Deutschland

Offener Brief an die PSG

Offener Brief an die PSG

Liebe GenossIn­nen der Partei für Soziale Gle­ich­heit,

zum 95. Jahrestag der Okto­ber­rev­o­lu­tion organ­isieren wir eine Rei­he von Ver­anstal­tun­gen, auf denen wir unter anderem eine Neuau­flage der “Kopen­hagen­er Rede” von Trotz­ki vorstellen wer­den. Dazu woll­ten wir den 1937 erschiene­nen Film “Vom Zar zu Lenin” zeigen. Uns hat es sehr über­rascht, dass das führende PSG-Mit­glied Peter Schwarz in ein­er Mail vom 6. Novem­ber mit “juris­tis­chen Schrit­ten gegen RIO und das Café Com­mune” dro­hte, weil der Film urhe­ber­rechtlich geschützt ist.

Wir denken, dass die Auf­gabe von Trotzk­istIn­nen darin beste­ht, das Erbe von Trotz­ki einem möglichst großen Pub­likum zugänglich zu machen. Genau das macht unsere inter­na­tionale Strö­mung, die “Trotzk­istis­che Frak­tion – Vierte Inter­na­tionale” (FT-CI). Das Forschungszen­trum “CEIP León Trot­sky” hat bere­its Dutzende Büch­er von Trotz­ki und über die trotzk­istis­che Bewe­gung veröf­fentlicht. Der Inter­net­fernsehsender TV.PTS hat zahlre­iche Doku­men­tarfilme zu aktuellen und his­torischen poli­tis­chen The­men pro­duziert. Alle diese Werke sind im Inter­net frei zugänglich, weil es unser Anliegen ist, dass möglichst viele Arbei­t­erIn­nen und vor allem die junge Gen­er­a­tio­nen Zugang dazu find­en.

Deswe­gen wun­dert es uns, dass die Führung der PSG und ihrer inter­na­tionalen Strö­mung, des Inter­na­tionalen Komi­tees der Vierten Inter­na­tionale (ICFI), grund­sät­zlich anders vorge­ht. Wie glaubt ihr, die Inhalte des Trotzk­ismus mit Hil­fe des Urhe­ber­rechts und des bürg­er­lichen Staates bess­er ver­bre­it­en zu kön­nen? Vertei­digt ihr das Urhe­ber- und Paten­trecht, wie zum Beispiel der mit der US-amerikanis­chen Social­ist Work­ers’ Par­ty (SWP) ver­bun­dene Ver­lag Pathfind­er dies tut? (Pathfind­er hat bekan­ntlich das Marx­ists Inter­net Archive eben­falls mit ein­er Urhe­ber­recht­sklage bedro­ht.)

Oben­drein erk­lärt “Mehring Books” eine Vor­führung des Filmes für “prinzip­i­en­los”. Kön­nt ihr uns erk­lären, seit wann das Urhe­ber­recht zu den Prinzip­i­en der rev­o­lu­tionären Marx­istIn­nen gehört? Ihr wisst, dass Trotzkis Artikel Ende der 20er und Anfang der 30er Jahre in Deutsch­land nicht nur von seinen eige­nen Anhängern son­dern auch von anderen Grup­pen veröf­fentlicht wur­den. Find­et ihr es auch prinzip­i­en­los, dass Trotz­ki selb­st nicht auf sein Urhe­ber­recht pochte son­dern eine möglichst bre­ite Ver­bre­itung sein­er Werke wün­schte? Wir laden alle GenossIn­nen der PSG dazu ein, diese Fra­gen mit uns zu disku­tieren.

Wir schla­gen euch vor, trotz der gut doku­men­tierten Dif­feren­zen zwis­chen unseren bei­den Organ­i­sa­tio­nen (siehe Links unten), gemein­sam an der Ver­bre­itung des Erbes von Trotz­ki – und dazu gehört dieser Film – zu wirken. Dazu gehört, dass der Mehring-Ver­lag alle Trotz­ki-Werke im Inter­net zur Ver­fü­gung stellt, wie das Trotz­ki-Archiv es tut, damit beson­ders arme Schicht­en des Pro­le­tari­ats diese Werke in deutsch­er Sprache lesen kön­nen. Da schein­bar auch bei­de Grup­pen ein Inter­esse an ein­er Vor­führung dieses Films haben, kön­nten wir auch eine große, gemein­same öffentliche Vor­führung organ­isieren (und da wir poli­tis­che Dif­feren­zen nicht ver­wis­chen wollen, kön­nten wir das auch mit ein­er Diskus­sion über den Trotzk­ismus und das Urhe­ber­recht verbinden).

Mit sozial­is­tis­chen Grüßen,
RIO

P.S. wir wer­den unsere gesamte Kor­re­spon­denz im Inter­net zur Ver­fü­gung stellen, und schla­gen euch vor, dass ihr das eben­falls tut, damit die fortschrit­tlich­sten Sek­toren der Arbei­t­erIn­nen und der Jugend sich ein besseres Bild von der PSG und von RIO machen kön­nen.

Absage und Ankündigung

Da wir unsere sehr knap­pen finanziellen Mit­tel ganz der Ver­bre­itung der Ideen Trotzkis und nicht juris­tis­chen Auseinan­der­set­zun­gen wid­men möcht­en, und da wir auf keinen Fall das Café Com­mune in Mitlei­den­schaft ziehen möcht­en, sehen wir uns lei­der gezwun­gen, die Filmvor­führung abzusagen. Dafür wer­den wir die Neuau­flage der Broschüre “Vertei­di­gung der Okto­ber­rev­o­lu­tion” vorstellen und andere Fil­mauss­chnitte zeigen. Alle sind her­zlich ein­ge­laden!

95 Jahre Okto­ber­rev­o­lu­tion
Vorstel­lung der Neuau­flage der Broschüre “Vertei­di­gung der Okto­ber­rev­o­lu­tion”
Don­ner­stag, 15. Novem­ber, 19 Uhr, Café Com­mune, Reichen­berg­er Str. 157

Weiterführende Links

Artikel zu den Berlin­er Wahlen 2011
Artikel zum Char­ité-Streik
Aus­tritts­brief an die ISSE
Artikel zu den Bun­destagswahlen 2009

2 thoughts on “Offener Brief an die PSG

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