22.787 Abschiebungen in Deutschland: Geflüchtete werden wahllos in andere Länder deportiert

16.07.2026, Lesezeit 4 Min.
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Immigrant:innen beim Grenzübergang Wegscheid 2015, Foto: Metropolico.org, CC BY-SA 2.0 , via Wikimedia Commons

2025 wurden weit über 20.000 Menschen aus Deutschland abgeschoben. Das ist der vierthöchste Wert seit 2014. Der Staat umgeht Abschiebestopps in Kriegsgebiete, indem er Geflüchtete in andere Länder abschiebt, als die, aus denen sie geflohen sind.

Fast 23.000 Menschen in Deutschland wurden allein in 2025 abgeschoben – im Vergleich zu 2020 hat sich die Zahl mehr als verdoppelt. Das Bundesland mit den meisten Abschiebungen ist Nordrhein-Westfalen (4.784 Abschiebungen), gefolgt von Bayern (3.649) und Baden-Württemberg (3.368). Allein in Dortmund wurden 2.934 vom dortigen Flughafen abgeschoben. In der Hauptstadt Berlin wurden letztes Jahr 1.673 Menschen abgeschoben, damit sogar 369 Abschiebungen mehr als im Jahr 2024. Im Zuge der seit 12. Juni gültigen GEAS-Reform werden auch neue Abschiebeflughäfen gebaut, um die Zahl der Abschiebungen noch weiter zu erhöhen – unter anderem soll es einen Abschiebeterminal am Münchner Flughafen geben. Nach Frankfurt und Berlin ist das nun der dritte Flughafen mit einem Abschiebezentrum.

Besonders auffällig in den Statistiken ist aber die Relation von Herkunftsstaaten und Staaten, in die abgeschoben wird. So steht Afghanistan zwar an dritter und Syrien an fünfter Stelle der Herkunftsländer mit den meisten Abgeschobenen – aber ihre Staaten sind bisweilen gar nicht in der Liste der Länder, wohin abgeschoben wurde, vertreten. Das bedeutet, dass 1.463 Afghan:innen und 1.255 Syrer:innen gar nicht nach Afghanistan und Syrien, sondern in andere Länder abgeschoben wurden – wohin genau kann die Statistik nicht erfassen. Damit ist klar, dass Deutschland die Tatsache, dass Afghanistan und Syrien keine sogenannten sicheren Herkunftsländer sind, schlichtweg einfach umgeht, indem man Migrant:innen beider Nationen in andere Länder abschiebt.

Was Deutschland und viele andere europäische Staaten bislang gemacht haben, obwohl sie das eigentlich gar nicht dürften, ist ihnen seit dem 12. April nun auch rechtlich erlaubt: Seither gilt die neue GEAS-Reform. Diese erlaubt nun unter anderem Abschiebungen in Drittstaaten und Staaten, in denen die Geflüchteten noch nie gewesen sind und die – teilweise sogar bewusst – weit hinter den Anforderungen der Genfer Flüchtlingskonvention zurückliegen. Damit wird ihnen zwar „Asyl“ gewährt, also ein gewisser Schutzstatus, doch man muss sich fragen: Was für ein Schutz? Kein Schutz vor den rassistischen Regimen europäischer Länder wie Deutschland, Frankreich, Italien, Polen, Ungarn, Griechenland und viele weitere. Kein Schutz vor der Grenzschutzpolizei Frontex, die mit der neuen Reform noch härter gegen Geflüchtete an den europäischen Außengrenzen und auf dem Mittelmeer vorgehen soll und auch kein Schutz vor den wirtschaftlichen Krisen, in denen sich die Bevölkerungen dieser Länder ohnehin bereits befinden. Das ist schon lange kein „Asyl“ mehr, was Geflüchtete bekommen und solange es Grenzen und damit einhergehend Kontrollen, Repressionen und Abschiebungen gibt, wird es auch nie ein richtiger Schutzstatus sein. Grenzen und Staaten schützen nicht – sie sind die größte Gefahr, denn ihre Existenz legitimiert rassistische Gesetze, legitimiert damit Tote an den Außengrenzen, legitimiert Kriminalisierung von Flucht.

Die Abschiebungen in Deutschland sind Teil eines rassistischen Migrationsregimes, das sich die Kapitalist:innen weltweit aufgebaut haben. Abschiebungen beginnen nicht erst mit „Remigrationsplänen“ der AfD, sondern bereits mit dem „Krieg gegen den Terror“ der CDU, dem „Kampf gegen die Clan-Kriminalität“ der SPD und dem Märchen des „kriminellen Ausländers“ – ein Narrativ, das von der NPD erfunden wurde und heute noch immer von CDU, SPD, Grünen und sogar Teilen der Linksparteiführungen skandiert wird. Immerhin sitzt Die Linke in Mecklenburg-Vorpommern und Bremen in der Landesregierung und trägt alle dort stattfindenden Abschiebungen mit, genauso wie sie es bereits mit Rot-Rot-Grün in Berlin getan haben.

Zu diesem Thema wird es beim diesjährigen „Krieg dem Krieg“-Sommercamp von Klasse Gegen Klasse einen ausführlichen Workshop geben. Dort wollen wir über das rassistische Grenzregime, die Rolle des Imperialismus und vor allem die Perspektive eines klassenkämpferischen Widerstands gegen dieses System diskutieren. Nur noch wenige Plätze sind frei – meldet euch gleich hier an!

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