Chinas deformierte Revolution, Teil 1: Die Niederlage von 1925 bis 1927

11.01.2026, Lesezeit 95 Min.
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Bild: IMAGO / UIG. Eine Warnung vor falschen Verbündeten: 1927 ermordete die Guomindang in Shanghai Tausende Arbeiter:innen.

Die chinesische Geschichte des frühen 20. Jahrhunderts ist geprägt von großen revolutionären Erschütterungen. Dieser erste Teil einer Artikelreihe befasst sich mit dem Hergang und den Lehren der Revolution von 1925-1927.

China erlebte im 20. Jahrhundert eine Reihe großer politischer Revolutionen, gefolgt von noch größeren sozialen Umwälzungen: eine halbe bürgerliche von 1911, eine halbe proletarische von 1925-27 und eine ganze bäuerliche Revolution von 1949. Letztere wuchs nach ihrem Sieg in eine radikale antikapitalistische Umwälzung hinein, während sie gleichzeitig von vornherein einen bürokratisch-diktatorischen Überbau aufwies. Binnen weniger Jahrzehnte stieg das einst marode, rückständige und zunehmend von den verschiedenen imperialistischen Mächten ausgebeutete Kaiserreich so zu einer Gesellschaft auf, in der der Kapitalismus bereits abgeschafft war und mit der Verstaatlichung der Produktionsmittel die Grundlagen für den Aufbau des Sozialismus gelegt waren, nur um sich anschließend auf einen Langen Marsch zurück in den Kapitalismus zu begeben. Heute ist China eine kapitalistische Großmacht mit immer deutlicher hervortretenden imperialistischen Zügen. Gleichzeitig blieb die politische Herrschaft der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) trotz ihrer inneren Verwandlung intakt und ihr dirigierendes Kommando über das ökonomische Leben bleibt im Vergleich zu den USA oder Europa weiterhin stark ausgeprägt. Um diese heutigen Besonderheiten der chinesischen Gesellschaft erklären zu können und um zu verstehen, warum das Land zunächst weit über den Kapitalismus hinausging, nur um wieder in ihn zurückzufallen, lohnt sich ein Blick zurück in die Phase der revolutionären Umgestaltung des alten Chinas. 

Dieser Artikel stellt den ersten Teil einer zweiteiligen Artikelreihe dar, die eine moderne historisch-materialistische Interpretation der Geschichte Chinas im 20. Jahrhundert zwischen Revolution, Deformation und Konterrevolution liefern möchte. Dabei sollen auch die zentralen theoretischen Einsichten und strategischen Lehren für die heutigen revolutionären und konterrevolutionären Prozesse in der kolonialen und halbkolonialen Peripherie gezogen werden. Dieser erste Artikel befasst sich mit der verlorenen Revolution von 1925-1927 und mit ihren gesellschaftlichen Bedingungen. Hier agierte die KPCh noch im vollem Sinne als Arbeiter:innenpartei unter der Leitung der Kommunistischen Internationale (Komintern). Nach der Zerschlagung der Revolution im April 1927 wandelte sich die Partei sozial aber zusehends zu einer Bäuer:innenpartei, die politisch von einer bürokratischen Kaste von Beamt:innen und Offizier:innen kommandiert wurde und sich auf ihre Rote Armee als Vehikel der Revolution stützte, statt auf die städtischen Massen. Diese soziologische und politische Wandlung bildet die Grundlage für die Deformation der chinesischen Revolution. Aus der Perspektive heutiger Kämpfe gegen den Imperialismus ist diese proletarische Phase der chinesischen Revolution mit ihren vielen strategischen Irrungen und tragischen Fehlern von besonderer Bedeutung, daher wird der Darstellung und Interpretation der Strategie und Taktik der KPCh und der um diese geführten Debatten in der Komintern hier viel Raum gegeben. 

Der erste, einführende Abschnitt des vorliegenden Artikels widmet sich der Darstellung der ökonomischen und politischen Struktur des alten Chinas, zeichnet nach, wie sie durch das Eindringen des Imperialismus verändert wurde und erklärt daraus die historischen Aufgaben der chinesischen Revolution. Im zweiten Abschnitt geht es um die Darstellung und Interpretation der revolutionären Ereignisse der Jahre 1911-1927 und die Rolle der KPCh und der Kommunistischen Internationale (Komintern) in ihnen. 

Der noch zu veröffentlichende zweite Teil dieser Artikelreihe wird dann in seinem ersten Abschnitt die zweite Phase der chinesischen Revolution von 1927-1949 darstellen und interpretieren. Die politischen Resultate dieses langen und verwickelten revolutionären Prozesses bilden dann die Grundlage für eine im zweiten Abschnitt vorgenommene soziologische Charakterisierung des aus ihnen 1949 hervorgegangenen revolutionären Staates: der Volksrepublik China, ihrer inneren Widersprüche und Entwicklungstendenzen. Aus diesen Definitionen heraus wird der Artikel im dritten Abschnitt erklären, warum sich in China ab dem Ende der 1970er Jahre eine schrittweise Restauration des Kapitalismus abspielte.

Das alte China

China befand sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Übergang von der sogenannten asiatischen Produktionsweise zum Kapitalismus.1 Der Begriff „asiatisch“ hat in diesem Kontext nicht notwendigerweise einen geographischen, sondern einen sozialen Inhalt. Er wurde von Karl Marx geprägt und beschreibt eine Gesellschaft, in der auf der einen Seite das Privateigentum am Boden noch nicht vorherrscht, in der sich auf der anderen Seite aber das gesellschaftliche Interesse schon von der gemeineigentümlichen Dorfgemeinschaft getrennt und sich zu einer über der Gesellschaft thronenden Staatsmacht entwickelt hat.

Das von den Bäuer:innen produzierte Mehrprodukt wurde dementsprechend direkt vom Staat angeeignet. Die ökonomische und politische Herrschaft fielen zusammen. Die Bäuer:innen selbst waren in ihrer Mehrheit persönlich frei und lebten in vielen Fällen noch in Dörfern, in denen die soziale Differenzierung noch sehr schwach ausgeprägt war. Daneben existierte allerdings auch eine nicht unwesentliche Bandbreite von Formen unfreier Arbeit. Marx schrieb über die dieses spezielle Ausbeutungsverhältnis:

Sind es nicht Privatgrundeigentümer, sondern ist es wie in Asien der Staat, der ihnen direkt als Grundeigentümer und gleichzeitig Souverän gegenübertritt, so fallen Rente und Steuer zusammen, oder es existiert vielmehr dann keine von dieser Form der Grundrente verschiedne Steuer. Unter diesen Umständen braucht das Abhängigkeitsverhältnis politisch wie ökonomisch keine härtere Form zu besitzen als die ist, welche aller Untertanenschaft gegenüber diesem Staat gemeinsam ist. Der Staat ist hier der oberste Grundherr. Die Souveränität ist hier das auf nationaler Stufe konzentrierte Grundeigentum. Dafür existiert dann aber auch kein Privatgrundeigentum, obgleich sowohl Privat- wie gemeinschaftlicher Besitz und Nutznießung des Bodens.2

Marx betrachtete die geographischen und klimatischen Besonderheiten der Region, vor allem die Existenz großer Wüsten und arider Landstriche als Ursachen für die Entwicklung dieser besonderen Form der Klassengesellschaft. Dies mache groß angelegte öffentliche Arbeiten an Bewässerungsanlagen zur Voraussetzung für Zivilisation. Der unter diesen Bedingungen entstandene Staat habe daher von vornherein „drei [statt im Westen zwei] Regierungsdepartements: das der Finanzen oder für die Ausplünderung des eigenen Volkes; das des Krieges oder für die Ausplünderung anderer Völker; und schließlich das der öffentlichen Arbeiten.“3 

Dieser Interpretation kann nach modernen Erkenntnissen nur eingeschränkt zugestimmt werden. Tatsächlich war die Notwendigkeit der staatlichen Bewässerungstätigkeit wohl keine Ursache für das Entstehen asiatischer Staaten. In China wurde das später so charakteristische weltweit größte und ausgeklügeltste Bewässerungs- und Transportsystem erst in der Zeit der streitenden Reiche im 4. und 3. Jahrhundert v.u.Z. in großem Maßstab errichtet. Erst jetzt begann man die gigantische alluviale Ebene im Norden des Landes durch Kanäle und Wasserwerke für die Landwirtschaft zu erschließen, den weit mäandernden und immer wieder kilometerweit über die Ufer tretenden gelben Fluss durch Dämme einzuhegen und das umliegende Marschland trockenzulegen. Die chinesischen Staaten wurden also dazu genötigt, wahrscheinlich unter dem Druck der Kriegsanstrengungen mit ihren Brüdern, sich in die Richtung der typischen Form asiatischer Gesellschaften zu entwickeln. Die Geographie der Region ist also, anders als Marx es annahm, keine hinreichende Bedingung, wohl aber eine notwendige Bedingung für die Entstehung dieser Klassengesellschaft. 

Dennoch entstand spätestens mit der Errichtung der Qin-Dynastie Jahre 221 v.u.Z. in China die klassische Form der asiatischen Produktionsweise, unter der eine bis dato ungeahnte Entwicklung der Produktivkräfte möglich wurde. Fast 2000 Jahre lang war China die ganz Ostasien dominierende Großmacht und bis ins 18. Jahrhundert die entwickeltste Gesellschaft der Welt. Die zentrale staatliche Lenkung der menschlichen Arbeitskraft schuf einige der größten und beeindruckendsten Bauwerke der Geschichte. Die Qin mobilisierten beispielsweise über 300.000 Menschen, um eine Vorform der heutigen chinesischen Mauer zu errichten, die sowohl dazu diente, „barbarische“ Invasoren aus dem Norden abzuwehren, als auch die eigene Bevölkerung an der Flucht vor der steuerlichen Auspressung zu hindern. An der Grabanlage des ersten Kaisers Qin Shi Huang arbeiteten etwa 700.000 Menschen, sie war größer als die Pyramiden von Gizeh. In China entstand zu dieser Zeit das größte Straßennetz der Welt mit über 6.800 Kilometern Länge (das römische Reich hatte an seinem Höhepunkt nur 5.984 Kilometer Straßen). Auch die chinesische Eisenindustrie war die größte der Welt. 

Die herrschende Klasse der chinesischen Gesellschaft bildete die staatliche Beamtenschaft verkörpert in der Gestalt des absolutistisch regierenden Kaisers an der Spitze der bürokratischen Hierarchie. Die Beamten wurden in einem aufwendigen Auswahlverfahren auf ihre Rolle als Träger der chinesischen Staatlichkeit und damit der gesamten Zivilisation vorbereitet. Das System ermöglichte es auch Bauernsöhnen, in die höchsten Staatsämter aufzusteigen. Eine vom Staat unabhängige Form der Ausbeutung entwickelte sich zwar in Ansätzen immer wieder in der Geschichte, doch wurde diese regelmäßig in blutigsten Klassenkämpfen unterdrückt, um die Vorherrschaft der Bürokratie zu sichern. Dies geschah oft unter dem Vorwand des Schutzes der freien Bäuer:innen. Die Errichtung der Qin-Dynastie ging beispielsweise einher mit der Enteignung von nahezu allem aristokratischen Großgrundbesitz und dem Exil von 120.000 aristokratischen Familien.4 Immer wieder sollten in der chinesischen Geschichte große Grundeigentümer auftauchen, doch diese wurden sowohl vom Staat als auch von den Bäuer:innen scharf bekämpft. Der Staat richtete z.B. ein Erbrecht ein, welches den Erstgeborenen nicht begünstigte und daher tendenziell zur Zersplitterung des Grundbesitzes beitrug. Dass dieser Konflikt während der gesamten Existenz der alten chinesischen Gesellschaft weiter schwelte, zeigt, dass noch zu Anfang der Ming-Dynastie im 14. Jahrhundert Maßnahmen zur Einschränkung des Großgrundbesitzes getroffen wurden.5

In der Zeit der streitenden Reiche entfaltete sich in ganz China der Handel und das Handwerk. In den Städten entstand ein vormodernes Bürgertum, welches bei seiner Warenproduktion für den Markt auch zunehmend Lohnarbeit einsetzte. China stand an der Schwelle zum kapitalistischen Zeitalter, rund 1000 Jahre bevor sich das rückständige Europa dorthin entwickelt hatte. Allerdings führte der Ausgang des Klassenkampfes in China dazu, dass diese Ansätze frühkapitalistischer Entwicklung durch die erstarkende Staatsbürokratie bekämpft und schließlich erstickt wurden. Die Kaufleute waren für den Staat schwer zu besteuern, da ihr Eigentum in erster Linie bewegliches Eigentum war. In mehreren Zyklen des Klassenkampfs bekämpften die Han und ihre Nachfolger die Kaufleute und unterwarfen sie einer immer drückenderen staatlichen Reglementierung. Bereits unter dem ersten Han-Kaiser ab 206 v.u.Z. verbot der Staat den Kaufleuten „Seidenkleidung und Kutschfahrten […]. Weder Kaufleute, noch ihre Kinder, Enkel und Urenkel durften Regierungsdienste leisten“.6 Der Staat eignete sich zudem die Salz- und Eisenindustrie direkt an, damit, wie die Quellen es formulieren: [Damit] „die Gewinne aus Salz und Eisen dem Reich zufallen und die reichen Kaufleute unterdrückt bleiben“7, belegte er die Händler:innen mit höheren Steuern als die Bäuer:innen, legte die Preise für viele Waren selbst fest und enteignete immer wieder kaufmännischen Besitz. Dieser Klassenkonflikt zeigte sich auch auf der ideologischen Oberfläche der Gesellschaft: so ist der Konfuzianismus, die chinesische Staatsideologie schlechthin, für seine Verachtung des Handels und des Kaufmannsstandes bekannt. Eine freie Entwicklung des Bürgertums war unter diesen Bedingungen sehr erschwert und das Bürgertum konnte so auch nicht politisch unabhängig handeln, da sein Geschäftserfolg immer von den guten Beziehungen zur Bürokratie abhing.

Auch die Bäuer:innen, die mit Abstand größte Klasse der chinesischen Gesellschaft, waren aus eigenen Stücken nicht in der Lage, die gesellschaftliche Struktur grundlegend zu verändern. Zwar bewegten der verschwenderische Luxus des höfischen Lebens und die endlosen Kriege der Kaiser die Bäuer:innen immer wieder zur Revolte gegen eine zu hohe Steuerlast. Doch wurden diese riesigen Bäuer:innenarmeen von teilweise mehreren hunderttausend Mann sofort nach ihrem Sieg vor die Frage gestellt: entweder den Staat als ganzes zu zerstören und damit auch öffentliche Arbeiten, das Kanalsystem, die Dämme und Deiche, die Be- und Entwässerungsanlagen, die einstiges Marschland und aride Regionen in fruchtbares Ackerland verwandelt hatten als Grundlage ihrer eigenen landwirtschaftlichen Existenz zu gefährden oder einen neuen Kaiser an der Spitze des Staates zu installieren, der ihre Interessen versprach, besser zu vertreten, als der alte. Marx bemerkte dieses Dilemma 1862 in einem Artikel über die Taiping-Aufstand von 1851-1864: 


[D]ie orientalischen Reiche zeigen uns beständig Bewegungslosigkeit im sozialen Unterbau, rastlosen Wechsel in den Personen und Stämmen, die sich des politischen Überbaues bemächtigen. […] [Die Träger der Revolte] sind sich keiner Aufgabe bewußt, den Dynastiewechsel abgerechnet. Sie haben keine Schlagworte. […] Ihre Bestimmung scheint keine andere, als […] die Zerstörung ohne irgendeinen Keim der Neubildung geltend zu machen.8

Zwei der großen Dynastien, die Han und die Ming, wurden von Männern niederer Geburt begründet, die ein großer Bäuer:innenaufstand bis an die Pforte des Kaiserpalastes gespült hatte. Die neuen Kaiser würden zunächst die Lasten der Bäuer:innen mildern und die Großgrundbesitzer gängeln, sodass sich die Bäuer:innenhaufen zerstreuten, nur um dann die Kontrolle des Staates auf dem Lande Schritt für Schritt mit Waffengewalt wiederherzustellen. 

Unter diesen Bedingungen war keine der sozialen Klassen Chinas zu einer grundlegenden Umgestaltung der Produktionsweise fähig und so stagnierte die Entwicklung der chinesischen Gesellschaft ab einem bestimmten Punkt und wurde schließlich im 18. Jahrhundert vom nun frühkapitalistischen Europa überflügelt.9 Europa hatte seit dem Zusammenbruch des römischen Zentralstaates kaum noch Formen modern anmutender Staatlichkeit aufgewiesen, wenn man vom oströmisch-byzantinischen Reich absah. Hier herrschte stattdessen über 1000 Jahre feudale Barbarei. Tatsächlich war es aber diese Barbarei, dieses „Privileg der Rückständigkeit“, durch welches Europa eine starke und politisch von keinem großen Zentralstaat abhängige Proto-Bourgeoisie entwickeln und die in China gemachten Innovationen, wie den Buchdruck und das Schießpulver, produktiv verwerten konnte. So kam es, dass der Kapitalismus mit den in China zuerst erfundenen Mitteln erst von außen in Gefolgschaft britischer, französischer und deutscher Armeen nach China hinein kam.

China und der Imperialismus

So stellt sich die Entwicklung Chinas zu Beginn des 20. Jahrhunderts als ein klassischer Fall ungleichmäßiger und kombinierter Entwicklung dar. Auf der einen Seite stand die dahinsiechende alte Gesellschaft, auf der anderen Seite stand der Imperialismus.

Lange war China von den westlichen Kolonialisten unbehelligt geblieben. Als die britische East India Company 1793 eine Delegation an den kaiserlichen Hof schickte, um über die Öffnung Chinas für britische Waren und die Errichtung eines ständigen britischen Handelspostens an der chinesischen Künste zu verhandeln, sollte sie noch eine Abfuhr erteilt bekommen. Kaiser Qianlong erklärte den Gesandten, es fehle China an nichts und man habe deshalb auch keinen Bedarf an britischen Waren. Der Handel mit europäischen Kaufleuten ging somit fürs erste zu chinesischen Bedingungen weiter. Dieses Verhältnis sollte sich allerdings dann umkehren, als Großbritannien im ersten Opiumkrieg 1839-1842 die Schwäche der chinesischen Flotten und Armeen vor aller Welt demonstrierte und der gedemütigten Qing-Dynastie eine Reihe wichtiger handelspolitischer Konzessionen abtrotzte. Den britischen Händlern wurde Bewegungsfreiheit und rechtlicher Schutz zugesichert und man trat Hongkong an die Briten ab. Von da an war man zu immer neuen ungleichen Verträgen gezwungen, 1844 zogen Frankreich und die USA nach. China hatte seine Souveränität verloren und sank nun zu einer Halbkolonie herab. Alle ehemals tributpflichtigen Länder in Chinas Peripherie wurden nun unter den Imperialisten aufgeteilt, Vietnam ging an Frankreich und Korea an Japan. 

Infolge der Schwächung und Demütigung der Qing brach 1851 der bereits erwähnte Taiping-Aufstand aus, der bis zu 30 Millionen Tote forderte und das Land verwüstete. 1856 folgte der zweite Opiumkrieg, dieses Mal von einer britisch-französischen Koalition geführt, wieder unterlag China und wieder erreichten die Alliierten große Konzessionen. Russland, obwohl es nicht an den Kriegshandlungen beteiligt gewesen war, erhielt die äußere Mandschurei und erbaute dort seinen Pazifikhafen Wladiwostok. Auch die später gekommenen Imperialisten Deutschland und Japan erzwangen sich ab den 1880er Jahren Zugeständnisse. 1890 besetzte die deutsche Marine die Bucht von Kiautschou und errichtete dort einen Handels- und Marineaußenposten. Im ersten japanisch-chinesischen Krieg von 1895 erweiterte Japan sein wachsendes Kolonialreich über die Halbkolonie Korea hinaus noch um Taiwan und die Liaodong-Halbinsel. 

Der wachsende Hass der chinesischen Bevölkerung auf die ausländischen Imperialisten mündete 1899 in einer großen antiimperialistischen Revolte, dem sogenannten Boxeraufstand, der ausländische Diplomaten und ausländisches Eigentum angriff und besonders die mit den Imperialisten identifizierten christlichen Missionare verfolgte. Dieser Aufstand war von so bedrohlicher Größe und Dynamik, dass er alle in China investierten Imperialisten gegen sich vereinte. Bevor das deutsche Expeditionskorps von Bremerhaven aus nach China ausbrach, hielt Kaiser Wilhelm II. seine berühmte Hunnenrede, die wie keine zweite, die Haltung der Imperialisten gegenüber China charakterisiert: 

Die Chinesen haben das Völkerrecht umgeworfen, sie haben in einer in der Weltgeschichte nicht erhörten Weise der Heiligkeit des Gesandten, den Pflichten des Gastrechts Hohn gesprochen. Es ist das um so empörender, als dies Verbrechen begangen worden ist von einer Nation, die auf ihre uralte Kultur stolz ist. […] Öffnet der Kultur den Weg ein für allemal! […] Kommt ihr vor den Feind, so wird derselbe geschlagen! Pardon wird nicht gegeben! Gefangene werden nicht gemacht! […] [S]o möge der Name Deutscher in China auf 1000 Jahre durch euch in einer Weise bestätigt werden, dass es niemals wieder ein Chinese wagt, einen Deutschen scheel anzusehen!10

Die „Achter-Allianz“ konnte die Revolte nach blutigen Kämpfen im September 1901 niederschlagen.

Das Eindringen ausländischer Waren und immer stärker auch ausländischen Kapitals setzte in China eine Reihe gesellschaftlicher Zersetzungsprozesse in Gang. Zunächst führte es zum Abfluss des Silbers ins Ausland und zur Abwertung der Währung und zur Steigerung der Lebenshaltungskosten. Gleichzeitig ruinierte der Einfluss maschinell gefertigter, ausländischer Waren große Schichten des chinesischen Handwerks, die nun vagabundierend umherwanderten und sich immer wieder zu Ausschreitungen neigten.11 Auf dem Land wurde die Fähigkeit der Staatsbürokratie, ihr Monopol über das Mehrprodukt zu behaupten, zunehmend geschwächt und es entwickelte sich im Verlaufe des 19. Jahrhunderts wieder ein recht bedeutendes Großgrundbesitzertum. All diejenigen Bäuer:innen, die aufgrund ausländischer Konkurrenz, schlechter Ernten oder zu hoher Abgaben ihr Land hatten verkaufen müssen, mussten nun eine Pacht in Form von Naturalien und zunehmend auch in Geld entrichten, blieben aber persönlich frei. Die so entstandene lokale Gentry (Landadel) war allerdings weiterhin sehr eng mit der staatlichen Bürokratie verbunden, entwickelte sich in vielen Fällen aus ihr heraus und lebte in ihrer großen Mehrheit in den Städten. 

Am Höhepunkt dieser Entwicklung Ende der 1920er Jahre, als die alte Gesellschaft schon in der vollen Auflösung begriffen war, machten Pachtverhältnisse ca. 45 Prozent der Besitzverhältnisse auf dem Land aus, 55 Prozent des Landes verblieb bei den Bäuer:innen und wurde nach dem Kollaps des Zentralstaates zunehmend in persönliches Eigentum umgewandelt.12 Im Süden Chinas war die Konzentration des Landes in großen Gütern deutlich weiter fortgeschritten als im Norden, wo das individuelle Subsistenzbauerntum vorherrschend blieb.13 Die Pachtverhältnisse waren extrem drückend. Viele Bäuer:innen mussten bis zu 40 Prozent ihrer Erträge an die Grundbesitzer abliefern.14 Aber auch die Teilpächter:innen und Bäuer:innen mit eigener Landparzelle waren in vielen Fällen hoch verschuldet und mussten Wucherzinsen an städtische Kreditgeber zahlen. Das Wuchersystem war älter als der chinesische Kapitalismus, griff aber in dem Moment um sich, als sich die staatlichen Regulationsmechanismen lockerten. Diese neuen gesellschaftlichen Beziehungen auf dem Lande können nicht als „feudal“ charakterisiert werden. Die auf den Gütern der Gentry vorherrschende Form der Ausbeutung war nicht die der Leibeigenschaft oder der Sklaverei, sondern die eines Pachtwesens und des Wucherzins gegeüber persönlich freien Bäuer:innen. Die Entwicklung des Grundbesitzes war vielmehr eine Folge der Auflösung der bürokratischen Kontrolle über den Boden und der gleichzeitigen kapitalistischen Durchdringung Chinas.

In den Städten vollzog sich derweil eine stürmische Industrialisierung. Der chinesische Staat, wollte er überhaupt noch hoffen, seine Souveränität zurückzuerlangen, investierte nun immer stärker in den Aufbau einer eigenen Industrie, vor allem als Voraussetzung für die Produktion moderner Waffensysteme. Gleichzeitig investierten die ausländischen Kapitalisten in die Modernisierung des Transportwesens, um die Ausfuhr chinesischer Reichtümer und die Einfuhr eigener Waren zu beschleunigen. Um die Jahrhundertwende existieren in China bereits etwa 8.000 Kilometer Schienenstrecke. Die Entwicklung der Industrie ging allgemein mit großer Beteiligung imperialistischen Kapitals vonstatten. Zwischen 1902 und 1914 verdoppelten sich die ausländischen Investitionen und zwischen 1914 und 1928 verdoppelten sie sich nochmal. Besonders in der Baumwollindustrie und im Bergbau dominierte es. Am Vorabend des Zweiten Chinesisch-Japanischen Krieges kamen 75-80 Prozent des Outputs der Kohlekraftwerke aus Betrieben, die entweder ausländischem Kapital gehörten oder von ihm finanziert wurden.15 Demgegenüber war das chinesische Bürgertum kläglich entwickelt und konnte sich durch die Dominanz des Imperialismus im Grunde nie eigenständig entwickeln. Die zum Teil sagenhaften Gewinne, die die chinesischen Händler der Küstenstädte an der Schnittstelle zwischen nationalen Märkten und dem Außenhandel erzielten, flossen aufgrund der Dominanz ausländischen Kapitals in der Industrie häufig nicht in produktive Sektoren, sondern in den Landbesitz oder in das Geschäft mit Wucherdarlehen an die notleidenden Bäuer:innen, was die Herausbildung noch größerer Ländereien und die Verschuldung und Enteignung kleiner Landbesitzer beschleunigte. So kam es in der Tendenz zu einer Verschmelzung des im Entstehen begriffenen chinesischen Bürgertums mit den Wucherern und Großagrarianern auf der einen Seite und mit den imperialistischen Interessen auf der anderen Seite.16

Ein solches Bürgertum konnte kein ernsthaftes Interesse an einer Landreform, geschweige denn an der Herstellung der nationalen Souveränität haben. Gewiss gab es auch Teile des Bürgertums, besonders das Kleinbürgertum, die nicht in dem Maße vom Imperialismus abhängig waren und die nicht so investiert im Landbesitz waren. Diese Schichten versuchten, Chinas Abhängigkeit zu überwinden, doch war ihr politisches Gewicht aufgrund ihres schwachen sozialen Gewichts und ihrer Zersplitterung von vornherein relativ gering. Zusammen mit der häufig im Ausland studierten Intellektuellenschicht waren sie die sozialen Träger des chinesischen Nationalismus und der Idee der bürgerlich-parlamentarischen Republik Chinas. 

Neben der nationalen Bourgeoisie entwickelte sich auch das chinesische Proletariat. Besonders der Industrialisierungsschub, der durch die Atempause des Ersten Weltkriegs ermöglicht wurde – die Imperialisten waren in Europa mit sich selbst beschäftigt –  ließ das Proletariat in China auf die geschichtliche Bühne treten. 1919 betrug die Anzahl der chinesischen Arbeiter:innen bereits 1,5 Millionen, davon im Dock- und Hafengewerbe (200.000), in der Baumwoll- und Seidenindustrie (300.000), im Bergbau (205.000) und 120.000 in Eisenbahnunternehmen. Das Verhältnis zwischen den Arbeiter:innen in einheimischen (834.000) und ausländischen Unternehmungen (655.000) betrug unglaubliche 1,27 zu 1.17 Die chinesischen Industriebetriebe waren verhältnismäßig groß und mit aus dem Ausland importierter modernster Maschinerie ausgestattet. Das Proletariat konzentrierte sich besonders in den großen Städten entlang der Küste. In Schanghai beispielsweise kamen auf eine Bevölkerung von 1,5 Millionen 300.000 Arbeiter:innen.18 

Die Arbeits- und Lebensbedingungen dieses noch so jungen chinesischen Proletariats waren entsprechend katastrophal. Eine Arbeitszeit von zwölf Stunden war normal, man lebte häufig auf engstem Raum einkaserniert. Die Löhne lagen aufgrund des großen Zustroms entwurzelter Existenzen in die Industriestädte meist unter dem Existenzminimum, sodass auch Arbeiter:innen sich verschulden mussten. Frauen, die ungefähr ei Drittel der Arbeiter:innenschaft ausmachten, wurden 25-50 Prozent schlechter bezahlt als die Männer, was das allgemeine Lohnniveau noch weiter nach unten drückte. Die Mehrzahl der Arbeiter:innen war ungelernt, eine relativ bessergestellte Schicht von „Arbeiter:innenaristokraten“ hatte sich noch nicht gebildet.19 

Arbeitskämpfe sind seit 1919 überliefert. Zur Bildung der ersten Gewerkschaften kam es 1921. Die Arbeiter:innenbewegung startete von vornherein auf einem viel höheren Niveau des politischen Bewusstseins als ihre Pioniere im Westen. Ein allmählicher Übergang von ökonomischen zu politischen Forderungen ist hier nicht zu erkennen. Die Arbeiter:innen beteiligten sich von Beginn an an Demonstrationen und Streiks gegen die imperialistischen Mächte wie an der „Bewegung des vierten Mai“ 1919, die sich gegen den Verrat der imperialistischen Mächte auf der Versailler Friedenskonferenz richtete.20 Die Gewerkschaftsbewegung wurde maßgeblich von der im Juli 1921 gegründeten KPCh angeführt. Dass das Proletariat zahlenmäßig eine sehr kleine Minderheit bildete, änderte nichts an seinem großen sozialen Gewicht, das es aufgrund seiner zentralen gesellschaftlichen Stellung direkt an der Hauptschlagader des chinesischen Kapitalismus erhielt.

Die Permanente Revolution in China

China war verspätet auf der Bühne des Weltkapitalismus getreten und wurde sofort nach seiner gewaltsamen Öffnung allen Drücken des Weltmarktes unmittelbar ausgesetzt. Der Marxist und Augenzeuge der chinesischen Revolution Herold Isaacs schrieb dazu bereits 1938: 


China wird von der Zugkraft eines ganzen Weltsystems dazu gezwungen, den Sprung vom hölzernen Zug zum Traktor, von der Sänfte zum Flugzeug zu machen. Der Imperialismus zwang das Himmlische Reich, seinen Platz in der irdischen Welt zu finden, die sich wirtschaftlich, kulturell und politisch schon weit über es hinaus entwickelt hatte. Für China gab es weder eine allmähliche Entwicklung, noch die Möglichkeit, die historischen Stufen der Entwicklung zu durchlaufen, die der Rest der Welt schon hinter sich gelassen hatte. Um auf die gleiche Höhe zu kommen, musste es einen gewaltigen Sprung nach vorn machen. […] Dieser große Ruck war nicht möglich ohne die größten Erschütterungen. Daher rühren das Chaos, das Ausmaß, die Tiefe und der explosive Charakter der Ereignisse in China in den letzten 30 Jahren.21

Der Imperialismus in China hatte, anders als in Indien, den alten asiatischen Staat nicht eingerissen, sondern ihn zum Gehilfen der Ausplünderung gemacht und ihn auch gegen Bewegungen von unten unterstützt. Gleichzeitig transplantierte er in rasendem Tempo die modernste Industrie nach China, legte Schienennetze und ergriff Besitz von den Hafenstädten. Das Ergebnis dieser Entwicklung war, dass der Imperialismus alle strategischen Positionen der chinesischen Wirtschaft für die Ausplünderung besetzt hielt und gleichzeitig die alten vormodernen Überbleibsel aktiv stützte. Eine „normale“ und eigenständige Entwicklung der chinesischen Wirtschaft war damit ausgeschlossen. Der Imperialismus blockierte jede unabhängige Initiative in diese Richtung und so war der so charakterisierte Kapitalismus in der kolonialen Peripherie Chinas bereits zu einer Fessel der Entfaltung der Produktivkräfte geworden. Dies verbaute auch auf dem Lande alle Schritte Richtung Agrarreform und führte zur Beibehaltung vormoderner Anbaumethoden unter der immer drückenderen Herrschaft eines Konglomerats an in der Landwirtschaft investierten Ausbeuter:innen aus lokaler Gentry, Regierungsbeamten, Banken, städtischen Handelskapitalist:innen und Wucherern, die allesamt die Entfaltung der Produktivkräfte auf dem Land erstickten und die Not der Bäuer:innen immer weiter verstärkten. Wollte der Bauer seine Lage verbessern, wollte er unabhängiger Besitzer seines eigenen Landes werden und wollte er neue Anbaumethoden einführen, um den Ertrag zu steigern, so mussten dafür alle sozialen Beziehungen revolutioniert werden. 

Das Bäuer:innentum selbst allerdings, das zeigt nicht nur die gesamte historische Erfahrung der Bäuer:innenbewegungen in Europa, sondern auch diejenigen Chinas, war nicht dazu imstande, seine eigenen Interessen bis zum Ende zu vertreten, die Staatsmacht zu erobern und eine demokratische Agrarrevolution im nationalen Maßstab umzusetzen. Bäuer:innen können nur eine begrenzte Zeit im Jahr politisch oder militärisch aktiv sein, bevor die Notwendigkeit der Ernte und der Aussaat sie an ihr Land fesselt. Zudem lebten die chinesischen Bäuer:innen in kleinen Gemeinschaften, die relativ autark wirtschafteten. Sie arbeiteten nebeneinander mit wenig entwickelter Arbeitsteilung. Von den Gegebenheiten im Nachbardorf wusste man noch, aber die schlechten Verkehrs- und Kommunikationsverhältnisse machten eine selbstständige Koordination ihrer politischen Bewegung, die über die unmittelbare Region hinausging, nahezu unmöglich. Dieser Umstand zeigte sich auch im Charakter der zahlreichen Bäuer:innenbewegungen Chinas. Hatten die Bäuer:innen unabhängig von einer politischen Partei revoltiert, so war ihre Bewegung regional und auch ethnisch begrenzt. Man vertrieb seine Ausbeuter:innen, verbrannte die staatlichen Archive und Schuldscheine und löste sich dann wieder auf, um das neugewonnene Land in Besitz zu nehmen und es zu bestellen. So konnten die Armeen der Ausbeuter:innen die Bäuer:innen Provinz für Provinz wieder überwältigen. Die Physiognomie der Bäuer:innenklasse führte dazu, dass sie stets von anderen Klassen geführt wurde. Historisch von einem reformerischen Teil der Beamtenschaft in der Moderne, von den Parteien des Bürgertums und des Proletariats.

Wie oben bereits besprochen, fiel in China das klägliche, mit dem Imperialismus verwobene und tief in den Landbesitz investierte Bürgertum als führende Kraft der demokratischen Agrarreform sowie der antiimperialistischen, nationalen Revolution gegen den Imperialismus aus. Das zu spät gekommene, schwächliche Bürgertum Chinas ließ die Aufgaben der bürgerlichen Revolution, die seine Klassengeschwister in Westeuropa schon vor langer Zeit gelöst hatten, ungelöst. Tatsächlich hat das Bürgertum in China niemals auch nur Ansätze einer demokratischen Agrarreform zu Stande bekommen, auch nicht dort, wo es in Form seiner Partei der Guomindang (GMD), von der weiter unten noch die Rede sein wird, an der Staatsmacht war. 

Die einzige Klasse, die in China also die Bäuer:innenbewegung anführen konnte und der Bewegung einen umfassenden agrar-revolutionären und antiimperialistischen Charakter verleihen konnte, war das junge chinesische Proletariat. Seine Stellung direkt an der Halsschlagader des chinesischen Kapitalismus, direkt im Widerspruch mit der imperialistischen Bourgeoisie, die ihr im Bergbau, an den Docks, auf der Eisenbahn sogar als konkreter Eigentümer gegenüber trat, gleichzeitig in feindlichster Opposition zum nationalen Bürgertum stehend, welche es in den Baumwollfabriken und Seidemanufakturen ausbeutete und zunehmend einen Block mit den Imperialisten bildete, bestand aus so vielen jungen Bauernsöhnen und -töchtern, dass ihr auch die Opposition zu den Großgrundbesitzer:innen, die ihre Dörfer ausplünderten und die Landlosen Massen in die Städte trieben, gewissermaßen in die Wiege gelegt war. Würde es dem Proletariat gelingen, die Kräfte des bäuerlichen Aufstandes mit seiner eigenen Streikmacht und unter einem gemeinsamen Programm zu vereinigen, dann wäre dies eine die Bewegung der gesamten Nation gegen die Ausbeuter:innen und als solche potenziell unbesiegbar. 

Kurz gesagt: Das Proletariat war die revolutionärste Klasse in der chinesischen Gesellschaft und die einzige, die das Potenzial besaß, zur Führerin der ganzen Nation aufzusteigen. Doch hätte es, einmal an der Staatsmacht, nicht bei reinen bürgerlichen Maßnahmen stehen bleiben können, die Notwendigkeit, die vom Imperialismus aufgerichteten Produktivkräfte der eigenen Nation zurückzugeben, müsste sie früher oder später weit über die Grenzen des Privateigentums hinaustreiben und so würde die bürgerlich-demokratische Revolution unvermeidlich in die sozialistische Revolution hineinwachsen müssen. Dies wiederum hätte unmittelbar internationale Implikationen. Mit dem Übergang zum Imperialismus hatte auch der Klassenkampf die nationalen Grenzen transzendiert und wurde nun auf internationaler Stufenleiter ausgetragen. Ein Sieg des Proletariats in einem unterentwickelten Land hätte automatisch große Auswirkungen auf die Verhältnisse im Weltmarkt und auf die Beziehungen der Imperialisten untereinander. Damit wäre auch diese nationale Revolution gezwungen, wollte sie überleben, den Kampf um die Macht selbst zu internationalisieren und die Revolution auch auf die fortgeschrittenen kapitalistischen Länder auszudehnen, die nationale Revolution musste also in die Weltrevolution hineinwachsen, bei Strafe der Degeneration und des Untergangs. Ein „Sozialismus in einem Land“ und noch dazu eines so rückständigen Landes wie China, war eine praktische Unmöglichkeit. Nur die internationale wirtschaftliche Kooperation mehrerer fortgeschrittener Arbeiter:innenstaaten hätten in China eine ausreichende ökonomische Basis für den Aufbau des Sozialismus schaffen können. Leo Trotzki schrieb dazu 1927: 

Nur das Proletariat der fortgeschrittensten kapitalistischen Länder – mit der organisierten Hilfe des chinesischen Proletariats – wird imstande sein, die 400 Millionen zählende Masse der atomisierten, pauperisierten und rückständigen Bauernwirtschaften ins Schlepptau zu nehmen, und sie durch eine Reihe von Zwischenstadien zum Sozialismus zu führen, und zwar auf der Grundlage eines weltweiten Warentausches und direkter technischer und organisatorischer Hilfe von außen.22

China war damit neben Russland das klassische Beispiel für die Theorie der Permanenten Revolution, deren Grundlagen Trotzki mithilfe der Erfahrungen der russischen Revolution von 1905 bereits im Jahre 1906 entwickelt und 1927 anhand der chinesischen Erfahrung zur allgemeinen Theorie der Revolution in unterentwickelten Ländern weiterentwickelt hat.23 

Anders als in Russland verfügte das chinesische Proletariat allerdings nicht über eine bewusste, theoretisch klare und erfahrene politische Partei. Erst unter dem Eindruck der Oktoberrevolution war der Marxismus in China überhaupt bekannt geworden. Die KPCh gründete sich erst im Jahre 1921 und blieb von Anfang an abhängig von der politischen Führung durch die Komintern. In den ersten Jahren ihrer Existenz war diese internationale Führung in mancherlei Hinsicht ein Segen. Das chinesische Proletariat kämpfte nicht alleine, sondern konnte auf die politische und materielle Hilfeleistung der Sowjetunion, der Roten Armee und der Komintern vertrauen, doch sollte dies mit der einsetzenden Stalinisierung der russischen Partei in der Mitte der 1920er Jahre und davon ausgehend des Kominternapparates immer stärker zu einem Klotz am Bein der chinesischen Revolution entwickeln und entscheidend zu ihrer letztlichen Deformation und Niederlage beitragen. 

Die halbe Revolution von 1911

Die revolutionäre Epoche begann in China nicht mit einem Paukenschlag, sondern mit einer bezeichnenden historischen Niederlage. Das sichtlich zerbröckelnde Kaiserreich und die erdrückende Abhängigkeit Chinas vom Imperialismus führten immer breitere Schichten, meist junger, im Ausland studierter Intellektueller zu der Überzeugung, dass China von Grund auf neu strukturiert werden müsse. Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts bildeten sich verstreute Zirkel und revolutionäre Geheimbünde, die auf die Beseitigung der Qing-Dynastie hinarbeiteten. Einer dieser Intellektuellen war der 1866 in eine Bäuer:innenfamilie geborene Sun Yat-sen. Er hatte als junger Mann die USA bereist, war anschließend zum Christentum konvertiert und studierte in Hongkong Medizin. Er begann immer stärker mit demokratischen Ideen zu sympathisieren und machte den Kampf um die Modernisierung Chinas zur Lebensaufgabe. In den Jahren 1894 bis 1908 begann er, eine politische Bewegung besonders unter Studenten, Intellektuellen und innerhalb der Armee aufzubauen. Es gelang ihm trotz seines erzwungenen Exil in Tokio, die vielen verschiedenen revolutionären Zirkel in einer Organisation zu vereinigen, die ab 1905 Tung Mang Hui (Allgemeine Chinesische Allianz) hieß.24 Fünf Mal scheiterten Suns versuchte Staatsstreiche gegen die Qing, bevor am 10. Oktober 1911 eine spontane Revolte von Soldaten in der Provinz Hubei einen Flächenbrand auslöste und die Qing nahezu ohne größere Kämpfe stürzen konnte.25 Die Unterstützer Suns in der Stadt Nanjing erklärten sich zur Nationalversammlung, Sun Yat-sen kehrte im Triumph aus dem Exil zurück und wurde Präsident der soeben proklamierten Republik China. Seine Partei sog daraufhin sämtliche bürgerlich-nationalistischen Kräfte auf und wurde 1912 in Guomindang (Nationale Volkspartei Chinas, GMD) umbenannt.

Die Revolution von 1911 hatte zwar die marode Dynastie davongejagt, doch war das chinesische Bürgertum nicht stark genug, um die Grundlage der chinesischen Gesellschaft zu verändern. Das geschaffene Parlament war von vornherein mehr Schein als Sein, sein Einfluss beschränkte sich nur auf den Süden des Landes, der Norden blieb zunächst weitestgehend ruhig, außerdem verfügte es über kaum belastbare bewaffnete Kräfte. Die große Mehrheit der bewaffneten Einheiten im Land stand weiterhin unter dem Kommando der kaiserlichen Provinzgouverneure und Generäle, die nach dem Verschwinden des kaiserlichen Zentrums gestützt auf ihre eigenen bewaffneten Kräfte und die Großgrundbesitzer:innen begannen, aus der Konkursmasse des Reiches ihre eigenen kleinen Herrschaften aufzubauen.

Schon hier zeigte sich der schwächlich-kriecherische Charakter des chinesischen Bürgertums. Statt auf die chinesischen Massen zu vertrauen und die bürgerliche Revolution durch einen allgemeinen Aufstand auf dem Lande zu vollenden, ging Sun Yat-sen einen faulen Deal mit dem mächtigsten der Warlords ein, dem ultra-konservativen kaiserlichen Yuan Shikai, der praktisch ganz Nordchina kontrollierte und trug ihm sogar die Präsidentschaft an, die dieser nur annahm, um die bürgerliche Revolution anschließend besser von innen heraus erwürgen zu können. Der bürgerlichen Republik waren nur einige Monate Lebenszeit vergönnt. Zwar hatte die GMD bei den Wahlen zur Nationalversammlung im Februar 1913 die Mehrheit der Sitze errungen, doch die Spannungen mit Yuan Shikai spitzen sich rasch zu, sodass dieser bei der ersten sich bietenden Gelegenheit die Nationalversammlung auflösen ließ, sich zum Bonaparte aufschwang und die GMD in die Illegalität trieb. Erneut floh Sun nach Japan und koordinierte von dort die Tätigkeit der GMD im Untergrund. Erst 1917 konnte er in den Süden Chinas zurückkehren und Ende 1919 eroberte sich die GMD einen ersten Stützpunkt in Guangzhou, von wo aus Sun die Niederwerfung der Warlords plante. Isaacs schrieb über die Ergebnisse der Revolution von 1911:

Die Bourgeoisie, unterdrückt vom Imperialismus, war zu schwach, um die Mandschus [Qing] durch einen eigenen, vereinigen und modernen Staat zu ersetzen. Das Proletariat war gerade erst geboren. Die Macht viel deshalb in die Hände der Militärs, deren kriegführende Satrapen nur schwach das Kräftespiel der imperialistischen Feindschaft verschleierten.26

Neu an dieser Karikatur einer Revolution war lediglich, dass die Widersprüche unter den unterschiedlichen Warlords die Aufrichtung einer neuen kaiserlichen Dynastie verhinderten. Nach Yuan Shikais Tod 1916 kümmerten sich die einzelnen Warlords nur noch wenig um die formal weiter existierende Regierung in Beijing und begannen, endlose Kleinkriege gegeneinander zu führen. Ihre Territorien repräsentierten dabei die verschiedenen Einflusszonen der imperialistischen Länder in China. Jede Großmacht unterstützte denjenigen Warlord, in dessen Territorium sich der Großteil ihrer Investitionen befand. Japan unterstützte beispielsweise den Warlord Chang Tso-Lin in der Mandschurei, Großbritannien Wu Pei-Fu im Norden Chinas und Sung Chan-Fang in Zentralchina.27 China zersplitterte in dieser „Ära der Warlords“ von 1911 bis 1926 zusehends und so wurde der Kampf um die Wiederherstellung der nationalen Einheit Chinas zur Hauptaufgabe der Nationalist:innen.

Der Marxismus in China erwacht

China hatte während des Ersten Weltkrieges über 150.000 Arbeiter:innen nach Europa geschickt, um die Kriegsanstrengungen der Alliierten zu unterstützen.28 Sie kehrten nach dem Krieg mit reichen Organisationserfahrungen und neuen politischen Ideen heim und begannen sofort, sich in die politischen Kämpfe ihrer Zeit zu stürzen. Ein wichtiger Katalysator für die Entwicklung des Klassenbewusstseins des chinesischen Proletariats war die „Bewegung des 4. Mai“ von 1919. Frankreich und Großbritannien hatten der Republik China ein Ende der ungleichen Verträge versprochen. Außerdem hoffte die chinesische Regierung mit der Hilfe der USA und ihrem Wilson’schen Programm vom „Selbstbestimmungsrechts der Völker“, Japans Expansionsgelüste in China in die Schranken zu weisen. Doch im Verlaufe der Konferenz wurde deutlich, dass die Imperialist:innen trotz ihrer hochtrabenden Phrasen die Aufteilung der Beute unter sich aushandeln wollten. Die ehemalige deutsche Kolonie Kiautschou sollte an Japan gehen und weder Frankreich noch Großbritannien waren bereit, ihre Konzessionen und Brückenköpfe aufzugeben. Die chinesische Regierung, vollkommen handlungsunfähig, wollte schon kapitulieren, doch als diese Nachricht China erreichte, strömten sofort über 5.000 Studierende der Beijing-Universität auf die Straßen und attackieren die Wohnhäuser von Ministern, die als besonders japanfreundlich galten. Proteste breiteten sich wie ein Lauffeuer über ganz China aus. Im Juni griff auch das Proletariat in die Bewegung ein. In Shanghai streikten über 100.000 Arbeiter:innen, meist noch mit den Kaufleuten zusammen. Ihre Parolen waren zu diesem Zeitpunkt noch wenig klassenkämpferisch, geschweige denn marxistisch: „Wir Kameraden der Arbeitswelt wollen in einer Reihe mit den Kaufleuten und den Studenten demonstrieren.“29 Nichtsdestotrotz war dies der Startpunkt einer zunehmend unabhängigen Bewegung des Proletariats und Shanghai sollte sich dabei zum unbestrittenen Zentrum dieser Bewegung entwickeln. Zwischen 1919 und 1923 allein erlebte die Stadt über 450 Streiks. 30

Zwar musste die Regierung in Beijing vor dem Druck der Massen nachgeben und den verhassten Minister entlassen. Am 28. Juni verweigerte sie sogar demonstrativ die Unterzeichnung des Versailler Vertrages, doch dies blieb aufgrund ihrer politischen Schwäche nur eine leere Geste. 

Das wichtigste Resultat dieser Episode war jedoch, dass, wie Isaacs beschreibt, sich „[d]ie Augen der neuen Jugend […] von Versailles ab und hin nach Russland [wandten], wo die Oktoberrevolution ihnen Vorbild und Inspiration lieferte.“31 Nicht unerheblich hierbei war das diplomatische Verhalten der Sowjetregierung, die am 25. Juli 1919 im sogenannten Karakhan-Manifest alle mit dem Zarenreich geschlossenen ungleichen Verträge, sämtliche Konzessionen und Sonderrechte für aufgehoben erklärte und sämtliches russisches Eigentum, darunter Fabriken, Eisenbahnlinien und mehr entschädigungslos zurückerstattete.32 In der Bewegung hatten die Universitätsstudierenden die Rolle einer Avantgarde gespielt. Nach der Enttäuschung von Versailles waren es auch die Universitäten an denen sich der Keim eines marxistischen Pols herausbildete. Chen Duxiu, Professor für Humanwissenschaften an der Universität Beijing und seit 1915 Herausgeber der radikaldemokratischen Zeitschrift Neue Jugend brachte Anfang 1919 zusammen mit Li Dazhao, dem Chefbibliothekar der Universität eine Sonderausgabe seiner Zeitschrift über den Marxismus heraus. Li hatte bereits 1918 einen geheimen marxistischen Untergrundzirkel gegründet, an dem auch Mao Zedong teilnahm. Die Neue Jugend radikalisierte sich unter dem Eindruck der Ereignisse schnell und bereits am 11. Juni wurde Chen wegen seiner Aktivitäten verhaftet und seines Postens enthoben. Nach seiner Freilassung im November ging er nach Shanghai und vereinigte sein politisches Schicksal untrennbar mit dem Proletariat.33 Auch in der Arbeiter:innenschaft wuchs der Einfluss des Marxismus. Im September 1919 gründete sich in Shanghai eine erste politische Organisation der aus Europa zurückgekehrten Arbeiter:innen. Proto-gewerkschaftliche Arbeiter:innenvereine sprossen überall aus dem Boden. 

Im März 1920 kam der Vorsitzende des kürzlich gegründeten Fernöstlichen Büros der Komintern, Gregorij Woitinski, nach Beijing. Er sprach zunächst mit Li über die Möglichkeiten der Gründung einer Kommunistischen Partei und reiste dann weiter nach Shanghai zu Chen. Woitinski überzeugte Chen von der Gründung einer Partei und bereits im Mai gründete sich in Shanghai die erste dezidiert kommunistische Organisation, Beijing und Guangzhou zogen nach. Im August wurden in diesen drei Städten die Zeitungen Arbeitswelt, Arbeiterstimme und Arbeiter gegründet. Auch eine kommunistische Jugendorganisation entstand. Im November entstand die erste dem Anspruch nach nationale Zeitung Der Kommunist. Bis zum ersten Parteitag der KPCh im Juli 1921 waren Ortsgruppen in Changsa, Wuhan und Jinan hinzugekommen. Am ersten Parteitag nahmen zwölf Delegierte, die 57 Mitglieder in sieben Ortsgruppen vertraten, teil.34 Chen Duxiu wurde zum Generalsekretär und Li Dazhao zum Vorsitzenden der Propagandaabteilung gewählt. Auch der niederländische KomIntern-Vertreter, Henk Sneevliet (Pseudonym: Maring), war anwesend. Das verabschiedete Programm aus Chens Feder kopierte das Programm der Bolschewiki in allen wichtigen Punkten und betonte vor allem die Notwendigkeit der Unabhängigkeit der proletarischen Partei gegenüber dem nationalen Bürgertum. Chen charakterisierte es Ende 1920 in einem Artikel wie folgt: „Die sogenannten nationalen Kapitalisten sind alle direkt oder indirekt Kompradoren des ausländischen Kapitals. Sie helfen bloß den ausländischen Kapitalisten, China auszubeuten.“35 

Ihre Hauptaufgabe sah die KPCh in der Organisation von unabhängigen Gewerkschaften, eine Arbeit, die sie sogleich in Angriff nahm. Zwischen dem ersten und dem zweiten Parteitag im Juli 1922 machte die Arbeiter:innenbewegung in China große Sprünge. Im Januar 1922 streikten 30.000 Seeleute und Hafenarbeiter:innen in Hong Kong und im März wuchs sich die Bewegung zu einem Generalstreik mit über 120.000 Teilnehmern aus, die Bewegung erreichte Lohnerhöhungen von 20-30 Prozent.36 Die Bewegung wurde klar von der GMD dominiert, dennoch gewann die KPCh erste wichtige Stützpunkte und wuchs rasch. Ein großer Meilenstein war der im Mai 1922 auf Initiative des „chinesischen Arbeiter:innensekretariats“, der Arbeiter:innenorganisation der KPCh, einberufene Erste Allchinesische Arbeiter:innenkongress, dessen 160 Delegierte ca. 300.000 Arbeiter:innen vertraten.37 

Auf ihrem zweiten Parteitag repräsentierten die neun anwesenden Delegierten bereits 123 KPCh-Mitglieder. Der Kongress stand unter dem Eindruck des wenige Monate zuvor in Moskau abgehaltenen „Kongress der kommunistischen und revolutionären Organisationen des fernen Ostens“. Dort waren Lenins Thesen über die nationale und koloniale Frage von 1920 breit diskutiert worden. Dort hatte Lenin geschrieben: 

Die Kommunistische Internationale muß ein zeitweiliges Bündnis mit der bürgerlichen Demokratie der Kolonien und der zurückgebliebenen Länder eingehen, darf sich aber nicht mit ihr verschmelzen, sondern muß unbedingt die Selbständigkeit der proletarischen Bewegung — sogar in ihrer Keimform — wahren.38

Die KPCh war mit über 30 Mitgliedern anwesend. Auch ein Vertreter Sun Yat-Sens war anwesend, der von der Sowjetunion zunehmend umworben wurde. Die Rückkehrer waren von Lenins Thesen beseelt und verabschiedeten eine Resolution, in der man zur Lösung der nationalen Frage Chinas eine Einheitsfront mit der GMD anstrebten, ohne dass die Kommunisten dabei jedoch ihre Unabhängigkeit aufgeben sollten. 

Der Kominternemissär Maring ging noch einen Schritt darüber hinaus und schlug unter Berufung auf Lenins Vorschlag des Eintritts der britischen Kommunisten in die Labour Party, den Eintritt der Kommunisten in die GMD vor, selbst wenn dies bedeuten würde, dass die Kommunisten der GMD nicht mit wehenden Fahnen, sondern individuell eintreten müssten. Die GMD sei wie die Labour Party eine ganz diffuse Organisation, eigentlich mehr der Ausdruck einer Bewegung und daher ohne klar definierte Mitgliederkriterien und ohne Parteidisziplin. Doch während Lenin den britischen Kommunisten gesagt hatte: „wir [sind] für den Anschluß […], insoweit die Arbeiter:innenpartei [Labour Party] hinreichend Freiheit der Kritik einräumt. In diesem Punkt sind wir bis zuletzt konsequent“39, schlug Maring einen Block mit der GMD um jeden Preis vor. Ziel dieses Blocks sollte es nicht sein, eine Fraktion innerhalb der GMD aufzubauen, um anschließend als KPCh gestärkt aus der Zusammenarbeit hervorzugehen, sondern, so schrieb er in der Kommunistischen Internationale im September 1922: „Es ist unsere Aufgabe, zu versuchen, diese revolutionär-nationalistischen Elemente zusammenzuhalten und die ganze Bewegung nach links zu treiben“.40

Diesen opportunistischen Vorschlag, der zunächst von einer Etappe der bürgerlich-nationalen und nur anschließend einer sozialistischen Revolution ausging, hatte sich Maring bereits vor dem KPCh-Kongress vom Exekutivkomitee der Komintern (EKKI) und seinem Vorsitzenden Sinowjew absegnen lassen, indem er dort die GMD in rosigsten Farben als Träger der bürgerlich-demokratischen, nationalen Revolution malte. Anschließend trug Maring den Einheitsfrontvorschlag Sun Yat-Sen persönlich an. Dieser lehnte eine Einheitsfront mit den Kommunist:innen auf Augenhöhe, wie es der KPCh-Kongress zunächst verabschiedet hatte, kategorisch ab, stimmte schließlich aber einem Eintritt der Kommunist:innen unter der Bedingung zu, dass diese nur individuell eintreten würden und sich an die Disziplin der GMD halten müssten. Mit der Autorität des EKKI bewaffnet verlangte Maring auf einem Zentralbüro-Plenum (ZB-Plenum) im August 1922 den Eintritt der KPCh in die GMD als individuelle Mitglieder. Die Mehrheit der Parteiführung reagierte zunächst ablehnend. Sie sah damit zurecht die politische Unabhängigkeit der Partei bedroht. Es dauerte zwei Tage der Überzeugung und am Ende drohte Maring mit dem Ausschluss aus der Komintern, um das ZB zu diesem Beschluss zu bewegen.41 Am 4. September 1922 traten vier führende KP-Mitglieder symbolisch der GMD bei. Am selben Tag, ebenfalls symbolträchtig, formulierte Sun Yat-Sen sein Ziel, die GMD zu reorganisieren und die Parteidisziplin zu festigen. So wurde die Taktik des „Inneren Blocks“ geboren, die die KPCh für die kommenden Jahre zum Nachtraben hinter der Partei des nationalen Bürgertums verdammen sollte.

Die Phase des „inneren Blocks“ 

Auf dem IV. Weltkongress der Komintern Ende 1922 wurde deutlich, dass die Komintern in der Frage der Revolution in den kolonialen und halbkolonialen Ländern keine konsistente Linie verfolgte. Zwar betrachtete der Beitrag des KPCh Delegierten Liu Renjing, den Eintritt in die GMD als taktisch und auf eine Spaltung hinauslaufend:

Diese Einheitsfront nahm die Form an, dass wir dieser Partei in unserem Namen und als Einzelpersonen beigetreten sind. Wir haben zwei Ziele vor Augen. Erstens wollen wir unter den vielen organisierten Arbeitern in der nationalrevolutionären Partei Propaganda betreiben und sie für unsere Reihen gewinnen. Zweitens können wir den Imperialismus nur bekämpfen, wenn wir unsere Kräfte – die des Kleinbürgertums und des Proletariats – vereinen. […] Wir können die Massen um uns scharen und die Guomindang-Partei spalten.42

Allerdings blieb Liu hier einer Charakterisierung der kommenden Revolution in China schuldig, wobei das Bündnis zwischen Kleinbürgertum und Proletariat hier durchaus als Chiffre für die Trennung der bürgerlich-demokratischen und der sozialistischen Revolution in verschiedene Etappen gelesen werden kann. Andere Redner waren in dieser Frage klarer. Georgij I. Safarow, führender Fernost-Experte der Komintern erklärte: „Wir können die Aufgabe der sowjetischen Revolution in diesen Ländern [d.i. China u. Indien] nicht sofort in Angriff nehmen.“43 Karl Radek ging sogar noch einen Schritt darüber hinaus: 

Genossen, ihr müsst verstehen, dass in China weder der Sieg des Sozialismus noch die Errichtung einer Sowjetrepublik auf der Tagesordnung stehen. Leider steht in China noch nicht einmal die Frage der nationalen Einheit historisch auf der Tagesordnung. Was wir in China erleben, erinnert an das 18. Jahrhundert in Europa, in Deutschland, wo die Entwicklung des Kapitalismus noch so schwach war, dass sie noch kein einheitliches nationales Zentrum hervorgebracht hatte.44

Nach Radeks pessimistischen Annahmen war China in seiner ökonomischen Entwicklung noch hinter der kapitalistischen Epoche zurückgeblieben und selbst die Forderungen der bürgerlich-nationalen Revolution daher noch unerreichbar. Insofern begründete sich Radeks Befürwortung für den „inneren Block“. Er ging davon aus, dass das Proletariat und seine Partei in China bis auf weiteres die zweite Geige zu spielen hatten. 

Chinas Zersplitterung war aber nicht die einfache Folge seiner Rückständigkeit, sondern muss als Effekt der ungleichmäßigen und kombinierten Entwicklung Chinas im Kontext imperialistischer Inbesitznahme verstanden werden. In China waren viele verschiedene Imperialist:innen investiert, die nach dem Wegfall der Zentralmacht das Land mithilfe der Warlords spalteten. Im Nachbarland Indien hingegen war nur Großbritannien investiert und so hatte hier der Imperialismus nicht zur Spaltung des Landes geführt, sondern diese Spaltung überwunden. Der Kampf um die nationale Einheit war alles andere als unmöglich, nur erforderte er in China einen entschiedensten Kampf gegen den Imperialismus, zu dem nur das Proletariat ohne wenn und aber in der Lage gewesen wäre. 

Das Prestige dieses revolutionären Führers war allerdings so groß, dass niemand Radeks Fehlannahmen herausforderte. Die vom Kongress verabschiedeten Thesen zur östlichen Frage blieben deshalb an entscheidenden Punkten zu allgemein und boten der sich entwickelnden Etappenlogik der kolonialen Revolution nicht genügend Widerstand. Es wurde lediglich in ganz abstrakten Wendungen vor Opportunismus und Sektierertum gewarnt:

Jede Weigerung der Kommunisten in den Kolonien, sich unter dem Vorwand der angeblichen ‚Verteidigung‘ unabhängiger Klasseninteressen am Kampf gegen die imperialistische Tyrannei zu beteiligen, ist Opportunismus der schlimmsten Sorte, der die proletarische Revolution im Osten nur diskreditieren kann. Nicht weniger schädlich ist der Versuch, sich aus dem Kampf für die unmittelbaren Interessen der Arbeiterklasse herauszuhalten, um mit den bürgerlichen Demokraten ‚nationale Einheit‘ oder ‚inneren Frieden‘ anzustreben.45

Der Weltkongress hatte den „inneren Block“ grundsätzlich gebilligt und zu diesem Zeitpunkt hatte es tatsächlich auch noch ein Fenster für die fraktionierende Arbeit in der GMD gegeben. Die GMD war noch sehr lose strukturiert und in Guangzhou und Hongkong war ihre Basis äußerst proletarisch. Doch die Widersprüche des ungleichen Bündnisses sollten sich schnell zeigen. Im Mai 1923 konkretisierte die KPCh ihr Programm zur Agrarfrage und trat an Sun Yat-Sen mit der Forderung heran, ein Agrarprogramm aufzunehmen, welches die Enteignung der Großgrundbesitzer forderte. Die GMD jedoch, Partei des mit dem Großgrundbesitz verflochtenen nationalen Bürgertums, konnte in dieser Richtung keine Zugeständnisse machen, die die ökonomische Lage ihrer Klasse unterminiert hätte und so wurde aus der Enteignung die Forderung nach einer 25% Reduktion der Pacht. Doch statt ein deutliches Signal an die Kommunisten zu sein, dass die GMD versuchte, die KPCh vor den Karren bürgerlicher Klasseninteressen zu spannen, wurde diese Niederlage vom Kominternemissär Michail M. Borodin dazu benutzt, die GMD als verlässlichen Partner darzustellen.46 

Die Politik des inneren Blocks führte allmählich zu einer Veränderung in der Zusammensetzung der Mitgliedschaft der KPCh und zu einer Aufgabe ihrer politischen Unabhängigkeit. Auf dem III. Kongress der KPCh im Juni 1923 nahmen noch 40 Delegierte, die 432 Mitglieder vertraten, teil. Auf diesem Kongress wurde auch Mao ins ZB gewählt. Auch hier war die Opposition gegen den inneren Block noch stark, aber wieder gewann die kominternkonforme Linie und bis November 1923 war die Mitgliedschaft aus Frustration über die in ihren Augen falsche Politik auf ca. 100 zusammengeschrumpft.47 Übrig blieben in der Mehrheit diejenigen, die den inneren Block unterstützten. So erklärt es sich, dass die Partei im November 1923 ein Manifest veröffentlichte, in dem sie schrieb: 

Die GMD sollte die zentrale Kraft der nationalen Revolution sein und deren Führung übernehmen. […] Wir hoffen, dass sich alle revolutionären Elemente unserer Gesellschaft hinter der GMD versammeln und so die Vollendung der nationalen revolutionären Bewegung beschleunigen. […] [Wir hoffen auch], dass die GMD entschlossen ihre […] Abhängigkeit von ausländischen Mächten und ihre Konzentration auf militärische Aktionen aufgibt […], um eine echte zentrale Kraft für das nationale Wohl und eine echte Führung für die nationale Revolution zu schaffen.48

Aus einer taktischen Intervention zur Stärkung der noch sehr kleinen Partei, wurde der „Innere Block“ spätestens jetzt als Teil einer etappistischen Theorie der Revolution in der kolonialen Peripherie zum Prinzip erhoben. Diese Theorie sollte später als „Block der vier Klassen“ in die Geschichte eingehen und auf die Volksfronten der 1930er Jahre vorgreifen. Die Bourgeoisie wurde zur revolutionären Kraft erhoben und fortan tat die KPCh alles, um das Bündnis mit ihr nicht aufzugeben. 

Seit 1923 unterstützte die Sowjetregierung Suns GMD-Regierung in Guangzhou mit großzügigen Krediten und Militärattachés. Man erhoffte sich, durch ein Bündnis mit den Nationalisten, von denen man erwartete, die nationale Revolution anzuführen, die Sowjetunion im fernen Osten abzusichern. Diese Unterstützung war gewiss im Interesse des Sowjetstaates, doch geriet sie zunehmend in Widerspruch zu den Interessen des chinesischen Proletariats und ihrer Partei. Der Kominternemissär bei der GMD Borodin unterstützte Sun-Yat Sen dabei, die GMD nach dem Vorbild des demokratischen Zentralismus umzubauen. Die Spielräume für die Arbeit der Kommunist:innen begannen deshalb innerhalb der GMD ab Mitte 1923 zunehmend zu schrumpfen. Cardorff kommentierte: „Welch eine Verballhornung der Leninschen Organisationstheorie, Form und Inhalt zu trennen und die Form einer proletarisch-revolutionären Partei einer bürgerlichen Partei aufzusetzen – natürlich konnte nichts anderes als bürokratischer Zentralismus dabei herauskommen.“49 

Gleichzeitig begann Sun mit der Hilfe von Offizieren der Roten Armee die sogenannte Nationalrevolutionäre Armee (NRA) aufzubauen. 1923 gründete er die Whampoa-Militärakademie in Guangzhou wiederum mit sowjetischen Finanzmitteln. Auch eine Jugendorganisation nach dem Vorbild des sowjetischen Komsomol wurde eingerichtet. Leiter der Militärakademie wurde ein gewisser Chiang Kai-shek, der bald zum Oberkommandierenden der NRA aufstieg und nach dem vorzeitigen Tode Sun Yat-sens am 12. März 1925 gestützt auf seinen starken Rückhalt in der Armee die Führung in der GMD übernahm, obwohl er zuvor nie Teil des ZK der GMD gewesen war. Die NRA hatte von Anfang an einen bürgerlichen Charakter, war keine asiatische Söldnerarmee, sondern eine Wehrpflichtigenarmee. Ihr Offizierskorps bestand in der Mehrheit aus Söhnen der lokalen Gentry und einflussreichen Kaufleuten. KPCh-Mitgliedern war es von vornherein verboten, die höchsten Kommandoposten zu bekleiden, Kommunisten durften in der Armee keine parteilichen Einheiten bilden, sondern mussten sich als individuelle Soldaten an die Befehlskette halten. Von der Roten Armee übernahm Chiang das System der politischen Kommissare, wodurch die exklusive Kontrolle der GMD-Führung über ihre Streitkräfte sichergestellt werden sollte. Sun Yat-sens großes politisches Ziel war eine Expedition in den Norden, um die Warlords zu besiegen und China zu vereinigen. Dafür brauchte er die fortgesetzte Unterstützung der Sowjetunion und musste daher die Kommunist:innen in seinen Reihen noch dulden. Bald allerdings würden sich die Klassenwidersprüche im Lager der nationalen Revolution auf einer Welle des Klassenkampfes so weit zuspitzen, dass das Bündnis der KPCh mit der GMD unmöglich wurde.

Der Hongkong-Guangzhou-Streik

Auf dem IV. Kongress der KPCh Anfang Januar 1925 hatte die Partei etwas unter 1.000 Mitglieder und beschloss, gegen die zunehmend unruhige Opposition von Chen und anderen, den inneren Block beizubehalten. Chen Duxiu war durch die Erfahrungen der schwindenden Spielräume innerhalb der GMD mittlerweile zu der Ansicht gelangt, dass nur das Proletariat die nationale Revolution anführen könnte. Doch die Mehrheit der Parteiführung konnte mit Recht auf ein steiles Mitgliederwachstum verweisen und auf die Erfolge im gemeinsamen Aufbau von Gewerkschaften. Zwischen Mai 1924 und Mai 1925 wuchsen die Gewerkschaften von 220.000 auf 540.000 Mitglieder.50 Der Zweite Allchinesische Gewerkschaftskongress Ende Mai beschloss zudem den Eintritt in die Rote Gewerkschaftsinternationale, die mit der Komintern assoziiert war. 

Am 30. Mai schossen britische Soldaten in Shanghai auf gegen den Imperialismus demonstrierende Studenten, mindestens 13 Demonstranten wurden ermordet. Die Wut der Shanghaier Arbeiter:innen entlud sich in einem großen Solidaritätsstreik der sich sofort spontan auf die anderen großen Industriestädte Chinas ausbreitete. Besonders in Hongkong hörte man das Echo. Die GMD und KPCh wollten die Bewegung zu einem antiimperialistischen Streik aller Klassen machen und riefen die Bevölkerung Hongkongs dazu auf, die Stadt in Richtung des 150 km flussaufwärts gelegenen Guangzhou zu verlassen und die britische Kolonialverwaltung mit allem Mitteln zu boykottieren. 50.000 Arbeiter:innen verließen Anfang Juni die Stadt, auch kleine Händler:innen, Kaufleute und Werkstattbesitzer schlossen ihre Geschäfte und gingen in das von der GMD beherrschten Guangzhou. Ende Juni weitete sich die Bewegung aus und 250.000 weitere Arbeiter:innen verließen Hongkong. Die Stadt war daraufhin fast gänzlich entvölkert und die britischen Handelstätigkeiten kamen zum Erliegen.  Ihr Streik dauerte fast 16 Monate lang. Die Arbeiter:innen errichteten einen Streikdelegiertenrat und begannen damit, ihre Streikposten zu bewaffnen. Arbeiter:innenkomitees sprossen überall aus dem Boden und organisierten eigenständig 17 Schulen und mehrere Krankenhäuser. Die charakteristischen Organe der Arbeiter:innenmacht entstanden hier in China zum ersten Mal in embryonaler Form.51 

In Shanghai hatte es ebenfalls große Boykotte und Streiks gegen die Imperialist:innen gegeben. Doch hier zeigte sich bereits im Juni, dass Ausbeuter:innen und Ausgebeutete nicht ewig in einer Front stehen können. Die Shanghaier Handelskammer hatte unter dem Druck der Ereignisse den Streik zunächst unterstützt und sie hatte durchaus Vorteile gehabt. Denn chinesische Betriebe wurden nicht bestreikt. Doch als die vom imperialistischen Kapital kontrollierte Stromzufuhr der Stadt gekappt wurde, um den Streik zu brechen, da lenkten die Kaufleute ein und beendeten am 20. Juni ihre Aktionen. Das Proletariat wurde alleingelassen.52 Auch in Hongkong kehrten die Kaufleute im Oktober wieder zu ihren alten Geschäften zurück. Eine Lektion hatten sie dabei gelernt: die potentielle Kampfkraft des chinesischen Proletariats zu fürchten. Die KPCh hatte ihre Lektion, der Bourgeoisie nicht über den Weg zu trauen, allerdings nicht gelernt.

Die KPCh griff dennoch energisch in diese Bewegung ein und wuchs in rasendem Tempo. Im November 1925 hatte sich ihre Mitgliedschaft bereits verzehnfacht und ihr Jugendverband war auf 9.000 Mitglieder angewachsen. In der GMD besetzten immer mehr KPCh-Mitglieder zentrale Posten. Auch die Gewerkschaften machten einen Sprung. So verdoppelte sie ihre Mitgliedschaft zwischen Mai 1925 und Mai 1926.53 

Chiang Kai-sheks erster Putsch

Innerhalb der GMD begann sich ebenfalls eine Veränderung breit zu machen. Die linken Ränder der Partei hatten den Streik enthusiastisch unterstützt, die rechten Teile jedoch, zunehmend angeführt von der Offizierskaste, versuchten bald, möglichst auf Abstand zur Bewegung zu gehen und wollten die „Ordnung“ wiederherstellen. Es begannen am rechten Rand der GMD nun auch Stimmen laut zu werden, die sich für den Ausschluss der Kommunist:innen einsetzten. Im Juli 1925 waren Wahlen zur Führung der GMD in Guangzhou angesetzt, die der linke Flügel der Partei mit der Unterstützung der Kommunist:innen eindeutig gewannen.54 Nun war es der rechte Flügel, der – einmal in die Minderheit gedrängt – mit der Disziplin der Partei brach. Die Rechten versammelten sich getrennt und stellten ihr eigenes Programm auf: Ausschluss aller Kommunist:innen aus der GMD, die Macht in die Hände des Militärs, Borodin und die russischen Militärberater entlassen und das ZK der Partei aus Guangzhou nach Shanghai versetzen. Es begannen antikommunistische Pamphlete zu zirkulieren und überall errichtete der rechte Flügel Paralellorganisationen auf die die linke Parteiführung keinen Einfluss mehr hatte.

In der Whampoa-Militärakademie bildeten die konterrevolutionären Offiziere eine eigene Gesellschaft, zu der Kommunist:innen keinen Zugang hatten. Die Entwicklung des rechten Flügels drückte das Interesse des Bürgertums aus, „dass die Massenbewegung nicht über die Grenzen der bürgerlichen Interessen hinausging.55 Dieser nach Ordnung rufende rechte Flügel der GMD fand bald seinen „starken Mann“ in der Person von Chiang Kai-schek. Während in allen demokratischen Institutionen der Partei die linken Erfolge feierten und im Januar 1926 auf dem zweiten Kongress der GMD sogar die Mehrheit des nationalen ZK übernehmen konnten, bereitete Chiang während er nach außen den großen Freund der Sowjetunion und der Kommunist:innen spielte hinter den Kulissen einen Militärputsch vor.56 Alarmiert von dieser Entwicklung drängte der linke Flügel der KPCh auf ein sofortiges Ende des Inneren Blocks, das Bürgertum habe begonnen, auf die Seite der Konterrevolution überzulaufen. Wollte die Partei nicht ins offene Messer laufen, so war jetzt der Moment gekommen, die linkesten Teile der GMD unter kommunistischem Banner aus der Partei zu führen und sich auf einen Bürgerkrieg mit der rechten GMD einzustellen. Doch die Organisation ließ sich von ihren äußerlichen Erfolgen blenden und die Kominternemissäre meldeten an Moskau, die Fortschritte der KPCh würden sich überschlagen und der rechte Flügel sei unter Kontrolle. 

In der Nacht vom 19. auf den 20. März „entdeckte“ Chiang eine angebliche „kommunistische Verschwörung“ in der Armee und ließ sofort alle kommunistischen Agitator:innen, die an die Armeeeinheiten angehängt waren, verhaften. Das Gebäude der sowjetischen Berater:innen wurde umzingelt und mehrere Gewerkschaftshäuser gestürmt. Die Armee besetzte Regierungsgebäude und Bahnhöfe, kappte die Telegrafenverbindungen und Chiang verhängte das Kriegsrecht. Um das Bündnis mit der Sowjetunion nicht zu gefährden, begann er sofort, den Vorfall als Missverständnis herunterzuspielen und entschuldigte sich öffentlich bei den sowjetischen Militärberater:innen, die ihrerseits die KPCh und ihre angeblich zu radikale Linie für den Vorfall verantwortlich machten.57 Die anderen Maßnahmen gegen die Arbeiter:innenbewegung ließ er aber intakt. 

In Moskau wurde der Chiangs Coup von der dort mittlerweile regierenden Stalin-Bucharin-Clique geheimgehalten. Die Niederlage der eigenen China-Politik wollte man nicht eingestehen, vor allem nicht, weil man sich bereits im offenen Fraktionskampf mit Trotzki und seinen Anhängern befand, der begann, die opportunistische Politik der Komintern öffentlich zu kritisieren. Die KPCh wurde angewiesen, die Militärdiktatur Chiangs und die Expedition der NRA nach Norden bedingungslos zu unterstützen. Die Vertreter der GMD behielten sogar ihre beratenden Sitze im EKKI. Die kommunistische Parteipresse verschleierte monatelang bewusst den Coup. Als Nachrichten darüber in der bürgerlichen Presse Chinas und des Westens erschienen, erklärte man diese zu „Lügenmeldungen“ der Imperialisten.58 Woitinski schrieb noch am 6. Mai 1926 im Zentralorgan der Komintern: 

Gleichzeitig versuchten die britischen Imperialisten, wie heute bekannt ist, vergeblich, einen Aufstand in Kanton [d. i. Guangzhou] zu provozieren, und verkündeten gleichzeitig der ganzen Welt, dass die Regierung von Kanton bereits gestürzt sei, dass der rechte Flügel der Guomindang-Partei die Macht übernommen und eine Regierung gebildet habe, die einem Kompromiss mit den Briten zugestimmt habe und die Anhänger der linken Guomindang sowie die Kommunisten verhafte. All dies erwies sich als Erfindung der Imperialisten, die aus ihrem leidenschaftlichen Wunsch heraus entstanden war, dass die Dinge tatsächlich so geschehen sollten.59

Am 15. Mai 1926 beschloss das nun von Kommunist:innen gesäuberte ZK der GMD mit Chiang an der Spitze eine Reihe von Forderungen an die Kommunist:innen, von denen die weitere Zusammenarbeit abhängen sollte. Die KP-Presse durfte Sun Yat-sens „Drei Prinzipien“, die den Klassenkampf verwarfen und stattdessen den Kampf des chinesischen Volkes gegen die Imperialist:innen forderten, nicht kritisieren. KPCh-Mitglieder durften keinerlei führende Funktionen in der GMD oder ihrer Regierung in Guangzhou mehr einnehmen. Wenn die KPCh ihren Mitgliedern in der GMD Instruktionen senden wollte, mussten diese vorher über den Tisch des ZKs gehen.60 Diese Bedingungen kamen einer Selbstauflösung der Partei gleich und die Partei beschloss deshalb unter dem Druck der zunehmend verzweifelten Opposition von Chen Duxiu und Genoss:innen im Juni, die GMD zu verlassen und einen „Block von außen“ anzustreben. Längst war aber die Komintern schon kein Ort der offenen Debatte mehr, sondern ein hochzentralisierter bürokratischer Apparat fest in der Hand der Stalinist:innen. Das EKKI konnte seit dem V. Weltkongress praktisch alle nationalen Entscheidungen überstimmen und auch dieser Beschluss wurde von ihm kurzerhand aufgehoben und der Kominternemissär Borodin begann, jede Opposition gegen den inneren Block zu unterdrücken. Letztlich verblieb die Partei zähneknirschend in der GMD und unterwarf sich ihren Forderungen.61 Sie veröffentlichte sogar zusammen mit der GMD eine Erklärung, die zum Abbruch des Boykotts und der Streiks gegen das britische Hongkong aufrief. Die Partei hörte damit auf, eine unabhängige Rolle im Klassenkampf zu spielen und wurde von diesem Punkt an zur Bremse der chinesischen Revolution.

Der Nordfeldzug

Sich durch die Mittel des Bürgerkrieges der kommunistischen Gefahr in Guangzhou entledigt und sich so der bürgerlichen Hegemonie in der Bewegung sicher, ging Chiang Kai-shek an die Organisation der nördlichen Expedition, die im Juli 1926 loszog. Überall, wo die Nationalisten hingelangten, strömten ihnen die Massen zu, sie erhofften sich eine Verbesserung ihrer Lage. Doch diese sollte nach dem Willen Chiangs nicht erfolgen. Die GMD gab selbst ihr erbärmliches Agrarprogramm mit der 25 Prozent Reduktion der Pacht auf und forderte von den Bäuer:innen, still zu bleiben und sich unter der Knute der nun blau-weiß beflaggten Großgrundbesitz:innen einzurichten. Da der Generalstab der NRA keine grundlegende Änderung der Verhältnisse beabsichtigte, war auch der Widerspruch zum System der Warlords und dem Imperialismus weniger ausgeprägt als gedacht. Reihenweise traten die Warlords auf die Seite der GMD über, als die NRA ihr Territorium erreichte und Chiang versprach, das Eigentum der Imperialist:innen zu respektieren. 

Nichtsdestotrotz vergrößerte der Feldzug den Spielraum der bäuerlichen Bewegung. Regionale Bäuer:innenverbände wuchsen in rasendem Tempo. In der zentralchinesischen Provinz Hunan, einer der Kornkammern des Landes, hatte der Bäuer:innenverband im November 1926 bereits eine Million Mitglieder, einen Monat später hatte sich diese Zahl bereits verdoppelt.62 Überall kam es im Gefolge des Vormarsches NRA zu Landbesetzungen und der Aufstellung von Bäuer:innenmilizen. Die KPCh hatte sich lange der Sache der Bäuer:innen zu wenig gewidmet, jetzt versuchte sie, die Radikalisierung der Bewegung zu zügeln und verurteilte öffentlich die Landbesetzungen.63 Mao, der mittlerweile die Arbeit der Partei auf dem Lande koordinierte, erklärte vor einer Versammlung von 300 Bäuer:innendeligierten in Hunan: „Die Zeit für den Sturz der Großgrundbesitzer ist noch nicht gekommen. […] Jetzt ist es an der Zeit, […] die Zinsen zu senken und die Löhne der Landarbeiter zu erhöhen.“64 

Auch die Arbeiter:innenbewegung hatte im Gefolge des Nordfeldzuges Aufwind. In Shanghai erkämpften die Arbeiter:innen Lohnerhöhung um Lohnerhöhung und der Allchinesische Gewerkschaftsbund wuchs 1926 auf etwa 3.065.000 Mitglieder.65 Chiang reagierte mit Repression: Arbeiter:innen wurden entwaffnet, Streiks untersagt, Zwangsschlichtungen eingeführt.66 Die KPCh versuchte auch hier zu vermitteln und rief für die Dauer des Feldzuges zur Mäßigung der Streikaktivität auf. Trotz der zahmen Haltung der Kommunist:innen, führte diese Entwicklung in den Reihen der Bourgeoisie zu wachsender Angst vor Kontrollverlust. Solange es eine große KP und unabhängige Gewerkschaften gab, war die Führung der GMD nicht absolut. Und so bereitete Chiang den entscheidenden Schlag gegen die Arbeiter:innenbewegung vor. 

Die Komintern lobte die Erfolge des Nordfeldzuges in höchsten Tönen und verschleierte die sich unter der Oberfläche der „Einheitsfront“ zuspitzenden Klassenwidersprüche. Bucharin erklärte auf einer Parteikonferenz in Leningrad Anfang Februar 1927: 

Im Wesentlichen neu und originell ist, dass die chinesische Revolution schon ihr staatlich organisierendes Zentrum besitzt. Diese Tatsache besitzt eine hervorragende Bedeutung. Die chinesische Revolution hat bereits jene Entwicklungsphase überschritten, in der die Volksmasse […] gegen das herrschende Regime kämpft. Die gegenwärtige Etappe der chinesischen Revolution ist dadurch gekennzeichnet, dass die Kräfte der Revolution dort bereits als Staatsmacht organisiert sind mit einem solchen Attribut, wie es eine reguläre, disziplinierte Armee […] ist. Und der Vormarsch dieser Armee, ihre glänzenden Siege […] sind eine besondere Form des revolutionären Prozesses.67

Dass Chiang streikende Arbeiter:innen entwaffnete und Landbesetzungen mit Gewalt rückgängig machte, war also laut der Kominternführung eine „besondere Form des revolutionären Prozesses.“ 

Zu diesem Zeitpunkt hatte sich in der Sowjetunion eine wachsende linke Opposition um Trotzki, Radek und Sinowjew herum gesammelt und gefestigt und begann, gestützt  auf das Anwachsen der revolutionären Bewegungen der Arbeiter:innen und Bäuer:innen in China, eine Kampagne für die Änderung der Linie der Komintern zu führen. In einer beißenden Polemik vom 3. April 1927 entlarvte Trotzki die offizielle Linie der Komintern schonungslos als „übelsten Ausdruck des rechten Menschewismus“.68 Zwar registriere die Komintern, dass das Zentrum der GMD immer weiter nach rechts rücke, aber sie habe darauf die falschen Antworten: 

Was bedeutet diese Neigung – nach rechts? Was für ein Guomindang-‚Zentrum‘ ist das? Es setzt sich aus den Spitzen der kleinbürgerlichen Intelligenz, mittleren Funktionären usw. zusammen. Wie jeder Kleinbürger ist dies Zentrum unfähig, eine unabhängige Politik durchzuführen, besonders in einer Zeit, in der Millionen von Arbeitern und Bauern den Schauplatz betreten haben. Dies kleinbürgerliche Zentrum kann nur dann ein Verbündeter des Proletariats werden, wenn das Proletariat eine unabhängige Politik betreibt. Von einer derartigen Politik kann aber in China nicht einmal die Rede sein, solange es dort keine unabhängige Klassenpartei gibt. Die Kommunisten treten nicht nur einfach in die Guomindang ein, sondern sie unterwerfen sich ihrer Disziplin und verpflichten sich sogar, den Sun-Yat-Senismus nicht zu kritisieren. Unter diesen Umständen kann das kleinbürgerlich-intellektuelle Zentrum nur hinter der liberalen Nationalbourgeoisie her kriechen, die durch unsichtbare Bande mit der Kompradoren-Bourgeoisie, d.h. mit der offen imperialistischen Bourgeoisie verbunden ist; und je schärfer der Kampf der Massen wird, um so offener gehen sie auf deren Seite über.69

Die Ausdehnung des Klassenkampfes in China würde laut Trotzki dazu führen, dass die kleinbürgerliche GMD-Führung aus Angst vor der Macht des Proletariats und der Intensität der Bäuer:innenbewegungen bald ganz offen auf die Seite der Großgrundbesitzer:innen und des Imperialismus übergehen würde. Die Komintern mache sich Illusionen in ein Bündnis mit der nationalen Bourgeoisie, das diese unvermeidlich verraten werde. Genauso sollte es kommen.

Die Tragödie von Shanghai

Je näher die NRA an die Arbeiter:innenhochburg Shanghai heran rückte, desto stärker versuchte der Warlord Sun Chuan-fang die Stadt mit Kriegsanleihen und gesteigerten Ausbeutungsraten für seine Kriegsanstrengungen auspressen. Im Verlaufe des Jahres 1926 kam es deshalb zu mehreren großen Aufständen des Shanghaier Proletariats. Doch erst als Chiang Kai-shek nur noch 80 Kilometer von der Stadt entfernt war, siegte am 21. März ein Generalstreik mit über 350.000 Teilnehmer:innen.70 Die Verwaltung des Warlords brach zusammen und überall bildeten sich bewaffnete Streikposten und die Stadt befand sich nach kurzen, aber intensiven Straßenkämpfen praktisch in proletarischen Händen.71 Die KPCh versuchte auch jetzt wieder die Bewegung auf Forderungen, die den Rahmen der „Einheitsfront“ nicht sprengten, zu begrenzen und gab Losungen aus wie „Unterstützt die Armee des Nordfeldzuges!“ und „Hoch lebe Chiang Kai-shek!“.72 Als Chaing in die Stadt einzog, bereitete er sofort in geheimen Gesprächen mit der lokalen Bourgeoisie, der kriminellen Unterwelt (Opiumhandel) und den französischen und britischen Kolonialbeamten die Beseitigung der Kommunist:innen vor. Gleichzeitig forderte er nach seinem Einmarsch in die Stadt die Auflösung der Streikposten und die Entwaffnung der Arbeiter:innen, dem die kommunistisch geführte Gewerkschaft Folge leistete. Als Chiang die linkeste seiner Divisionen aus Angst vor Desertion aus der Stadt beorderte, kam ihr Kommandant zur Zentrale der KPCh und fragte, ob er dieser Anweisung Folge leisten sollte. Die Partei scheute sich vor einem Bruch mit Chiang und versuchte, den Abzug der Division lediglich zu verzögern, was ihr nicht gelang. Damit war den Kommunist:innen das letzte bewaffnete Faustpfand genommen. Sie hatten sich freiwillig vor der herannahenden Konterrevolution entblößt.73

Am 12. April 1927 schließlich brach Chiang das Bündnis mit dem Proletariat und der KPCh, nachdem er sie so lange vor den Karren der nationalen Bourgeoisie gespannt hatte. Das Kriegsrecht wurde erklärt, Ausgangssperren verhängt, die Gebäude der Gewerkschaft und der KPCh gestürmt und Chiangs Soldaten begannen, die Stadt zu durchkämmen und jede:n verdächtigen Arbeiter:in, den sie antrafen, zu erschießen. Das Shanghaier Proletariat zeigte trotz der harten Unterdrückung seine Standhaftigkeit. Nach den ersten Massakern eröffneten sie einen Generalstreik und Massendemonstrationen mit über 100.000 Teilnehmer:innen. Doch die Bewegung war unvorbereitet getroffen, schlecht bewaffnet und konnte den Massakern keinen organisierten Widerstand entgegensetzen. Chiang schlug sie blutig nieder. Über 5.000 Arbeiter:innen wurden ermordet, die Zentrale der KPCh und die Führung der Gewerkschaft wurden praktisch ausgelöscht.74 Die Truppen Chiangs begannen ohne Rücksicht auf die Klassenzugehörigkeit ihrer Opfer zu morden und zu plündern. Isaacs kommentiert: 

Diese Terrorherrschaft, die sich vor allem gegen die Arbeiter und Kommunisten richtete, überschritt für eine gewisse Zeit auch die Grenzen des bürgerlichen Eigentums, für dessen Schutz sie eigentlich errichtet wurde. Die chinesische Bourgeoisie hielt es für notwendig, Chiang Kai-shek und die Gangster gegen die Arbeiter herbeizurufen. Jetzt war sie gezwungen, die rücksichtslosen Raubzüge ihrer eigenen Retter über sich ergehen zu lassen.75

Chiang hatte sich mit seinem Putsch auch von der offiziellen Hierarchie innerhalb der GMD gelöst, die die Kommunist:innen einige Zeit länger ausnutzen wollte. Er hatte sich mithilfe des Säbels über alle Klassen auch über die Bourgeoisie hinweggesetzt und gefiel sich nun als unbeschränkt herrschender Bonaparte. Nach seinem Sieg ließ er das Bürgertum mit drückenden Steuern und Zwangsabgaben für die Übernahme ihrer „Drecksarbeit“ bezahlen. Die Parallelen zum Staatsstreich des Louis Bonaparte von 1851 sprangen den Beobachtern ins Auge.76

Auch in anderen Provinzen kam es jetzt zu großen Kommunist:innenverfolgungen. In Xiamen, Guangzhou, Fuzhou, Ningbo und Shantou wurden Gewerkschaften zertrümmert, KPCh-Mitglieder auf offener Straße erschossen und ihre Büros geplündert. Die Repression ging so weit, dass mancherorts Frauen, ohne verbundene Füße und mit kurzen Haaren pauschal als Kommunist:innen hingerichtet wurden.77

Als Folge seines offenen Bruchs wurde Chiang aus dem ZK der GMD geworfen und die linkere GMD-Regierung in Wuhan verurteilte sein Vorgehen. Für einige Wochen gab es nun zwei dem Anspruch nach nationale GMD-Regierungen: die „linkere“ in Wuhan mit dem kleinbürgerlich-demokratischen Wang Jingwei an der Spitze und diejenige unter Chiangs Kontrolle in Nanjing. 

Die Farce von Wuhan

Nach Chiangs Putsch war die Revolution in China schwer angeschlagen, doch gänzlich niedergeworfen war sie noch nicht. In den Provinzen Hunan und Hubei war die Bewegung noch im Aufwind begriffen, die Bäuer:innenbewegung war hier besonders radikal und die Arbeiter:innen machten große Organisationsfortschritte. Chiang saß seinerseits noch keineswegs fest im Sattel. Durch seinen Verrat an der Massenbewegung, die ihn so reibungslos bis nach Shanghai getragen hatte, hatte er sich großer Teile seiner eigenen sozialen Basis beraubt und musste sich von nun an immer stärker auf seine Armee stützen. Das Ende der Dynamik des Nordfeldzuges war am deutlichsten daran zu erkennen, dass Chiang sich sogar vor der Gegenoffensive der nördlichen Warlords zurückziehen musste bis diese so nahe herangerückt waren, dass sie Granaten auf Chiangs Hauptstadt Nanjing feuern konnten. Eine Gegenoffensive der Massen hätte das Regime Chiangs zu diesem Zeitpunkt stürzen können, vorausgesetzt, die KPCh würde sich zur Führerin dieser Offensive machen. Doch dies geschah nicht. 

Zwar konnten Stalin und Bucharin nicht mehr vertuschen, dass Chiang auf die Seite der Konterrevolution übergetreten war, doch deshalb den inneren Block aufgeben, wollten sie nicht. Gleichzeitig wollte man sich vor der wachsenden Vereinigten Opposition aus Trotzki, Sinowjew, Kamenew und Radek keine Blöße geben. So erklärte Stalin, der Verrat Chiangs hätte praktisch von vorn herein zum „Plan“ der Komintern gehört:

Bekanntlich war das ZK der KPdSU(B) schon damals der Meinung, dass ‚die Linie des Verbleibens der Kommunistischen Partei in der Guomindang verfolgt werden muss‘, dass ‚man es dahin bringen muss, dass die Rechten aus der Guomindang ausscheiden oder ausgeschlossen werden‘. […] Die darauf folgenden Ereignisse haben die Richtigkeit dieser Linie voll und ganz bestätigt.78

Das Massaker an den Arbeiter:innen Shanghais, dem Zentrum der chinesischen Revolution, war also nichts weiter, als die Bestätigung der „Richtigkeit der Linie“. Vielleicht verschämt von den Implikationen dieser Aussage ergänzte Stalin im Juli 1927, als das Ausmaß der Niederlage nicht mehr zu verleugnen war, diesen Sophismus noch um einen ungleich dreisteren: „Eine richtige Politik muß keineswegs stets und unter allen Umständen unmittelbar zu Sieg über den Gegner führen.“79 Es wurde sogar versucht, Chiangs Coup als etwas gutes darzustellen, denn diese Episode habe „die Guomindang von Unrat gesäubert und [den] Kern der Guomindang […] nach links verlagert.“80 Wenn überhaupt habe die Revolution eine „Teilniederlage“ erlitten, aber „in Wirklichkeit“ sei die Revolution in „höhere Phase ihrer Entwicklung eingetreten, in die Phase der Agrarbewegung.“81

Die Einheitsfront war der stalinisierten Komintern zufolge von vornherein richtig, also wurde sie auch ungeachtet aller Empirie weitergeführt: der neue hauptsächliche Bündnispartner sollte die linkere GMD Regierung in Wuhan werden. Die neue Etappe der chinesischen Revolution bedeute laut Stalin zwar das Übergehen der Bourgeoisie auf die Seite der Konterrevolution und das Herabgleiten der rechten GMD zu Handlangern des Imperialismus, aber auf der anderen Seite bedeutete dies das Aufsteigen der „revolutionäre[n] Guomindang in Wuhan“82 zu einer Vorform der Diktatur des Proletariats. Diese Regierung, „die einen entschiedenen Kampf gegen Militarismus und Imperialismus“ führe, würde „sich praktisch in ein Organ der revolutionärdemokratischen Diktatur des Proletariats und der Bauernschaft verwandeln.“83 Doch Sowjets sollten die revolutionären Bäuer:innen und Arbeiter:innen trotzdem nicht bilden:

Es ist klar: Wer jetzt zur sofortigen Bildung von Sowjets der Arbeiterdeputierten in diesem Gebiet aufruft, der versucht, die Guomindangphase der chinesischen Revolution zu überspringen, der läuft Gefahr, die Revolution in China in eine äußerst schwierige Lage zu bringen.84

 Unmittelbar müsste jetzt: 

die Politik der engen Zusammenarbeit zwischen den Linken und den Kommunisten innerhalb der Guomindang in der gegenwärtigen Etappe besondere Wirksamkeit und besondere Bedeutung gewinnt, dass diese Zusammenarbeit das sich außerhalb der Guomindang herausbildende Bündnis der Arbeiter und Bauern widerspiegelt, dass ohne eine derartige Zusammenarbeit der Sieg der Revolution unmöglich ist.85

Die Komintern, die in Wirklichkeit natürlich weder den ersten Putsch Chiangs, noch das Massaker von Shanghai vorhergesehen hatte, sah nun auch den Verrat der „linken“ GMD nicht voraus, die Stalin versuchte, mit der alten und längst über Bord geworfenen Leninschen Formel der „demokratischen Diktatur der Arbeiter und Bauern“ notdürftig rot anzupinseln. 

Diese Formel stammte aus der Zeit, in der Lenin noch davon ausging, dass die Revolution in Russland nicht über eine bürgerlich-demokratischen Punkt hinausgehen könne, allerdings bereits vom Proletariat im Bund mit den Bäuer:innen angeführt werden müsse, weil das russische Bürgertum zu schwach und unterwürfig war. Doch spätestens mit den Aprilthesen 1917 warf Lenin diese Formel über den Haufen und proklamierte, dass in Russland die Diktatur des Proletariats auf der Tagesordnung stand, die sogleich ergänzt werden müsste mit der Weltrevolution. Stalin mit Sinowjew und Kamenew waren zu diesem Zeitpunkt entsetzt von Lenins Thesen und opponierten bis in die Oktobertage hinein gegen die Machtergreifung der Bolschewiki. Mit den Aprilthesen hatte sich Lenin Trotzkis Theorie der Permanenten Revolution so weit angenähert, dass zwischen ihnen nun weitestgehende Einigkeit bestand und Trotzki sofort nach seinem Übertritt in die Bolschewiki ein Platz im Zentralkomitee angetragen wurde. Stalins Bezug zu dieser überholten Formel zeigte einmal mehr, wie wenig er die Politik Lenins in Oktobertagen, geschweige denn in der Kolonialfrage, begriffen hatte. Dieser hatte bereits 1920 dazu aufgerufen, „[…] einen entschiedenen Kampf zu führen gegen die Versuche, den bürgerlich-demokratischen Befreiungsströmungen in den zurückgebliebenen Ländern einen kommunistischen Anstrich zu geben.“86

Ganz anders vorausschauend waren Trotzki und die Vereinigte Opposition. Auf einem EKKI-Plenum im Mai 1927 erklärte er: 

Die Führer der linken Guomindang vom Schlage eines Wang Jingwei und Konsorten werden euch unvermeidlich betrügen, wenn ihr der Wuhan-Führung folgt, statt selbstständig eure eigenen Räte aufzubauen. Die Agrarrevolution ist kein Kinderspiel. Unter für sie schwierigen Bedingungen werden sich Politiker vom Schlage eines Wang Jingwei zehnmal eher mit Chiang Kai-shek gegen die Arbeiter und Bauern verbrüdern als umgekehrt.87

Wie die Vereinigte Opposition richtig erkannt hatte, war die „linke“ GMD-Regierung in Wuhan dominiert von kleinbürgerlichen Elementen, die mit tausend Fäden an den Großgrundbesitz gekettet waren. Die wachsende Bäuer:innenbewegung in ihrem Machtbereich und die Stärke der Gewerkschaften flößte ihr, genau wie der rechten GMD, zunehmend die Angst ein. Sie fürchtete, die Kontrolle über die Massenbewegung zu verlieren und nicht mehr verhindern zu können, dass sie sich über das Privateigentum hinwegsetzen würde. Gleichzeitig hatte das Vorbild Chiangs Massaker dem Bürgertum in Wuhan so viel Selbstbewusstsein verschafft, dass sie ihrerseits in die Offensive gingen, um die Arbeiter:innen und Bäuer:innen zurück in die Reihe zu zwingen. Aussperrungen und Sabotagen häuften sich in den Fabriken. Den Bäuer:innen wurden die lebensnotwendigen Kredite zur Saatgutbeschaffung verwehrt. Spekulanten trieben die Reispreise in fantastische Höhen. Die Verkehrsgesellschaften an den Flüssen stellten ihre Dampferfahrten ein. Dies hatte zur Folge, dass die Arbeiter:innen immer häufiger für die Erhaltung ihrer Lebenskosten streiken mussten, was von der Regierung mit Verboten und Zwangsschlichtungen beantwortet wurden.88 

Das Bündnis mit der GMD konnte nur noch aufrechterhalten werden, indem die KPCh Schritt für Schritt alle Forderungen der Bewegung aufgab. Gegen die Ausweitung der Streikbewegung in den Städten forderte die KPCh Mäßigung, „ungerechte Forderungen“ seien zu vermeiden. Gegen die Bäuer:innenbewegung auf dem Land stimmte sie in den Chor der GMD-Regierung ein, die „Exzesse“ zu beenden und von „illegalen“ Landbesetzungen abzusehen. Der kommunistische Landwirtschaftsminister rief die Bäuer:innen dazu auf, Maßnahmen gegen besonders unterdrückerische Grundbesitzer der Regierung zu überlassen, die jedoch völlig untätig blieb.89 Wie in Shanghai opferte die KPCh freiwillig jede Form bewaffneter Macht auf dem Altar der Einheitsfront. Auch gegen die immer häufiger auftretende Repression durch die GMD-Generäle der Region tat man nichts, außer sich bei der Regierung zu beschweren. Diese forderte im Gegenzug nicht die Mäßigung der Generäle, sondern die Herausgabe der Waffen der KPCh und der Gewerkschaften, was die KPCh bewilligte. 

Derweil bereitete die Regierung ihren eigenen Putsch gegen die Kommunist:innen vor. Am 8. Juni verließen die Führer der linken GMD Wuhan Richtung Zhengzhou, um dort mit ihren Generälen den Coup gegen die Kommunisten zu planen. Die KPCh reagierte auf diese Bedrohung nicht und lud den offen gegen sie konspirienden Wang Jingwei sogar auf den 4. Allchinesischen Arbeiter:innenkongress ein, wo dieser mit stehenden Ovationen der insgesamt drei Millionen Arbeiter:innen repräsentierenden Delegierten empfangen wurde.90 Innerhalb der Partei waren es wieder Chen Duxiu und Genoss:innen, die für einen Austritt der Kommunist:innen aus der Regierung und der GMD stritten und vor der kommenden Katastrophe warnten. Als die Parteiführung ihre Vorschläge erneut verwarf, zog Chen, mittlerweile von schwerer Depression gezeichnet, Konsequenzen und reichte seinen Rücktritt als Generalsekretär ein.91

In einer geisterhaften Wiederholung der Ereignisse von Guangzhou und Shanghai, forderte die GMD-Spitze am 15. Juli schließlich ultimativ den Austritt aller KPCh-Mitglieder in der GMD und der NRA aus der Kommunistischen Partei, andernfalls hätten sie mit Repression zu rechnen. Damit war der „innere Block“ von der „linken“ GMD selbst endgültig beendet worden, die im Verlauf der revolutionären Ereignisse immer offener auf die Seite der Großgrundbesitzer:innen und Imperialist:innen übergetreten war. Ihre Generäle begannen nach dem Vorbild Chiangs mit ihrer eigenen Kommunist:innenverfolgung. Erneut wurden Gewerkschaftshäuser und Parteigebäude gestürmt und Parteiarbeiter:innen in ihren Redaktionsstuben niedergeschossen. Insgesamt verloren nach Schätzungen 25.000 Kommunist:innen ihr Leben.92 Die kommunistische Presse wurde verboten und die GMD-Regierung entließ ihre kommunistischen Minister. Noch während des Untergangs telegraphierte Bucharin aus Moskau, die KPCh sollte nur aus der Regierung, nicht aber aus der GMD austreten.93 Das forderte dieser, als die kommunistischen GMD-Mitglieder schon tot am Straßenrand lagen. 

Die putschistische Wendung

Im Gefolge der Niederlage noch 1927 trat in China eine Periode der Konterrevolution ein, den Massen war der Kopf abgeschlagen worden und die GMD konnte sich endgültig in nahezu nationalem Maßstab etablieren, was den Fraktionskampf in ihr jedoch nicht beendete. Doch ihr Regime bot den Massen keinen Ausweg. Es stützte sich auf Terror und konnte keine der schreienden Probleme Chinas lösen. Unter ihrer Herrschaft kam es zu fortgesetztem wirtschaftlichen Zerfall, ständiger Kleinkriege unter den Militärführern und zunehmender Ohnmacht gegenüber der japanischen Invasion. 

Das EKKI und die Führung der KPCh jedoch wollten sich mit ihrer vorläufigen Niederlage in China nicht abfinden und wie so oft in der Geschichte folgte nun auf den Opportunismus ultra-linkes Abenteurertum. Die KPCh war versprengt, ihre Kräfte durch die blutige Repression massiv geschwächt, ihre noch lebenden Anhänger:innen demoralisiert und enttäuscht. Da trafen Ende Juli die beiden Kominternemissäre Heinz Neumann und Besso Lomindaze mit neuen Anweisungen des EKKI in China ein. Zunächst wurde innerhalb der Partei nach Schuldigen für die Niederlage gesucht, denn an der Politik des EKKI durfte es natürlich nicht liegen. Die Schuldigen wurden schnell gefunden: Die alte Parteiführung habe die Anweisungen des EKKI nicht richtig befolgt und der oberste Schuldige sei der opportunistische Chen Duxiu. Auch Mao Zedong, als Unterstützer des „inneren Blocks“, wurde aus dem ZB entfernt. Die neue Parteiführung, noch nicht einmal offiziell ins Amt gewählt, traf sich am 8. August mit Neumann und Lomindaze zu einer Notstandskonferenz der KPCh. Von den 13 Anwesenden waren nur drei tatsächlich gewählte Mitglieder des ZBs.94 Die aus dieser Konferenz entstandene Resolution warf der alten Parteiführung (natürlich nicht dem EKKI) vor: 

In menschewistischer Manier trennte das ZK die nationale Befreiungsbewegung und den Klassenkampf als widersprüchliche Elemente voneinander und schien zu glauben, dass die Entwicklung des Klassenkampfs der nationalen Revolution schaden würde. Das ZK wollte, dass die Partei, die Arbeiterklasse und die Bauernschaft ihre Klassenforderungen einschränkten und von revolutionären Kämpfen gegen die chinesische Bourgeoisie und die Großgrundbesitzer absahen.95

Diese schneidende Kritik könnte auf den ersten Bild nach einer Korrektur der falschen Linie klingen, doch war sie nur Ausdruck der sich nun ankündigenden ultra-linken Wende. In Moskau war der Kampf mit der Vereinigten Opposition im Herbst 1927 auf einem Höhepunkt angelangt, Hauptstreitpunkt war nun China geworden. Eine Niederlage konnte Stalin auf keinen Fall eingestehen. Statt also die vorläufige Niederlage der KPCh als Fakt anzuerkennen, sich neu zu sammeln und Vorbereitungsaufgaben für ein erneutes Anwachsen der Bewegung zu treffen, tat man das Gegenteil und man erklärte die Niederlage zum Sieg, das Abflauen der Bewegung zum kräftigen Aufwind. Diese 180-Grad-Wende kündigte auch im Westen die ultra-linke Wende zur sogenannten „Dritten Periode“ ab 1928 an. Die Resolution der Notstandskonferenz erklärte ihre neue Linie folgendermaßen:

In ihrer grundlegenden Ausrichtung geht die chinesische Revolution von der Phase der bürgerlich-demokratischen Revolution in die Phase der sozialistischen Revolution über. […] Es muss darauf geachtet werden, dass die Arbeiter bewaffnet werden und für Straßenkämpfe militärisch ausgebildet werden. Wir müssen uns darauf vorbereiten, die Kämpfe mit Bauernaufständen zu koordinieren, um so den Sturz des konterrevolutionären Regimes herbeizuführen. […] Derzeit […] ist die Vorbereitung systematischer, geplanter Bauernaufstände durch die Partei, die so großflächig wie möglich organisiert werden sollen, eine der Hauptaufgaben der Partei. Wir sollten die Erntezeit dieses Jahres nutzen, um den Klassenkampf in den Dörfern zu intensivieren. Die Parole dieser Bauernaufstände sollte die Übertragung der politischen Macht in den Dörfern in die Hände der Bauernverbände sein.96

Interessanterweise war man zu Beginn der putschistischen Periode immer noch nicht gewillt, die GMD ganz hinter sich zu lassen. Die geplanten Aufstände sollten zunächst nicht unter dem roten Banner der KPCh stattfinden, sondern unter dem Blau-Weißen Banner der GMD.97 Und so begann die Partei, ihre letzten verbliebenen Kräfte in hoffnungslos zum Scheitern verurteilte Putschversuche zu werfen. Bereits am 1. August hatte die Partei in Nanchang zum Aufstand geblasen. Der Aufstand stützte sich auf einige kommunistisch geprägte Armeeeinheiten von etwa 20.000-30.000 Mann. Doch die Massen folgten ihnen nicht. Die eingesetzte „revolutionäre Regierung“ hielt sich nur wenige Tage und musste sich sofort nach dem Eintreffen der NRA Richtung Shantou zurückziehen. Immer wieder in Scharmützel verwickelt, schmolzen die kommunistischen Truppen schnell auf wenige Dutzend zusammen. 

Es folgte ein ähnlicher Putschversuch im bäuerlichen Hunan unter der Leitung Maos. Die Kommunist:innen mussten feststellen, dass sie zu spät dran waren. Die Bäuer:innenbewegung hatte schon durch Repression und Führungslosigkeit an Dynamik eingebüßt und dem Ruf zum Griff zur Waffe folgten nur wenige. Die „Sowjetregierung“ von Hunan stützte sich also völlig auf kommunistische Aktivist:innen und brach sofort zusammen, als die NRA einrückte und ein Massaker an Zivilist:innen verübte. Mao musste sich mit einem kümmerlichen Rest in die Berge zurückziehen, wo er allerdings Hilfe von lokalen Bergleuten erhielt, die auch in die sich nun bildende Rote Armee eintraten. 

Der größere Aufstand der KPCh begann im Dezember in Guangzhou. Die Vorbereitungen liefen hier bereits einige Wochen, musste aber auf Verlangen des EKKI beschleunigt werden. Denn Stalin wollte auf dem XV. Parteitag der KPdSU, der vom 5. bis zum 14. Dezember 1927 in Moskau stattfand, einen Erfolg vorweisen können, um die Vereinigte Opposition besser angreifen zu können.98 In der Nacht auf den 11. Dezember schlugen die Kommunist:innen los und eroberten noch in derselben Nacht ganz Guangzhou. Am nächsten Morgen erfuhr das Proletariat der Stadt, dass sich die Stadt unter der Herrschaft eines „Sowjets“ befand, den sie aber nie gewählt hatten und von dessen Existenz sie aus der Zeitung erfuhren. Auch nach der Errichtung dieser „Arbeiter:innenmacht“ blieb die Beteiligung der Arbeiter:innen gering. Zu einer noch am 11. Dezember einberufene Massenversammlung erschienen nur knapp 300 Arbeiter:innen.99 Als die Konterrevolution hereinbrach, wurde der „Sowjet“ von den Massen nicht verteidigt. Fast 5.700 Kommunist:innen fielen dem folgenden Weißen Terror zum Opfer, die ganze Blüte des Proletariats von Guangzhou war damit auf Jahre hinaus vernichtet.100 Guangzhou war der letzte größere Aufstandsversuch der KPCh, für weitere Aktionen war die Partei zu erschöpft. 

Hatte das Scheitern der Stalinlinie zunächst viele russische Kommunist:innen zur Linken Opposition getrieben, so bezog diese ihre Stärke aber letztlich aus der Hoffnung auf die Ausdehnung der Weltrevolution und die Umkehrung der bürokratischen Fehlentwicklungen innerhalb der Sowjetunion. Die Niederlage der chinesischen Revolution demoralisierte diese Aktivist:innen und trieb sie stattdessen der konservativen Bürokratie in die Arme. So entstand der widersprüchliche Umstand, dass Stalin, trotz der Tatsache, dass er persönlich für die Niederlage in China verantwortlich war, durch diese innerparteilich gestärkt wurde, sodass seine Fraktion ihre innerparteilichen Gegner in der Atmosphäre der Enttäuschung endgültig niederwerfen konnte. Zeitgleich zum Massaker an den Arbeiter:inenn in Guangzhou unterlagen Leo Trotzki und die Vereinigte Opposition und Trotzkis Verbannung nach Almaty folgte im Januar 1928.

Die Verwandlung der KPCh

Die KPCh verwandelte sich im Ergebnis ihrer während der konterrevolutionären Periode begangenen putschistischen Fehler grundlegend. Ihr Überbau nahm immer stärker bürokratische, stalinisierte Formen an, während sich das Schwergewicht ihrer Basis weg von den Städten aufs Land verlagerte. Das EKKI herrschte nun bis in die kleinsten Personalentscheidungen hinein, wechselte immer wieder in Ungnade gefallene Parteiführer aus und veranstaltete Parteisäuberungen gegen „Trotzkisten“, „Liquidatoren“ und „Rechtsabweichler“ in großem Stil. Einer der ersten Ausschlüsse traf Ende 1929 Chen Duxiu, der sich, ohne die Dokumente der Linken Opposition zu kennen, aufgrund seiner politischen Erfahrungen mittlerweile auf einen trotzkistischen Standpunkt zubewegt hatte. Die Partei verhängte nun auch formal das Fraktionsverbot und es folgten Hunderte weitere Ausschlüsse. Jede Woche gab das Zentralorgan der Partei Die Rote Fahne lange Listen von Ausgeschlossenen bekannt.101

Auf dem 6. Parteikongress im Juni 1928, der bezeichnenderweise in Moskau abgehalten wurde, wurde zunächst Li Lisan zum Parteivorsitzenden gewählt, ein langjähriger Gewerkschafter, der den Dritte-Periode-Stalinismus verkörperte und davon ausging, in China kündige sich jeden Moment eine neue revolutionäre Welle an. Mao wurde in Abwesenheit wieder ins ZB geholt, weniger weil die Partei seinen rechten Kurs unterstützte, sondern viel mehr, weil Mao zu diesem Zeitpunkt mit seinen übrig gebliebenen militärischen Kräften ländliche „Sowjetdistrikte“ in Wuhan bildete, die praktisch zum einzigen materiellen Faustpfand der zerrütteten Partei wurden. Li hielt, anders als Mao, noch am proletarischen Fokus der Parteipolitik fest und wollte die verlorene Parteibasis in den Städten wiedergewinnen. Doch seine vorgeschlagene Taktik war die eines ultra-linken Abenteuerertums in der Kontinuität der putschistischen Periode. Innerhalb der Städte sollten sich die Arbeiter:innen auf den unmittelbar bevorstehenden revolutionären Aufstand vorbereiten, „Rote Gewerkschaften“ bilden und sich bewaffnen. Dies machte es der GMD-Reaktion, umso leichter, die Parteizellen eine nach der anderen auszuradieren. Auf dem Land sollten sich die versprengten und aus Bäuer:innen, städtischen Flüchtlingen und Parteiarbeiter:innen zusammengewürfelten Überbleibsel der KP-Truppen aus den Aufständen von Nanchang und Hunan zu „Roten Armeen“ zusammenschließen und die Städte umzingeln, was anschließend laut Li überoptimistischer Einschätzung zu massenhaften Aufständen des dortigen Proletariats führen müsste. So hoffte er, die schwindende proletarische Basis in den Städten militärisch wiederzuerlangen. 

Ein Versuch dieser Art wurde im Juli 1930 in Wuhan unternommen. Eine Rote Armee marschierte auf Changsha, die Hauptstadt Hunans und eroberte sie. Doch wieder zeigte sich, dass das Proletariat der Partei längst den Rücken gekehrt hatte. Kaum ein:e Arbeiter:in nahm Notiz von dieser rotbeflaggten Bäuer:innenarmee, die da ohne ihr Zutun behauptete, ihre Interessen zu vertreten. Bereits Anfang August musste die Rote Armee die Stadt wieder räumen, um einer Einkesselung durch die GMD-Truppen zu entgehen. Li Lisan hatte die Anweisungen des EKKI zwar peinlich genau befolgt, doch am Ende war nur er allein für die Niederlage verantwortlich und wurde als „Semi-Trotzkist“ von seinem Posten entfernt. Die Parteiführung wurde nun von den „28 Bolschewiki“, einer Gruppe aus Moskau zurückgekehrter, stalintreuer Student:innen der Sun-Yat-sen-Universität gebildet. Offiziell übernahm Xiang Zhongfa den Posten des Generalsekretärs, doch de facto stieg der Vertreter der KPCh beim EKKI in Moskau, Wang Ming, zum Parteiführer auf. Dieser richtete die Politik der Partei zunehmend auf den Aufbau der Roten Armee aus.

Mit Li Lisans Ende endete auch der proletarische Politikansatz der Partei. Seine ultra-linke Politik war zwar auf die Wiedergewinnung der Städte gerichtet, hatte aber in der Praxis den gegenteiligen Effekt. In der einstigen Hochburg Shanghai waren 1927 noch 8.000, 1930 aber nur noch weniger als 2.000 Parteimitglieder zu verzeichnen. 1932 waren diese auf 500 zusammengeschmolzen und 1934 war nur noch etwa ein Dutzend KPCh-Mitglieder übrig.102 Ähnliche Entwicklungen zeigten sich in allen ehemaligen städtischen Hochburgen der Partei. 1926 waren insgesamt nur zwei Prozent der Parteimitglieder Bäuer:innen und weitere zwei Prozent Soldat:innen gewesen. In den ersten Monaten des Jahres 1930 war dagegen der Anteil der Arbeiter:innen auf nur noch etwa fünf Prozent gesunken.103

Das Gewicht der neuen „Sowjetbezirke“, die Mao und die Rote Armee in den entlegenen und schwer zugänglichen Gebieten der Provinz Wuhan gegründet hatten, nahm entsprechend bedeutend zu und bald befand sich die Mehrheit der Parteibasis innerhalb dieser Regionen. Diese „Sowjets“ hatten nichts mit demokratischen Sowjets nach russischem Vorbild zu tun, sie wurden nicht gewählt, sondern von oben durch die Partei eingesetzt. Das hatte zum einen den Zweck, die politische Führung der KPCh in den Sowjets zu sichern, zum anderen trug es der Tatsache Rechnung, dass die Masse der Bäuer:innen sich eher abwartend und passiv gegenüber den Roten Armeen verhielt. Die Phase der großen Bäuer:innenbewegung von 1927 hatte sich mittlerweile erschöpft, zurück blieb Enttäuschung und politische Apathie. Immerhin führten Maos Truppen in den Rätebezirken im Norden nun eine demokratische Landreform durch. Das Land der Großgrundbesitzer:innen und das Staatsland wurden unter den Bäuer:innen aufgeteilt und Steuern, Pacht und Zinsen wurden abgeschafft. Das verschaffte der Roten Armee trotz der weitestgehenden Passivität der Bäuer:innenmassen eine belastbare soziale Stütze und verbesserte das Leben der Landbevölkerung erheblich. Die Landreform hatte allerdings die Eigenschaft, dass großbäuerlicher Besitz nicht angetastet wurde und so die relativ bessergestellten Schichten des Bäuer:innentums stärker von der Reform profitierten, als das verarmte Land. Dies erklärt auch, dass der Generalstab der Roten Armee und die administrative Verwaltung der Sowjetbezirke bald zum Großteil aus Söhnen privilegierter Bäuer:innenfamilien bestanden.104 Trotz dieser Defekte war die Landreform höchst fortschrittlich und führte dazu, dass die Bäuer:innen, klein oder groß, das gewonnene Land nicht wieder abgeben wollten und um das zu garantieren, kamen sie den Roten Armeen zur Hilfe, sobald sie von GMD-Truppen angegriffen wurden. 

Hier wird deutlich, wie sich fortan das Verhältnis der KPCh zu ihrer neuen bäuerlichen Basis gestalten würde. Die Bäuer:innen sahen in der Partei das Vehikel für die Umsetzung ihres agrarrevolutionären Programms, der Aufteilung des Landes und traten der Partei genau aus diesem Grund bei. Vom Kommunismus hatten die wenigsten schon einmal etwas gehört und für sie bedeutete das offizielle Parteiziel, der Aufbau des Sozialismus, nichts weiter als „Gerechtigkeit“ in der Landverteilung. Viele Bäuer:innen konnten zum Zeitpunkt ihres Eintritts weder lesen noch schreiben. Die Kandidat:innenzeit war sehr kurz und die Anzahl der für die Aufnahme nötigen Bürgen wurde von Mao extra für die Bäuer:innen von zwei auf eins herabgesenkt.105 Diese Masse an neuen, unerfahrenen Mitgliedern konnte sich nicht, wie von einer revolutionären Partei zu erwarten sein sollte, gleichberechtigt und auf hohem Niveau an theoretischen Debatten und strategischen und taktischen Entscheidungen beteiligen. Vielmehr führten der vom EKKI verhängte politische Zwang zur Unterordnung unter die Generallinie und diese neue soziologische Zusammensetzung dazu, dass die Parteiführung sich immer stärker über ihre Basis erhob und eine abgeschlossene bürokratische Kaste ausbildete, die anstelle der Parteibasis, als ihr Vertreter, die Regierungsgeschäfte der Sowjetbezirke und die militärischen Fragen in der Roten Armee organisierte. Trotzki hatte diese Entwicklung 1932 in ihrer vollen politischen Tragweite richtig erkannt:

Die kommandierende Schicht der chinesischen ‚Roten Armee‘ konnte sich zweifellos eine eigene Kommandopsychologie erarbeiten. Wenn eine starke revolutionäre Partei und proletarische Massenorganisationen fehlen, ist eine Kontrolle über die kommandierende Schicht faktisch ausgeschlossen. Kommandeure und Kommissare sind uneingeschränkt Herren der Lage und werden, wenn sie in die Städte einziehen, sehr dazu neigen, auf die Arbeiter herabzusehen. Die Forderungen der Arbeiter werden ihnen nicht selten unzeitgemäß oder unangebracht erscheinen.106

Wenn die Partei nicht schon zuvor zu einem vollendeten bürokratischen Monolithen geworden war, dann wurde sie es spätestens jetzt. Bezeichnenderweise fand zwischen 1928 und 1945 kein Parteitag der KPCh statt. Politische Debatten wurden fast nur noch in Form von Fraktionskämpfen innerhalb der Parteispitze geführt. Diese soziologische und politische Verwandlung der Partei als Folge ihrer langen Liste an Niederlagen, sollte in den kommenden Jahren tiefgreifende historische Folgen haben. Wie der nächste Artikel dieser Reihe zeigen wird, stellte sich der Fortgang der chinesischen Revolution von nun an weniger als Massenkampf von unten dar und mehr als militärische Operation, die von einer Armee- und Parteibürokratie von oben geleitet wurde. Die chinesische Revolution war ab diesem Punkt bereits politisch deformiert. Diese Deformation sollte sich auch auf den Staat übertragen, der 1949 aus der Machteroberung der KPCh hervorgehen sollte.

Fußnoten

  1. 1. Über den Begriff der asiatischen Produktionsweise gab es in der marxistischen Geschichtswissenschaft seit dem Ende der 1920er Jahre eine lang anhaltende Kontroverse, die ihre Ursachen in den unterschiedlichen politischen Interpretationen der Aufgaben der chinesischen Revolution hatte. Auf die Einzelheiten der Diskussion kann hier nicht in Ausführlichkeit eingegangen werden. Es sei verwiesen auf den herausragenden Klassiker zu dieser Thematik: „Reinhart Kössler: Dritte Internationale und Bauernrevolution. Die Herausbildung des sowjetischen Marxismus in der Debatte um die ‚asiatische‘ Produktionsweise, Campus-Verlag, Frankfurt a.Main 1982“. Sein Rezensent Du-Yul Song fasste den Befund Kösslers wie folgt zusammen: „Die ‚Offensive des Sozialismus auf der ganzen Front‘ (1928/29) und ihre politische Bedeutung als eine Offensive gegen den Rest der Opposition in der Partei bestimmten das Schiksal der ‚wissenschaftlichen‘ Front, wodurch auch die ‚APW‘ in Mitleidenschaft gezogen wurde.“, in: Du-Yul Song: Rezension zu: Reinhart Kössler: Dritte Internationale und Bauernrevolution. Die Herausbildung des sowjetischen Marxismus in der Debatte um die „asiatische“ Produktionsweise, Campus-Verlag, Frankfurt a.Main 1982, in: Archiv Für Rechts- und Sozialphilosophie, 69(3), S. 425–427, hier S. 426.
  2. 2. Marx, Karl: Das Kapital, Kritik der politischen Ökonomie, Dritter Band, Buch III: Der Gesamtprozess der kapitalistischen Produktion, in: Karl Marx und Friedrich Engels: Werke, Band 25, Dietz Verlag, Berlin 1964, S. 799.
  3. 3. Karl Marx: Die britische Herrschaft in Indien, in: Karl Marx und Friedrich Engels: Werke, Band 9, Dietz Verlag 1960, S. 127–133, hier S. 129.
  4. 4. Chris Harman: Das Siebentorige Theben, Wie die Menschen ihre Geschichte machen, Band 1: Frühzeit bis 17. Jahrhundert, Laika Verlag, Hamburg 2016, S. 74.
  5. 5. Cardorff, Peter: Über den Charakter der chinesischen Revolution und der KP-Chinas, ISP-Verlag, Frankfurt a.Main 1978, S. 12.
  6. 6. Cho-yun Hsu: Han Agriculture: The Formation of Early Chinese Agrarian Economy (206 B.C.–A.D. 220), University of Washington Press, Seattle 1980, S. 39, siehe auch: Harman: Das siebentorige Theben, S. 100.
  7. 7. Streitgespräch über Eisen und Salz (81. v.u.Z.), Auszüge abgedruckt in: Hsu: Han Agriculture, S. 191.
  8. 8. Karl Marx: Chinesisches, in: Karl Marx und Friedrich Engels: Werke, Band 15, Dietz Verlag 1980, S. 514–516, hier S. 514.
  9. 9. Harman: Das Siebentorige Theben, S. 104–105.
  10. 10. Wilhelm II: Hunnenrede (27. Juli 1900), in: Johannes Penzler (Hrsg.): Die Reden Kaiser Wilhelms II., Band 2: 1896-1900, Reclam, Leipzig 1931, S. 209–212.
  11. 11. Isaacs: Tragödie, S. 36.
  12. 12. Cardorff: Chinesische Revolution, S. 27.
  13. 13. Ebd. S. 60.
  14. 14. Ebd. S. 29.
  15. 15. Ebd. S. 18.
  16. 16. Isaacs: Tragödie, S. 38.
  17. 17. Jean Chesneaux: The Chinese Labor Movement, 1919-1927, Stanford University Press 1968, S. 42.
  18. 18. Ebd. S. 47.
  19. 19. Cardorff: Chinesische Revolution, S. 26.
  20. 20. Ausführlich dargestellt, in: Jörn Leonhard: Der überforderte Frieden, Versailles und die Welt 1918-1923, Beck Verlag, München 2018, S.928–937.
  21. 21. Herold R. Isaacs: Die Tragödie der chinesischen Revolution, Mehring Verlag, Essen 2016, S. 57.
  22. 22. Leo Trotzki: Die Klassenverhältnisse in der chinesischen Revolution (4. April 1927), in: Die Linke Opposition in der Sowjetunion, Band V., Westberlin 1977, S. 27–37, hier S. 31.
  23. 23. Beide Texte zu studieren in: Leo Trotzki: Die Permanente Revolution: Ergebnisse und Perspektiven, Mehring Verlag, Essen 2016.
  24. 24. Cardorff: Chinesische Revolution, S. 21.
  25. 25. John Peter Roberts: China: From Permanent Revolution to Counterrevolution, Wellred Books, London 2016, S. 11–12.
  26. 26. Isaacs: Tragödie, S. 80.
  27. 27. Roberts: China, S. 12.
  28. 28. Ebd. S. 18.
  29. 29. Chesneaux: Chinese Labor Movement, S. 154.
  30. 30. Roberts: China, S. 18.
  31. 31. Isaacs: Tragödie, S. 92.
  32. 32. Karakhan-Manifest, 25.07.1919 Moskau, in: Soviet Politics in China, 1917-1924, Sandfort University Press 1953, S.269-271; Name abgeleitet von Lev Karakhan, dem stellvertretenden Volkskommissar für auswärtige Angelegenheit der RSFSR.
  33. 33.  Roberts: China, S. 18–19.
  34. 34. Ebd. S. 19–20; Cardorff: Chinesische Revolution, S. 42.
  35. 35. Zitiert nach: Cardorff: Chinesische Revolution, S. 45.
  36. 36. Roberts: China, S. 24.
  37. 37. Cardorff: Chinesische Revolution, S. 47.
  38. 38. Wladimir I. Lenin: Ursprünglicher Entwurf der Thesen zur nationalen und kolonialen Frage (14. Juni 1920), in: Ders.: Werke, Band 31, Dietz Verlag, Berlin 1966, S. 132–139, hier S. 138.
  39. 39. Wladimir I. Lenin: Rede über die Zugehörigkeit zur Britischen Arbeiterpartei (6. August 1920), in: Ders: Werke, Band 31 (April–Dezember 1920), Berlin 1983, S. 246–252, hier S. 250.
  40. 40.  H. Maring: Die revolutionär-nationalistische Bewegung in Süd-China, in: Kommunistische Internationale, Organ des Exekutivkomitees der Komintern, Nr. 22 (13. September 1922), S. 49–55, hier S. 55.
  41. 41. Roberts: China, S. 26.
  42. 42. Redebeitrag von Liu Renjing (China) auf dem IV. Weltkongress der Komintern, Sitzung 20–23 November 1922, in: John Riddell (Hg.): Towards the United Front: Proceedings of the Fourth Congress of the Communist International, 1922, Brill, Leiden/Boston 2012, S. 711–714, hier S. 713–714. Eigene Übersetzung.
  43. 43. Rede Georgi I. Safarows auf dem IV. Weltkongress der Komintern, Session 20 – 23 November 1922, in: John Riddell (Hg.): Towards the United Front: Proceedings of the Fourth Congress of the Communist International, 1922, Brill, Leiden/Boston 2012, S. 719–722, hier S. 722, eigene Übersetzung.
  44. 44. Rede Karl Radeks auf dem IV. Weltkongress der Komintern, Session 20-23 November 1922, S. 727–735, hier S. 733. Eigene Übersetzung.
  45. 45. Theses on the Eastern Question, in: Towards the United Front: Proceedings of the Fourth Congress of the Communist International, 1922, Brill, Leiden/Boston 2012, S. 1180–1190, hier S. 1186. Eigene Übersetzung.
  46. 46. Roberts: China, S. 30.
  47. 47. Roberts: China, S. 31.
  48. 48.  Manifesto of the Third National Congress of the CCP (June 1923), in: Brandt et al, in A Documentary History of Chinese Communism, Allen & Unwin, London 1952, S. 71–72, eigene Übersetzung.
  49. 49. Cardorff: Chinesische Revolution, S. 54.
  50. 50. Roberts: China, S. 35.
  51. 51. Ebd. S. 37.
  52. 52. Cardorff: Chinesische Revolution S. 57.
  53. 53. Roberts: China S. 35.
  54. 54. Ebd., S. 74.
  55. 55. Isaacs: Tragödie, S. 145.
  56. 56. Roberts: China S. 74–75.
  57. 57. Ebd. S. 75.
  58. 58. Inprekorr (Deutsche Version), 6. Jg. Nr. 53, 9. April 1926, S. 737–738, zitiert nach Isaacs: Tragödie, S. 150.
  59. 59. Woitinski, Gregori: The Situation in China and the Plans of the Imperialists, in: Inprekorr (Englische Version), Jg. 6, Nr. 39, S. 600, eigene Übersetzung.
  60. 60. Roberts: China, S. 77.
  61. 61. Isaacs: Tragödie, S. 159.
  62. 62. Cardorff: Chinesische Revolution, S. 61.
  63. 63. Ebd.
  64. 64. Stuart R. Schram.: Mao’s Road to Power, Revolutionary Writings, 1912–49, Band 2: National Revolution and Social Revolution, Dec.1920–June 1927, Sharpe, Armonk (NY) 1992, S. 421–422, eigene Übersetzung.
  65. 65. Chesneaux: Chinese Labor Movement, S. 527-528.
  66. 66. Chardorff: Chinesische Revolution, S. 62.
  67. 67. Bucharin, Nikolai: The International Situation. From the Report of Comrade Bukharin at the XXIV. Party Conference of the Leningrad district (6. Februar 1927), in: Inprekorr (Englische Version), Jg. 6, Nr. 14, S.281–284, hier S. 282, eigene Übersetzung.
  68. 68. Trotzki: Klassenverhältnisse, S. 27.
  69. 69. Ebd., S. 27–28.
  70. 70. Cardorff: Chinesische Revolution, S. 65–66.
  71. 71. Roberts: China, S. 93.
  72. 72. Isaacs: Tragödie, S. 196.
  73. 73. Cardorff: Chinesische Revolution, S. 67.
  74. 74. Roberts: China, S. 97.
  75. 75. Isaacs: Tragödie, S. 262.
  76. 76. Ebd. S. 263.
  77. 77. Roberts: China, S. 96.
  78. 78. Stalin, J. W.: Fragen der chinesischen Revolution, für Propagandisten gebilligt (21. April 1927), in: Ders.: Werke, Band 9, Dietz Verlag, Berlin 1953, S. 114–118, hier S. 115.
  79. 79. Stalin, J. W: Notizen über Gegenwartsthemen, in: Ebd. S. 163–181, hier S. 173.
  80. 80. Stalin: Eine Besprechung mit Studenten der Sun Yat-sen-Universität (13. Mai 1927), S. 123–136, hier S. 132.
  81. 81. Ebd.
  82. 82. Stalin: Fragen, S. 116.
  83. 83. Ebd.
  84. 84. Ebd. S. 122.
  85. 85. Ebd. S. 116.
  86. 86. Lenin: Thesen zur nationalen und kolonialen Frage, S. 138.
  87. 87. Trotzki, Leo: Zweite Rede auf dem 8. Plenum des EKKI, in: Ders.: Schriften 2. Über China, 1928–1940, Rasch & Röhring Verlag, Hamburg 1990, Band 2.1, S. 260.
  88. 88. Roberts: China, S. 98.
  89. 89. Cardorff: Chinesische Revolution, S. 70.
  90. 90. Roberts: China, S. 104-105.
  91. 91. Ebd. S. 106.
  92. 92. Ebd. S. 108.
  93. 93. Ebd. S. 107.
  94. 94. Cardorff: Chinesische Revolution, S. 80.
  95. 95. Circular Letter of the CC [CCP] to all Party Members (7. August 1927), in: Brandt et al (Hg.): A Documentary History of Chinese Communism, Allen & Unwin, London 1952, S.102-127, hier S. 104, eigene Übersetzung.
  96. 96. Ebd. S. 118, S.121–122, eigene Übersetzung.
  97. 97. Cardorff: Chinesische Revolution, S. 81.
  98. 98. Roberts: China, S. 117.
  99. 99. Isaacs: Tragödie, S. 438.
  100. 100. Ebd. S. 442.
  101. 101. Roberts: China, S. 126.
  102. 102. Ebd., S. 132.
  103. 103. Ebd.
  104. 104. Ebd. S. 124.
  105. 105. Cardorff: Chinesische Revolution, S. 90.
  106. 106. Leo Trotzki: Der Bauernkrieg in China und das Proletariat (22. September 1932), in: Ders.: Schriften 2. Über China, 1928–1940, Rasch & Röhring Verlag, Hamburg 1990, Band 2.2, S. 764.

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