Angriff auf die Presse: Israel tötet das Journalistenteam des Senders Al Jazeera in Gaza

11.08.2025, Lesezeit 3 Min.
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Nach einer Desinformationskampagne wurden der palästinensische Journalist Anas Al-Sharif und vier seiner Kollegen von Israel gezielt ermordet. Nach 230 ermordeten Journalist:innen ein weiterer Versuch, Gaza zum Schweigen zu bringen.

Die Journalisten des Fernsehsenders Al Jazeera im Gazastreifen, Anas al-Sharif und Mohammed Qreiqeh, sowie die Kameramänner Ibrahim Zaher und Mohammed Noufal und der Assistent Moamen Aliwa wurden am Sonntag von der israelischen Armee ermordet. Der Nachrichtensender berichtete, dass Israel einen gezielten Angriff auf ein Zeltlager in Gaza-Stadt durchgeführt habe, in dem sich die Journalisten aufhielten. Der Direktor des Al-Shifa-Krankenhauses bestätigte, dass der Angriff zum Tod des Presseteams geführt habe.

Der letzte Beitrag des Al-Jazeera-Korrespondenten Anas al-Sharif auf X enthielt ein Video, das israelische Angriffe auf Gaza-Stadt zeigte. Kurz vor seinem Tod veröffentlichte er einen Beitrag, in dem er von einem „unerbittlichen Bombardement“ durch israelische Kampfflugzeuge berichtete.

Seit Beginn ihrer Angriffe auf palästinensisches Gebiet hat die israelische Armee systematisch Journalist:innen, Fotograf:innen und lokale Medienmitarbeiter:innen im Gazastreifen getötet, um sie am Berichten zu hindern. Das in New York ansässige Komitee zum Schutz von Journalisten (CPJ) hat seit dem 7. Oktober 2023 die Ermordung von mindestens 186 Journalist:innen bestätigt, mindestens 90 Journalist:innen wurden von Israel inhaftiert. Das Medienbüro der Regierung in Gaza meldet eine höhere Zahl und gibt an, dass mehr als 230 Journalist:innen getötet wurden.

Deutsche Medien, allen voran Springer, übernahmen das Framing der israelischen Regierung mit den Überschriften  „Als Journalist getarnter Terrorist in Gaza getötet“ und „Israelische Armee behauptet: Er war Hamas-Drahtzieher und arbeitete für Al Jazeera” Gerechtfertigt wird der Mord an Anas Al-Sharif von Israel, indem er als Führer einer Hamas-Zelle ins Visier genommen wurde. Es gibt keinerlei Beweise dafür. Al-Sharif wurde als „Stimme Gazas“ bezeichnet. Seine Berichterstattung wurde international verfolgt. Er produzierte emotionale Reportagen über die Hungersnot in Gaza und appellierte an die Welt, nicht zu schweigen. All das macht ihn gefährlich für Israel. 

Mehrere internationale Nachrichtenagenturen wie France-Presse (AFP), Associated Press, 

BBC News und Reuters veröffentlichten eine gemeinsame Erklärung, in der sie sich „zutiefst besorgt” über die Lage der Journalist:innen in Gaza äußerten, nachdem die von Israel verursachte Hungersnot bekannt geworden war.

Israel hat internationalen Journalist:innen die Einreise in den Gazastreifen verboten, weshalb palästinensische Journalist:innen die einzigen sind, die von vor Ort berichten können. Die Bilder und Berichte über diesen Völkermord, die live in die ganze Welt übertragen werden, haben die Solidaritätsbekundungen beschleunigt und die Anklagen gegen den von Israel begangenen Völkermord vervielfacht, sogar in Teilen der israelischen Gesellschaft selbst.

Während der Völkermord in seine letzte Phase geht, sieht Israel nur noch den Weg der kompletten Zerstörung und pocht auf die Unterstützung des Westens bis zum bitteren Ende. Wir dürfen uns aber nicht zum Schweigen bringen lassen, sondern müssen umso lauter gegen den Völkermord protestieren. Und auch gegen die fortlaufende Unterstützung des deutschen Staates, trotz aller Lippenbekenntnisse, und der deutschen Medien, die ihre palästinensischen Kolleg:innen systematisch entmenschlichen.

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