DHL streicht mehr als 1000 Stellen am Flughafen Leipzig/Halle
Der DHL-Konzern will am Flughafen Leipzig/Halle mehr als 1000 Stellen abbauen. Die Gewerkschaften müssen für den Erhalt aller Arbeitsplätze kämpfen.
Seit einigen Monaten führt der internationale Logistikkonzern DHL eine Reihe von Entlassungen in seinem globalen Logistikzentrum am Flughafen Leipzig/Halle durch. Prognosen zufolge soll die Gesamtbelegschaft von 7000 Mitarbeitern (Stand 2022) bis zum Jahr 2026 auf 5500 reduziert werden, was einem Abbau von mehr als 22 Prozent entspricht. Die aktuelle globale politische und wirtschaftliche Lage sowie die Komplexität der Zollvorschriften haben dazu geführt, dass die Sendungszahlen seit 2022 zurückgegangen sind und mit dem Krieg der USA und Israels gegen den Iran steigen seit neuestem auch die Kerosinpreise dramatisch. Trotz dieses Kontextes wirtschaftlicher Instabilität steigerte DHL im Jahr 2025 seinen Gewinn gegenüber dem Vorjahr um 3,7 % und erzielte eine positive Bilanz von 6,1 Milliarden Euro. Die Geschäftsführung unter der Leitung von Elio Curti bestreitet, dass es ein Programm zum Stellenabbau gibt, und begründet den Personalrückgang damit, dass freiwerdende Stellen schlicht nicht neu besetzt werden.
Die Beschäftigten im DHL-Logistikzentrum schildern hingegen eine ganz andere Realität: Das Unternehmen übe Druck auf die Arbeiterinnen und Arbeiter aus, damit diese Abfindungsvereinbarungen mit geringeren Zahlungen unterzeichnen, was unter dem Strich zur erzwungenen Entlassung von Hunderten von Arbeiterinnen und Arbeitern führt. Ältere Beschäftigte oder solche mit gesundheitlichen Einschränkungen stünden dabei unter dem größten Druck.
Der Personalabbau im Logistikzentrum führt bei den Verbliebenen zu einer Zunahme der Arbeitsbelastung, was die ohnehin schon hohe Krankenstandsquote weiter in die Höhe treibt, da die meisten Arbeitsplätze mit hoher körperlicher Anstrengung und Abnutzung verbunden sind. Hinzu kommt, dass die Flexibilität bei Schichten und freien Tagen ebenfalls eingeschränkt wurde. Die beiden im DHL-Zentrum tätigen Gewerkschaften (ver.di und DPVKom) prangern ihrerseits die Politik der DHL-Geschäftsleitung an, Entlassungen als betriebswirtschaftliches Instrument zu normalisieren, und werfen ihr vor, keinen „Sozialplan“ zu haben, der Arbeiterinnen und Arbeiter in besonders prekären Situationen schützt.
Angesichts dieser Angriffe auf die DHL-Beschäftigten muss die Antwort klar und kollektiv sein. Es ist von entscheidender Bedeutung, dass die Gewerkschaften Vollversammlungen der Belegschaft einberufen und damit beginnen, einen Kampfplan gegen eine gierige Unternehmensleitung auszuarbeiten, die zu allem bereit ist. Die Desinformationskampagne, die versucht, Demoralisierung und Chaos unter den Beschäftigten zu verbreiten, darf nicht hingenommen werden. Nur mit solchen Versammlungen können wir wirklich die nötige Kraft sammeln, um DHL einen Plan aufzuzwingen, der nicht versucht, die Krise auf die Schultern seiner Beschäftigten abzuwälzen. Für die Aufteilung der Arbeitsstunden auf alle vorhandenen Arbeitskräfte bei gleichen Löhnen, statt Entlassungen! Denn wenn wir weniger arbeiten, arbeiten wir alle und Arbeitslosigkeit wird vermieden. Die Geschäftsführung wird diese Forderung nicht freiwillig umsetzen, denn für sie sind Entlassungen auch ein probates Mittel gegen gewerkschaftlich und politisch aktive Arbeiterinnen und Arbeiter. Die von den Gewerkschaften unterstützten Arbeiterinnen und Arbeiter müssen sich gemeinsam organisieren, um die Solidarität untereinander zu fördern, transparente Einsicht in die Geschäftsbücher und die demokratische Kontrolle über die Unternehmensentscheidungen zu fordern, Arbeitsplätze unter dem Motto der Arbeitsaufteilung zu verteidigen, damit alle arbeiten können. Die Arbeitsverteilung ist ein wirksames Instrument, um der Dynamik zunehmender Prekarität und Arbeitslosigkeit entgegenzutreten, die uns der Kapitalismus in seiner ewigen Besessenheit, riesige Gewinne anzuhäufen, vor die Füße wirft.