Deutschland

Faschos und Lenin in bayerischem Faschingszug

Einige Faschist*innen vom „III. Weg“ mischten sich in den größten Faschingszug Süddeutschlands. Sie liefen mit Blackfaces und einem rassistischen Spruchband. Der Oberbürgermeister ging derweil als Lenin – neben Trump und mit Blackfacer*innen.

Faschos und Lenin in bayerischem Faschingszug

Der Rechtsruck in Deutschland macht auch vor dem Fasching nicht halt. Am vergangenen Sonntag mischten sich in den Würzburger Faschingsumzug mehrere Faschist*innen der Gruppe „III. Weg“. Sie gingen mit Blackfaces und dem Spruchband „Wir wissen genau, abschieben wird uns keine Sau!“ Ein Faschist verkleidete sich als Angela Merkel, die rief: „Alle rein, wir nehmen alle auf“ oder „Ficki, Ficki“. Am größten Faschingszug im süddeutschen Raum nahmen circa 100.000 Personen teil.

Die Empörung ist in der Stadtpolitik im Nachhinein ziemlich groß. Reinhardt Stumpf, der Präsident der 1. Karnevalsgesellschaft Elferrat, beteuert, dass der Zug vor Beginn kontrolliert worden sei. „Die Karnevalsgesellschaft bietet keinen Boden für rechtsradikale Tendenzen“, behauptete er. Auch die Dritte Bürgermeisterin der Stadt Würzburg, Marion Schäfer-Blake (SPD) meint, dass „es schädlich sei, so eine friedvolle Veranstaltung zu missbrauchen“.

Doch all diese Beteuerungen sehen darüber hinweg, dass die faschistische Gruppe wohl ungestört an dem Zug teilnehmen konnte. Die Organisator*innen gingen nicht gegen die Teilnahme vor, sie seien von der Situation „überrumpelt“ worden. Und auch aus dem Publikum ist keine größere Empörung oder gar Widerstand bekannt. Die Szene wurde sogar in der Liveübertragung des „Bayerischen Rundfunks“ gezeigt, der sie unkommentiert ließ. Erst auf Aufforderung einiger Zuschauer*innen wurde die Szene aus der Mediathek gelöscht.

Die Faschist*innen hatten so eine riesige Bühne. Fasching ist in Unterfranken ein gesamtgesellschaftliches Ereignis, Fernsehsendungen aus der Region Würzburg sehen bis zu 4,5 Millionen Zuschauer*innen. Zahlreiche bayerische Landespolitiker*innen treten dort auf.

Aufmarsch des III. Weges

Zwar wollen die Veranstalter*innen und die Stadt „mit allen Mitteln des Rechtsstaates vorgehen“, jedoch ist dies wenig glaubhaft. Denn erst in der vergangenen Woche durfte der „III. Weg“ einen Aufmarsch mit knapp 170 Teilnehmer*innen in der Stadt abhalten. Dabei gewährte die Stadt eine großzügige Route durch die Innenstadt und genehmigte Pyrotechnik mit dem Schauspiel von „Sensenmännern“. Der Gegenprotest mit 2.500 Teilnehmer*innen wurde von der Polizei angegriffen, wobei es zu einer schwerverletzten Person kam. Gegen den Polizisten wird juristisch nicht weiter vorgegangen.

Nun wird wegen „einer unangemeldeten Versammlung innerhalb einer Veranstaltung“ gegen die Faschist*innen ermittelt. Doch dieselbe Polizei, die erst Antifaschist*innen angreift, hält die faschistische Teilnahme an Faschingsumzügen nicht weiter für erwähnenswert: Im Polizeibericht ist von zwölf abgeschleppten Pkws die Rede, von rechtsextremen Zwischenfällen ist dort nichts zu lesen.

Bild: OB Schuchardt als Lenin mit Blackfacer*innen

Der Oberbürgermeister von Würzburg, Christian Schuchardt (CSU), erdreistete sich hingegen, als Lenin zu gehen, neben Trump. Er selbst war umgeben von mehreren anderen „Blackfacer*innen“. Denn worüber die Beteuerungen der Veranstalter*innen und der Stadtpolitik nicht hinwegtäuschen können, ist die Tatsache, dass sich der Rassismus im gesamten Fasching zeigt. So liefen mehrere Gruppen mit Blackfaces, besonders beliebt waren auch Gesichter von Latinxs. Diese rassistische Praxis ist von keiner offiziellen Stelle angegriffen worden. Und somit ist auch klar, dass die Kostümierung von Schuchardt nichts zu bedeuten hat. Lenin hätte das nicht geduldet.

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