aktionstag veröffentlichten und darin fordern „Dann sollen sie die Sozialpartnerschaft, die die immer so hochgehalten haben in den letzten Jahrzehnten, wohin schieben“. Zusätzlich verabschiedeten sie im Sommer eine Resolution mit den Worten „Schluss jetzt. Protest, Widerstand , Streik!. Darin zogen sie die Parallele zu den Protesten gegen die Agenda 2010 Anfang der 2000er Jahre. Neben Sozialen Forderungen verabschiedeten sie ebenso die Ankündigung, dass „Zukünftig gibt es keine Betriebsversammlung, keine Betriebsratssitzung, keine Gewerkschaftsversammlung ohne politische Diskussion.“

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