Antidemokratische Angriffe am Anthropologie-Institut der FU: Recht auf Versammlung und Diskussion verteidigen!

02.06.2026, Lesezeit 4 Min.
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Foto: BDS FU

Eine für diesen Donnerstag anberaumte Vollversammlung des Instituts für Sozial- und Kulturanthropologie zum akademischen Boykott israelischer Institutionen wurde am Montag aus fadenscheinigen Gründen abgesagt. Die Vollversammlung findet trotzdem statt und zeigt, wie wir uns gegen autoritäre Angriffe wehren können.

Seit Monaten führen Studierende des Instituts für Sozial- und Kulturanthropologie (SKA) an der FU Berlin eine Kampagne für den Abbruch aller Beziehungen ihres Instituts zu israelischen Einrichtungen und Universitäten, die an Genozid, Apartheid und Besatzung in Palästina beteiligt sind. Dafür sammelten sie über 100 Unterschriften von Studierenden ihres Instituts  und brachten eine entsprechende Resolution in ihren Institutsrat ein. Dort wurde ihr Antrag letzte Woche verhandelt. 

Der Institutsrat ist ein Organ der sogenannten „akademischen Selbstverwaltung“, in dem gewählte Vertreter:innen von Studierenden, Professor:innen und wissenschaftlich Beschäftigten über die Angelegenheiten ihres Instituts beraten und abstimmen sollen. Wie bei vielen Organen der Universität steckt hinter dieser partizipatorischen Fassade jedoch eine ziemlich undemokratische Realität: Die Mehrheit der Stimmen liegt immer bei den Professor:innen – die sogenannte professorale Mehrheit, die die größte Macht in die Hände der kleinsten Statusgruppe legt – und bei der Sitzung letzte Woche konnten tatsächlich nur drei Personen abstimmen, zwei Professor:innen und ein:e Beschäftigte:r.

Während sich die Vertretung der wissenschaftlich Beschäftigten hinter die Forderungen der Studierenden stimmte, stimmten die beiden Professor:innen dagegen. Die Resolution wurde damit abgelehnt, es wurde dafür aber eine Vollversammlung des Instituts am 4. Juni vereinbart, in der über die Frage von BDS am SKA-Institut diskutiert werden sollte.

Wenige Tage später macht die Leitung des Instituts aber eine Kehrtwende. Am Montag wurde für alle Institutsmitglieder plötzlich die Vollversammlung abgesagt. Der angebliche Grund: BDS FU haben öffentlich die Namen der beiden Professor:innen Claudia Liebelt und Hansjörg Dilger, die letzte Woche gegen die studentische Resolution gestimmt haben, genannt und das mache eine vertrauensvolle Diskussion unmöglich. Dabei stehen ihre Namen im öffentlichen Sitzungsprotokoll und ihre Veröffentlichung schränkt die Diskussionsmöglichkeiten auf der anberaumten Vollversammlung in keiner Weise ein.

Dieser Angriff reiht sich ein in eine lange Liste von Repressionen, die in den letzten Jahren insbesondere palästinasolidarische, aber auch antifaschistische Studierende und kämpferische Gewerkschafter:innen an der FU getroffen haben: Besetzungen, die Räume für Diskussionen über die Rolle der FU im Genozid in Gaza schaffen sollten, wurden immer wieder von Polizeihundertschaften geräumt, teilweise brutal und mit Verletzten. Gewerkschafter:innen, die eine Verbindung zwischen schlechten Arbeitsbedingungen an der FU und dem Rechtsruck gezogen haben, wurden von der FU rechtswidrigerweise abgemahnt. Und erst letzten Herbst verbot die Universitätsleitung eine Versammlung von Studis Gegen Rechts, um zum Anti-AfD-Protest in Erfurt zu mobilisieren. Erneut macht sich die FU nun zu einer Komplizin der autoritären Wende, die überall von der Regierung vorangetrieben wird und von der sie schon lange Teil ist. 

Dagegen müssen wir das uneingeschränkte Recht der Studierenden und Beschäftigten verteidigen, sich auf ihrem eigenen Campus zu versammeln und politische Fragen zu diskutieren. Mehr noch, wir müssen uns das Recht erkämpfen, gemeinsam demokratisch zu entscheiden, worüber, zu welchem Zweck und mit welchen Partner:innen an unseren Instituten geforscht wird. An die Stelle undemokratischer Organe wie des Institutsrat, die nur die Alleinherrschaft der Professor:innenclique absichern, müssen wirklich demokratische Strukturen treten, die von allen Universitätsangehörigen gewählt werden und sich proportional nach der Größe der verschiedenen Statusgruppen zusammensetzen.

Um dorthin zu kommen sind Vollversammlungen ein wichtiger Schritt, in denen alle Angehörige der Uni oder einzelner Institute zusammenkommen, um über Fragen, die sie betreffen, gemeinsam zu diskutieren und Resolutionen abzustimmen. Deshalb ist es umso wichtiger, dass sich die Anthropologie-Studierenden nicht einschüchtern lassen und angekündigt haben, die Vollversammlung dennoch am Donnerstag, dem 4. Juni, um 12 Uhr vor der Mensa II der FU durchführen zu wollen. Genau so können wir die autoritären Angriffe der Regierungen, Uni- und Institutsleitungen abwehren und eine Bewegung der Studierenden und Beschäftigten von unten aufbauen.

Kommt am Donnerstag zur Vollversammlung des SKA-Instituts!

Wo? Vor der Mensa II der FU

Wann? Donnerstag, 4. Juni, 12 Uhr

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