Jugend

Konferenz mit 70 Jugendlichen für bundesweiten Schulstreik gegen Rassismus am 27. April

Über 70 Menschen aus zwölf verschiedenen Städten beteiligten sich am Wochenende an der Aktionskonferenz „Jugend gegen Rassismus“ im Jugendzentrum Potse in Berlin.

Konferenz mit 70 Jugendlichen für bundesweiten Schulstreik gegen Rassismus am 27. April

Lokale Schüler*innenbündnisse u. a. aus Berlin, München, Bonn, Frank­furt am Main, Dres­den, Bre­mer­haven, Pots­dam, Geflüchtetenaktivist*innen, linke Jugend­grup­pen und auch einige Arbeiter*innen: All diese Kräfte fan­den sich am Sam­stag und Son­ntag zusam­men. Die disku­tierten The­men reicht­en dabei von Ras­sis­mus im Bil­dungssys­tem, über die Schaf­fung ein­er organ­is­chen Verbindung zur Geflüchteten­be­we­gung und Diskus­sio­nen über Krieg­sein­sätze als Fluchtur­sache bis hin zu gew­erkschaftlich­er Organ­isierung von Geflüchteten. Am Ende stand ein gemein­samer Aufruf: „Wir wer­den am 27. April einen geilen, bun­desweit­en Schul­streik auf die Beine stellen“, so Max von der Rev­o­lu­tionär-kom­mu­nis­tis­chen Jugend.

Baran Ser­had, ein Aktivist von Waf­fen der Kri­tik (WdK) aus München, betonte zu Beginn der Kon­ferenz, dass es „heute möglich ist, unter aktiv­en Jugendlichen eine Kraft zu organ­isieren, die mit den Geflüchteten für gle­iche Rechte kämpft und die Arbeiter*innenklasse für diesen Kampf gewin­nen kann.“

Auch Arbeiter*innen beteiligten sich an Teilen der Kon­ferenz. So disku­tierten am Sam­stag auch ein U‑Bahn-Fahrer der Gew­erkschafts­gruppe ver.di aktiv und ein Berlin­er Lehrer mit. Auch rev­o­lu­tionäre Geflüchtete, die bei den Beset­zun­gen der Gew­erkschaft­shäuser in Berlin und München beteiligt waren, beteiligten sich aktiv an der Kon­ferenz. Geflüchtete­nak­tivist und WdK-Mit­glied Arash Dosthos­sein sagte: “Seit der Münch­en­er DGB-Haus-Beset­zung in 2013 ist die Botschaft klar: Die Gew­erkschaften müssen die Kämpfe der entrechtet­sten Teile der Arbeiter*innenklasse unter­stützen und organ­isieren. Gegen Prekarisierung und Abschiebung zu kämpfen ist aktueller denn je.“

Deshalb wurde unter anderem entsch­ieden, die Kämpfe der Berlin­er Lehrer*innen zu unter­stützen. Im März wird es in der Haupt­stadt ver­mut­lich wieder Lehrer*innenstreiks geben. „Wenn wir die Streiks der Lehrer*innen unter­stützen, haben sie einen Grund mehr, auch unseren Streik zu unter­stützen“, betonte Tabea, eine Schü­lerin von der Jane-Addams-Schule. Darüber hin­aus ist es jedoch notwendig, dass Gew­erkschaften Geflüchtete aufnehmen und sie als Kolleg*innen anerken­nen. Dafür müssen sie auch ihre eigene Basis mobil­isieren und nicht nur sym­bol­isch Sol­i­dar­ität­serk­lärung ver­fassen.

Bei dem Work­shop „Bil­dung und Ras­sis­mus“ wurde besprochen, dass Schulen keine Bühne für rechte Bewe­gun­gen und Parteien bieten dür­fen. Wenn zum Beispiel die Alter­na­tive für Deutsch­land (AfD) an die Schule geladen wird, um „allen Parteien eine Stimme zu geben“, müssen wir das nutzen und gemein­sam mit Schüler*innen zu disku­tieren. Denn deren Auftritte richt­en sich auch gegen migrantis­che Mitschüler*innen und Willkom­men­sklassen. „Es ist gut, wenn die Schulleitung die AfD aus­lädt. Noch bess­er ist es allerd­ings, wenn der Wider­stand gegen rechte Parteien von den Schüler*innen selb­st disku­tiert und organ­isiert wird“, betonte Willy von der Jugen­dor­gan­i­sa­tion REVOLUTION.

Die Grund­lage des Bünd­niss­es sind Basis­grup­pen an den jew­eili­gen Schulen und Unis. Dort kann poli­tisch disku­tiert und vom Streik überzeugt wer­den – mit Aktio­nen, Vol­lver­samm­lun­gen, Ver­anstal­tun­gen oder Flug­blät­tern. Der Schul­streik kann für den Auf­bau dieser Komi­tees eine Star­trampe bieten. „Der Schul- und Unistreik ist nicht nur ein Event, son­dern ein erster Schritt zum Auf­bau ein­er Bewe­gung der Jugend gegen Ras­sis­mus“, sagte eine Aktivistin. Dazu muss diese Bewe­gung sich an den Orten der Jugend ver­ankern, an Schulen, Unis und Beruf­ss­chulen.

Eine große Her­aus­forderung für die Jugend- und linke Bewe­gung in Deutsch­land ist es, betonte Geflüchtete­nak­tivist Tur­gay Ulu, „sich gegen Krieg mit Pro­gramm und mil­i­tan­ten Aktio­nen zu stellen, wie damals gegen den Viet­namkrieg.“

Im Bünd­nis gab es immer wieder die Diskus­sion, ob wir unsere Forderun­gen zurück­fahren soll­ten, um mehr Men­schen zu erre­ichen. Doch die Mehrheit war der Mei­n­ung, dass in der aktuellen Sit­u­a­tion Zurück­hal­tung keine Option ist. Denn gegen den Auf­schwung der Recht­en müssen wir eine starke anti­ras­sis­tis­che, anti­im­pe­ri­al­is­tis­che Jugend­be­we­gung auf­bauen.

In den näch­sten Wochen und Monat­en wer­den lokale Bünd­nisse alles daran set­zen, vor Ort Struk­turen aufzubauen, um den Schul- und Unistreik am 27. April zum Erfolg zu führen. In München gibt es dafür am 24. Feb­ru­ar ein erstes Tre­f­fen. In Pots­dam tre­f­fen sich Aktivist*innen am 4. März.

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