Göttingen: Abschiebung ins Irgendwo

06.08.2025, Lesezeit 3 Min.
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Foto: Antifa Jugend Göttingen

In Göttingen wurde diese Woche Yacinta, eine Frau aus Burundi, abgeschoben. Besonders empörend: Die Abschiebung fand nicht in ihr Heimatland, sondern nach Malawi statt.

Die Woche beginnt in Göttingen mit einer Abschiebung. Am Montagvormittag wurde Yacinta, eine Frau aus Burundi in der Ausländerbehörde von der Polizei festgenommen und erst zu einem Wohnprojekt, wo sie gelebt hatte, und dann zur Polizeistation gebracht. 

Sofort hat sich diese Information in solidarischen Netzwerken verbreitet und mehrere Aktivist:innen haben sich erst an ihrem Wohnort versammelt. Als weitere Informationen bezüglich ihres Standorts bekannt waren, haben sich die Menschen zur Polizeiwache begeben. Mehr als Hundert Menschen haben sich der Abschiebung widersetzt, doch es wurde nach einiger Zeit festgestellt, dass das Fahrzeug mit Yacinta die Polizeiwache bereits verlassen hatte und auf dem Weg nach Frankfurt war. 

Trotzdem hielten die Proteste an, erst vor der Polizeiwache und dann in der Innenstadt. Auch am Frankfurter Flughafen kam es zu solidarischem Protest. Unterstützer:innen kauften Tickets, versuchten, mit Fluggästen zu sprechen und Yacintas Abschiebung zu stoppen. Doch die Abschiebung konnte nicht verhindert werden. Dazu sagen wir: Angriff auf Yacinta ist Angriff auf uns alle! 

Yacinta wurde zunächst nach Äthiopien geflogen und von dort weiter nach Malawi – obwohl sie aus Burundi stammt. Es ist empörend, wie einfach es den Polizeibeamt:innen, die Abschiebungen durchführen, fällt, so menschenverachtend zu handeln.

Yacinta kämpfte seit mehreren Jahren um Bleiberecht, sie hat in Deutschland die Schule besucht und wollte eine Ausbildung anfangen. Aber der deutsche Staat hat dieser Frau eine menschenwürdige Behandlung  vorenthalten. Nur durch das reibungslose Zusammenspiel von Sozialamt, Ausländerbehörde und Polizei konnte Yacinta schließlich aus der Stadt geholt und deportiert werden.  Mit seiner fortwährenden Krise rückt der deutsche Staat immer weiter nachts Rechts. Die Zunahme von Abschiebungen wie die von Yacinta sind Ausdruck dessen.

Diese Abschiebung, wie viele andere, und wie die gesamte Asylpolitik Deutschlands ist ein Angriff auf ein selbstbestimmtes und sicheres Leben. Wir werden weiter für die Rückkehr von Yacinta kämpfen. Wir kämpfen für eine bessere Welt, in der kein:e einzige:r von unseren Klassengeschwistern der Unterdrückung und Entrechtung ausgeliefert ist. Dafür braucht es offene Grenzen und Bleiberecht für alle. Außerdem braucht es Versammlungen der Beschäftigten in den Flughäfen, um eine Diskussion über Abschiebeflieger zu ermöglichen und den Beschäftigten Raum und die Möglichkeit zu geben, über die Praxis des deutschen Staates, Menschen potenziell in den Tod zu schicken, zu diskutieren. Sie werden zwangsweise daran beteiligt und es muss das Recht für Beschäftigte geben, Abschiebungen abzulehnen und nicht durchzuführen.

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