Erneute Hitzewelle: Wie verhindern wir noch mehr Klimatote?
Schon 10.000 Hitzetote vor der neuen Hitzewelle in Deutschland. Die Bundesregierung bleibt währenddessen tatenlos.
Die Hitzewellen dieses Jahr in Deutschland haben extreme Auswirkungen auf Mensch und Natur. So sind laut Robert-Koch-Institut bis Mitte Juli dieses Jahres bereits etwa 10.000 Menschen durch die Hitze gestorben. Außerdem verursacht die andauernde Hitze und der geringe Niederschlag in vielen Regionen Dürre. Böden sind völlig ausgetrocknet und Landwirte bangen um ihre Ernte. Die Klimakrise betrifft und tötet vor allem die Arbeiter:innenklasse. Wir sind es, die in heißen Dachgeschosswohnungen nicht schlafen können und deren Eltern im heißen Altersheim vor sich hin leiden und an den Folgen der Hitze sterben. Wir sind es, die bei 38 Grad Innentemperatur im Krankenhaus arbeiten oder in der Notaufnahme aufgrund der Hitze kollabieren. Wir sind es, die in nicht-klimatisierten Kitas und Schulen mit den Kindern und Jugendlichen den Tag verbringen. Ganz zu schweigen vom Schicksal der Lieferdienstfahrer:innen, Bauarbeiter:innen und Handwerker:innen, die der Sonneneinstrahlung direkt ausgesetzt sind.
Auch die Binnenschifffahrt hat zu kämpfen: Es ist absehbar, dass dieses Jahr Rekorde für Niedrigwasser gebrochen werden. Für die meisten Frachtschiffe bedeutet das weniger Ladung, um überhaupt noch fahren zu können. Am Rhein können derzeit schätzungsweise nur ein Fünftel der sonst üblichen Güter transportiert werden. Für die Lieferketten kann das zu einem Problem werden. Je länger das Niedrigwasser anhält, desto schwieriger wird es, die Ketten aufrechtzuerhalten.
Für Landwirte in Deutschland wird die Dürre ebenfalls immer spürbarer. Während die einen noch mit den Auswirkungen vergangener Überproduktion kämpfen, zerstören Hitze und Wassermangel nun neue Ernten. Im Münsterland müssen Landwirte ihre Ernte teilweise früher als geplant einfahren. Die Pflanzen trocknen aus, bevor sie ihr normales Wachstum abschließen können. Besonders auf sandigen Böden fehlt das Wasser. Die vorgezogene Ernte bringt zusätzliche Risiken mit sich, denn trockene Felder mit Getreideresten erhöhen bei hohen Temperaturen die Gefahr von Bränden.
Auch die Kartoffelernte wird deutlich niedriger ausfallen. Die anhaltende Trockenheit behindert das Wachstum der Knollen und führt nun zu höheren Preisen für uns im Supermarkt. Große Agrarkonzerne können dadurch ihre kleinbäuerlichen Konkurrenten noch leichter ausschalten, für die der Ausfall einzelner Ernten existenzbedrohend ist.
Die Frage ist also, wie eine Landwirtschaft organisiert werden kann, die unter den Bedingungen der Klimakrise langfristig bestehen kann. Statt dass einzelne Höfe isoliert versuchen, die Folgen der Klimakrise zu bewältigen und die großen Agrarkonzerne sie in ihrer Hilflosigkeit schlucken, bräuchte es die Enteignung der Agrarkonzerne und Verstaatlichung unter Arbeiter:innenkontrolle, um die landwirtschaftliche Produktion planmäßig den Erfordernissen der Klimakrise nach umzugestalten. Durch die Enteignung der Agrarkonzerne und großen Landwirtschaftsunternehmen könnten Hilfen für die Kleinbäuer:innen, koordiniert durch Ausschüsse von Arbeiter:innen der Landwirtschaft, finanziert werden, um Maßnahmen gegen die Schäden durch Hitze und Dürre zu ergreifen. Dadurch könnten Wasserressourcen gezielter verteilt und nachhaltige Bewässerungssysteme aufgebaut werden. Auch der Anbau könnte stärker an ökologische Bedingungen angepasst werden: weniger wasserintensive Pflanzen in besonders trockenen Regionen, vielfältigere Fruchtfolgen und mehr Maßnahmen zum Erhalt der Bodenfeuchtigkeit, statt dass bestimmte Sorten möglichst billig und in großen Mengen angebaut werden.
Um den verheerenden Folgen der Hitzewellen auf die Arbeiter:innen und Armen zu begegnen, braucht es einen Notfallplan für die kommenden Hitzewellen und eine massive Ausfinanzierung der Krankenhäuser und der öffentlichen Gesundheitsversorgung. Außerdem braucht es Hitzefrei bei vollem Lohnausgleich, wenn der Arbeitsplatz nicht heruntergekühlt werden kann – und das finanziert aus den Taschen der Bosse und des Staates. Zudem müssen wir für ein sofortiges, staatlich finanziertes Klimatisierungsprogramm unter Arbeiter:innenkontrolle kämpfen. Alle Krankenhäuser, Pflegeheime, Schulen und öffentlichen Verkehrsmittel müssen unverzüglich mit modernen, umweltfreundlichen Kühlsystemen ausgestattet werden. Bezahlt werden kann das durch die Enteignung der größten Klimakiller in Deutschland, wie RWE, Rheinmetall und Thyssenkrupp, aber auch den Agrarriesen wie die DAH-Gruppe und BayWa AG.
In diesem Zusammenhang müssen auch die Sozialproteste, die aktuell von der Linkspartei und DGB-Gewerkschaften vorangetrieben werden, diese Forderungen aufnehmen und für den Aufbau einer großen Bewegung für die Rechte der Arbeiter:innen kämpfen.