Belfast: Rassistische Pogrome angestachelt durch Elon Musk
Seit Dienstag mobilisieren Rechtsradikale und loyalistische Gruppen hunderte Menschen zu Pogromen auf die Straßen in Belfast und zündeten unter anderem Häuser von Migrant:innen an. Angestachelt wurden die Proteste von Elon Musk und dem bekannten Rassisten Tommy Robinson.
Am Dienstag ging in Belfast ein Video viral, das einen Menschen, mutmaßlich aus dem Sudan, bei einem Messerangriff auf eine andere Person zeigt. Der Vorfall ereignete sich im Norden Belfasts in einem überwiegend irisch-republikanisch geprägten Viertel. Der Angreifer wurde von der Polizei festgenommen und unter anderem wegen Mordversuch angeklagt. Innerhalb von Minuten verbreitete sich das Video in den sozialen Medien. Noch am selben Abend brannten Autos und Häuser in Belfast. Rechtsradikale und loyalistische Gruppen patrouillierten durch die Stadt, zündeten Autos und Häuser an, in denen Migrant:innen wohnen und liefern sich seit Nächten Straßenschlachten mit der Polizei. 26 Menschen haben seit Beginn der Pogrome bereits ihre Wohnung verloren. Schwerpunkt der Ausschreitungen sind vor allem loyalistische Viertel im Osten von Belfast.
Der öffentliche Nahverkehr in Belfast wurde teilweise eingestellt, Schulen wurden geschlossen und die Polizei hat ganze Straßen gesperrt. Laut Informationen der Jungen Welt wurden die Angriffe auf Häuser von loyalistischen, paramilitärischen Gruppen wie der East Antrim Ulster Defence Association (UDA) organisiert, die selbst seit Jahrzehnten für hunderte Morde an politischen Gegner:innen verantwortlich sind und sich heute vor allem durch Drogengeschäfte finanzieren.
Bereits im letzten Jahr gab es pogromartige Mobilisierungen im nordirischen Ballymena, die teilweise auch schon nach Belfast getragen wurden, nachdem zwei rumänisch-sprachige Jugendliche wegen einer versuchten Vergewaltigung vor Gericht standen. Auch dort wurden Häuser markiert und in Brand gesetzt, in denen migrantische Familien lebten. Ein Freizeitzentrum, das für Familien als Zufluchtsort bereitgestellt werden sollte, wurde damals niedergebrannt.
Auch wenn sich die Pogrome in der zweiten Nacht schon mehr auf die Vororte Belfasts verlagerten, insbesondere Newtownabbey, fügen sie sich ein in eine Reihe großer rechtsradikaler Mobilisierungen in Großbritannien und Nordirland und dem Aufstieg der rechten Reform-Party in den letzten anderthalb Jahren. Laut aktuellen Umfragen steht die Reform Party mit 28 Prozent landesweit auf Platz eins. Im September 2025 folgten über Hunderttausend Menschen einem Aufruf des britischen Rechtsradikalen Tommy Robinson und demonstrierten in London. Im Mai 2026 versammelten sich am Nakba-Tag noch einmal rund die Hälfte an Leuten in London parallel zu einer zahlenmäßig weitaus größeren pro-palästinensischen Demonstration. Sowohl Tommy Robinson als auch Elon Musk stachelten die Menschen zu den rassistischen Pogromen an.
Ein Sprecher der britischen Regierung erklärte zudem am Mittwoch, dass die Kontrollen „illegaler Migration“ nach Nordirland verschärft werden. Das britische Innenministerium gab in der Nacht zu Freitag bekannt, dass im vergangenen Jahr 900 „Einwanderungsstraftäter“ festgenommen wurden. Aussagen, die die rassistische Stimmung im Land weiter verschärfen werden. Die Regierung instrumentalisiert die Pogrome für eine zunehmend autoritäre Asylpolitik.
Auf der anderen Seite organisierten sich am Donnerstag aber auch Nachbarschaften, um durch die betroffenen Viertel zu laufen und insbesondere den migrantischen Bewohner:innen ihre Unterstützung auszusprechen und den Schutz der Nachbarschaften zu organisieren. Am Samstag, den 13. Juni 2026, rufen linke Gruppen und Gewerkschaften zu einer antirassistischen Demonstration in Belfast auf.