Sie versagen, wir baden es aus: Hackerangriff auf LMU München
Bei einem Hackerangriff auf die LMU München konnten 600.000 Datensätze mit sensiblen Daten abgegriffen werden. Wie kann das an einer sogenannten "Exzellenzuniversität" passieren und wie schützen wir unsere Daten zukünftig?
Vor rund zwei Wochen meldete die Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU), dass sie Opfer eines Hackerangriffs geworden sei. Der Angriff fand am 16. September statt, die Studierenden wurden erst drei Tage später informiert. Dem noch unbekannten Angreifer ist es dabei gelungen, auf die IT-Systeme der LMU zuzugreifen und auch auf „gespeicherte Stammdaten zu Immatrikulationen“ zuzugreifen, wie es in einer E-Mail der Universität heißt.
Während die LMU anfangs noch von 50.000 betroffenen Datensätzen sprach, ist mittlerweile klar, dass 600.000 Datensätze abgerufen wurden. Dabei handelt es sich um Angaben zu Namen, Geburtsdatum, Geschlechtseintrag, Geburtsstadt oder -land sowie Kontaktdaten – also Adresse, Telefonnummer und E-Mail – als auch Bankdaten. „Grundsätzlich möglich“ ist laut LMU auch, dass auf Krankenversicherungsnummer, Bafög-Nummer oder Informationen zu Beurlaubungsgründen zugegriffen wurde. Abgerufen wurden nicht nur aktuelle Daten, sondern Daten der letzten 50 Jahre. Nicht betroffen sind wiederum die Prüfungsergebnisse der Studierenden.
Seither konnten Studierende nicht mehr auf das LSF Portal zugreifen, worüber Kurse belegt und Noten eingesehen werden können – ein Skandal am Ende der Semesterferien. Studierende müssen genau zu diesem Zeitpunkt ihre Noten auf LSF abrufen sowie die Kurse für das nächste Semester einsehen können.
Nun soll LSF ab Mittwoch, den 30. September wieder abrufbar sein – jedoch nur über das Wlan der LMU oder über einen speziell eingerichteten VPN. Die Belegfrist wird dafür in den Studiengängen verlängert, Noten später eingetragen. Dies ist vor allem für Studierende ein Problem, die ihren Stundenplan mit ihrem Job abstimmen müssen und nun weniger Zeit haben, mit ihren Chefs einen neuen Schichtplan zu erstellen. Ohnehin liegt der Belegzeitraum in einigen Studiengängen knapp vor dem Vorlesungsbeginn, wodurch den Studierenden oft nur wenige Tage bleiben, um ihren Vorgesetzten ihre verfügbaren Zeiten mitzuteilen oder gegebenenfalls doch noch anders zu belegen. Diese Belegfristen müssten längst nach vorne verlegt werden. Studierende müssen zu großen Teilen neben ihrem Studium arbeiten und können oft schlicht nicht so kurzfristig agieren. Arbeiter:innen, die nicht studieren, können ja schließlich auch nicht von heute auf morgen andere Arbeitstage oder -zeiten in ihrer Arbeitsstelle einfordern.
Anstatt diesen Vorfall einfach so hinzunehmen, müssen wir uns als Studierende und Beschäftigte an der Universität fragen, wie ein solcher Angriff auf eine der vermeintlich „besten“ Universitäten Deutschlands überhaupt möglich war. Auch wurde uns bisher nicht mitgeteilt, wie unsere Daten an der LMU zukünftig besser geschützt werden können oder warum der bisherige Schutz nicht ausreichte. Es braucht also eine unabhängige Kommission, welche die IT-Systeme der LMU sowie den Tathergang und die Sicherheitslücken überprüft. Gerade weil der bisherige Umgang so intransparent geführt wurde, müssen Arbeiter:innen und Studierende aller akademischen und nicht-wissenschaftlichen Bereiche an so einer Kommission mitwirken, die Aufklärung darf auf keinen Fall alleine der Polizei, der Unileitung oder anderen staatlichen Institutionen überlassen werden.
Dieser Vorfall zeigt auch wieder einmal, dass wir als Studierende an der Uni den Entscheidungen der Unileitung ausgesetzt sind. Im Endeffekt sind wir dann diejenigen, die Fehlentscheidungen und Versäumnisse ausbaden müssen. Den Fachschaften und den undurchsichtigen Studierenden-Gremien wird zwar Mitbestimmung versprochen, doch letztlich hat die Unileitung das Sagen und die Macht. Genau deswegen kämpfen wir für Universitäten unter der Kontrolle der Studierenden und Beschäftigten. Nicht die Staatsregierung und Konzerne sollen entscheiden, wofür an der Uni Geld da ist und was gelehrt wird, sondern diejenigen, die jeden Tag an der Universität lernen und lehren. Statt einer Uni unter dem Druck des kapitalistischen Profitzwang wollen wir für Universitäten kämpfen, in denen demokratisch bestimmt wird, was und wie gelehrt wird. Derzeit haben Studierende beispielsweise keine Mittel, um zu entscheiden, ob Kriegsforschung an ihrer Uni betrieben wird.