„Gaza wird zerstört und ihr werdet ausgelöscht“: Israel will Gaza-Stadt dem Erdboden gleichmachen

10.09.2025, Lesezeit 5 Min.
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Foto: tayifmukta/shutterstock.com

Israel bereitet die Vernichtung von Gaza-Stadt vor, nachdem die vollständige Evakuierung angeordnet wurde. Massive Bombardements und eine Bodenoffensive bedrohen Hunderttausende, die in der Stadt eingeschlossen sind.

Die israelische Armee hat Gaza-Stadt bereits seit mehreren Tagen unter Beschuss genommen und bereitet sich darauf vor, die Intensität der Offensive zu steigern. Das erklärte Ziel ist es, die Stadt dem Erdboden gleichzumachen und alle Bewohner:innen zu töten, die sich nicht in die sogenannte „humanitäre Zone“ im Süden Gazas begeben haben, wo sich diejenigen sammeln, die vor den Bombenangriffen aus Gaza flüchten. Am Dienstagmorgen befahl die israelische Armee die Evakuierung der gesamten Stadt; massive Bombardierungen haben bereits gestern begonnen, folgen soll eine Bodeninvasion in den Ruinen der Stadt.

In einer zwielichtigen Nachricht, die gestern auf Twitter veröffentlicht wurde, kündigte der israelische Verteidigungsminister Israel Katz an, dass „ein mächtiger Hurrikan den Himmel über Gaza treffen wird und die Dächer der Türme des Terrors erzittern werden. […] Gebt die Waffen ab, oder Gaza wird zerstört und ihr werdet ausgelöscht werden“. Diese Botschaft macht keinen Hehl aus Israels Absicht, die Gaza-Bewohner:innen zu massakrieren. Verhandlungen lehnt es ab und bereitet sich darauf vor, ganz Gaza zu erobern und zu entvölkern. Die USA stellten am Sonntag ein Ultimatum an die Hamas und die Bevölkerung des Gazastreifens, sich entweder zu ergeben oder die israelische Wut zu erdulden, und billigten damit die israelischen Übergriffe, wie sie es schon immer getan haben.

In den Stunden nach der düsteren Ankündigung von Israel Katz bombardierte die israelische Armee mehrere Gebäude in der Stadt und ermordete Dutzende von Palästinenser:innen, darunter einen Journalisten. Die von Israel herbeigeführte Hungersnot wütet weiterhin in Gaza, wo sich Krankheiten häufen. Israel kontrolliert die humanitäre Hilfe vollständig, und die Verteilung der Hilfsgüter in Konzentrationslagern führt systematisch zu Massakern an den hungernden Palästinenser:innen.

Gaza-Stadt ist nur der erste Schritt in einem Plan zur vollständigen Besetzung des Gazastreifens, der am 8. August vom israelischen Sicherheitskabinett bestätigt wurde und den Gaza-Bewohner:innen die Wahl lässt, „zu gehen oder zu sterben“. Während Israel beschlossen hat, ein Konzentrationslager in Rafah zu errichten, in dem 600.000 Palästinenser:innen eingesperrt werden sollen, zielt der Befehl, bis zum 7. Oktober ganz Gaza-Stadt zu evakuieren, darauf ab, die Enklave zu entvölkern und die Massendeportation von Gaza-Bewohner:innen vorzubereiten – ganz im Sinne des Trump-Plans für Gaza.

Gleichzeitig häufen sich die Drohungen, das Westjordanland zu annektieren. Die von Ben Gvir und Smotrich ermutigten Siedlerangriffe haben in den letzten Wochen als Reaktion auf die Aussicht der Anerkennung eines palästinensischen Staates durch mehrere Verbündete Israels zugenommen. Während die Vereinigten Arabischen Emirate mit der Drohung einer Aufkündigung des Abraham-Abkommens gewedelt haben, zielen die Proteste der reaktionären Golfmonarchien vor allem darauf ab, die Mobilisierungen einzudämmen, die entstehen und sich schnell gegen die am Völkermord mitschuldigen Regime wenden könnten. Israel, dessen „Traum“ von der Schaffung eines Großisraels und der ethnischen Säuberung der palästinensischen Bevölkerung greifbarer denn je erscheint, kann sich mit dieser Kritik, der keine Taten folgen, bestens arrangieren.

Während die israelische Armee seit Wochen immer wieder in Gaza verbliebene Journalist:innen ermordet und eine Mediensperre über ihre Operationen verhängt hat, wird das Ausmaß des Massakers wohl erst im Laufe der Zeit deutlich werden. In diesem Moment des Grauens liegt ein Hoffnungsschimmer in der Global Sumud Flotilla, die mit mehreren Schiffen, die von verschiedenen Häfen aus gestartet sind, versucht, die Blockade des Gazastreifens zu durchbrechen. Auch wenn die Erfolgsaussichten gering bleiben, wirkt diese Initiative wie ein Beschleuniger für die Solidarität mit den Menschen in Gaza und rückt die Rolle in den Vordergrund, die die Arbeiter:innenklasse in dieser Situation spielen kann, wenn sie mit ihren Methoden eingreift. Während die Hafenarbeiter:innen in Genua und Barcelona ankündigten, in den Streik treten zu wollen, falls die Flottille von der israelischen Armee abgefangen werden sollte, erklärten die brasilianischen Raffineriebetreiber ihre Unterstützung für die Flottille und prangerten Lulas Komplizenschaft mit dem Völkermord an. 

Diese Initiativen ermutigten die Studierenden in Neapel, den gleichen Aufruf zu starten, die Universitäten zu blockieren, um die Flottille gegen einen israelischen Angriff zu verteidigen, und könnten sich auf andere Sektoren ausbreiten. Angesichts der Gefahr der Vernichtung des palästinensischen Volkes, müssen wir diese Dynamik mit aller Kraft ausweiten.

Dieser Artikel erschien zunächst am 9. September in unserer französischen Schwesterzeitung Révolution Permanente.

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