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Chile: Was sind die Komitees für Notfälle und Schutz?

Die Repression in Chile geht unvermindert weiter. Viele Menschen organisieren sich dagegen in "Komitees für Notfälle und Schutz", wie sie von unseren Genoss*innen der Partei Revolutionärer Arbeiter*innen (PTR) vorangetrieben werden. Was sind und wie funktionieren diese Komitees? Alles dazu in diesem Video.

Chile: Was sind die Komitees für Notfälle und Schutz?

(Danke an Lena Milsch für die Unter­ti­tel!)

Transkript des Videos

– OFF –
Es sind nicht 30 Pesos, es sind 30 Jahre: Aus­plün­derung, Umweltver­schmutzung und das Geschäft mit den Renten. Pri­vatisiert­er Zugang zu Bil­dung, Gesund­heit und Wohn­recht. 30 Jahre Ver­schul­dung und Armut für die über­wiegende Mehrheit der Bevölkerung, während gle­ichzeit­ig die Gewinne großer Unternehmen und ihrer Politiker*innen gewährleis­tet wer­den.

Chile ist aufgewacht! Es begann, als Tausende von Jugendlichen die U‑Bahn-Drehkreuze über­sprangen und einen Funken ent­facht­en, der bei uns den Wun­sch geweckt hat, alles zu verän­dern.

In Antofa­gas­ta grün­de­ten Arbeiter*innen aus dem öffentlichen und pri­vat­en Sek­tor, Anwohner*innen his­torisch­er Vier­tel, Künstler*innen, Studierende, Fach­leute und Men­schen­rechts­grup­pen das — strong –“Komi­tee für Not­fälle und Schutz”– /strong –. Ein Raum der Selb­stor­gan­i­sa­tion, der sich für die Forderung nach einem Gen­er­al­streik ein­set­zt, bis das, was Mil­lio­nen von Men­schen auf den Straßen fordern, erfüllt ist: Präsi­dent Piñera muss weg! Damit eine freie und sou­veräne Ver­fas­sungs­gebende Ver­samm­lung durchge­set­zt wer­den kann, die ohne Ein­schränkun­gen die Lösun­gen für alle unsere Forderun­gen beschließt und organ­isiert.

In ein­er Ver­samm­lung von mehr als 500 Per­so­n­en wurde beschlossen, das “Komi­tee für Not­fälle und Schutz” auf Arbeiter*innen in strate­gis­chen Sek­toren auszudehnen, um den lan­desweit­en Streik voranzutreiben. Es wur­den Kom­mis­sio­nen für Kom­mu­nika­tion und Zusam­me­nar­beit ein­gerichtet, die die in der Ver­samm­lung beschlosse­nen Aktio­nen koor­dinieren und sich mit anderen Regio­nen abstim­men.

– Daniel Var­gas — Men­schen­recht­skom­mis­sion –
Ich gehöre dem “Komi­tee für Not­fälle und Schutz” an und bin Mit­glied der darin ent­stande­nen Kom­mis­sion für Men­schen­rechte und Jus­tiz. In unserem jüng­sten Tre­f­fen haben wir die Organ­i­sa­tion ein­er demokratis­chen Kam­pagne gegen die Repres­sion seit­ens der Regierung beschlossen: gegen eine Regierung, die uns die Augen wegschießt, uns Trä­nen­gas ins Gesicht sprüht, uns mit Schrotkugeln beschießt, die uns bei Demon­stra­tio­nen ver­gast, die uns in unseren Städten, in unseren Klassen, in unseren Schulen ver­gast.

– Men­schen­recht­skom­mis­sion –
Es gab also ver­schiedene Ereignisse, die ziem­lich skan­dalös waren, und wir als Kom­mis­sion hal­ten es für wichtig, sie zu Pro­tokoll zu geben und zu verurteilen.

– Kom­mis­sion für Kom­mu­nika­tion –
Die Medi­en greifen den Diskurs der Regierung auf, wir hinge­gen wollen einen unab­hängi­gen Diskurs aller Arbeiter*innen und Studieren­den begrün­den, die wir ger­ade in diesem Komi­tee für Not­fälle und Schutz organ­isieren.

– Hil­f­skom­mis­sion –
Unsere Arbeit beste­ht haupt­säch­lich darin, Brigaden zu organ­isieren, die die Grund­ver­sorgung für Patient*innen mit Irri­ta­tio­nen wegen Trä­nen­gas oder mit Schrotkugeln in ver­schiede­nen Bere­ichen ihres Kör­pers gewährleis­ten.
Die Brigade ermöglicht eine sofor­tige und schnelle Erstver­sorgung und bringt den Patien­ten danach zum Cole­gio de Pro­fe­sores, wo wir eine viel spezial­isiert­ere Behand­lung bieten kön­nen.

– Kun­stkom­mis­sion –
Wir sind von der Kom­mis­sion der Stadtkünstler*innen, wir haben ger­ade eine Aktion zur Unter­stützung des Gen­er­al­streiks gemacht, denn wir wer­den hier getötet, sie ver­let­zen unsere Rechte in Zeit­en der Demokratie…
Wir wollen alle Künstler*innen ein­laden, mitzu­machen, denn wir sitzen alle im sel­ben Boot, wir dür­fen nicht getren­nt sein.

– OFF –
Das Komi­tee bleibt seinen Grund­sätzen treu und traut dem Friedens­abkom­men der Regierung nicht, da es sich um eine poli­tis­che Falle han­delt, unterze­ich­net hin­ter ver­schlosse­nen Türen von der recht­skon­ser­v­a­tiv­en UDI bis hin zur linksre­formistis­chen Frente Amplio.

– Präsi­dent Piñera –
“Wir befind­en uns im Krieg.”

– OFF –
Während­dessen wird die Bevölkerung von Antofa­gas­ta, San­ti­a­go, Val­paraí­so und Con­cep­ción von Spezialein­heit­en und der Polizei bru­tal unter­drückt, mit Hun­derten von Ver­wun­de­ten, Gefolterten und Ermorde­ten im ganzen Land.

– Patri­cia Romo –
Im Moment gibt in Bonil­la zwei Min­der­jährige, die mit Schrotkugeln am Auge ver­let­zt wur­den und nicht behan­delt wer­den kön­nen, da auch die Erste Hil­fe belagert wird.

– Hec­tor Mat­u­rana –
Ich bin dem Aufruf zur Demon­stra­tion gefol­gt, denn es muss weit­erge­hen, wir müssen die Ver­brechen und Folter anprangern und bekämpfen.

– Brigade Erste Hil­fe –
Im Prinzip kämpfen wir für eine würdi­ge Rente, für eine würdi­ge Gesund­heit. Es kann nicht sein, dass Polizei und Mil­itär Luxu­skranken­häuser mit Maschi­nen haben, die durch Nicht­be­nutzung kaputt gehen, während wir 250.000 Men­schen haben, die auf eine Behand­lung im öffentlichen Gesund­heitswe­sen warten.

– Lehrer*innen der Schule D‑121 –
Wir glauben, dass die Entschei­dung der Regierung, das Gesetz zur Inneren Sicher­heit anzuwen­den, völ­lig über­trieben ist, und deshalb fordern wir weit­er­hin die sofor­tige Freilas­sung von Rober­to Cam­pos [Lehrer, der wegen ange­blichem Van­dal­is­mus in ein­er U‑Bahn-Sta­tion in Unter­suchung­shaft sitzt].

– Hil­f­skom­mis­sion –
Hier befind­en wir uns in dem Komi­tee, das in Bonil­la ein­gerichtet wurde.
Wir befind­en uns fast in ein­er Kriegssi­t­u­a­tion. Es ist nicht nor­mal, dass die Polizei uns so behan­delt.

– Bewohner­in des Ortes “Cachim­ba del Agua” –
Wir sind gegen dieses Sys­tem. Wir wer­den weit­er kämpfen. Wir wer­den alles in unser­er Macht Ste­hende tun, damit der Berg­bau seine Arbeit ein­stellt, und nicht nur für einen Tag. Wir wer­den dafür kämpfen, dass dies weit­er geht. Das Einzige, worum ich alle von Herzen bitte, ist, dass dies nicht aufhört. Es ist klar gewor­den, dass wir viel mehr sind, dass unsere Macht als Volk viel größer ist, dass wir das Land wirk­lich bewe­gen kön­nen.

– Sekun­darschü­lerin –
Es kann nicht sein, dass man mit der Angst leben muss, von den Cara­bineros erschossen zu wer­den, und man sich gle­ichzeit­ig darum sor­gen muss, ver­set­zt zu wer­den und Prü­fun­gen abzule­gen. Es kann nicht sein, dass man die Schule ver­lässt und noch in Schu­lu­ni­form vor der Polizei wegren­nen muss, dass man mit der Uni­form demon­stri­eren gehen muss…

– Rosana Oli­vares – Kam­pagne gegen die Pri­va­trente AFP – Antofa­gas­ta –
Was mich am meis­ten erschüt­tert hat, sind die Kugeln, die die Cara­bineros auf die jun­gen Leute schossen, sie haben ihre Wut an ihnen aus­ge­lassen… das hat mich sehr mitgenom­men, zu sehen wie ein Ver­wun­de­ter nach dem anderen kam. Ich bitte die Cara­bineros, dass sie sich bewusst wer­den, was sie da tun, es ist höch­ste Zeit. Denn was sie tun, ist Mord. Sog­ar sehr junge Men­schen kamen mit Wun­den direkt neben ihren Augen an. Das ist es, was mich wirk­lich erschüt­tert hat. Ich bin Mit­glied im Komi­tee für Not­fälle und Schutz und sehr stolz darauf. Wir müssen es tun, wir müssen uns dem Komi­tee anschließen, denn die Jugend, die Kinder, sie brauchen es.

– Nach­barin aus Mira­mar –
Es gibt wenig junge Men­schen hier. Unsere Bevölkerung beste­ht größ­ten­teils aus älteren Men­schen und Kindern, und selb­st das respek­tieren sie nicht. Vor kurzem haben sie sieben Trä­nen­gas­granat­en in den Hin­ter­hof eines Haus­es gewor­fen, sieben! In diesem Haus wohnen 4 Rentner*innen, zwei Kinder und zwei junge Erwach­sene. Nicht ein­mal das berück­sichti­gen sie.

– OFF –
“Schluss mit der Repres­sion durch die Regierung von Piñera, für das Demon­stra­tionsrecht” ist der Slo­gan der Kam­pagne des Komi­tees. Es fordert die Verurteilung und Bestra­fung der Ver­ant­wortlichen der Repres­sion, damit diese nicht straf­los davonkom­men. Im Komi­tee sind die wichtig­sten Sek­toren der Arbeiter*innenklasse, konzen­tri­ert in den Häfen, im Verkehr, im Berg­bau, in der Indus­trie, in der Forstwirtschaft, zusam­men mit den Nach­barschaften und organ­isierten armen Sek­toren, Frauen, Jugendlichen und Studieren­den repräsen­tiert.

Vertei­di­gen wir unser Demon­stra­tionsrecht gegen die Repres­sion! Gegen die insti­tu­tionellen Fall­en, Täuschun­gen und Straflosigkeit!

– Minenarbeiter*innen von La Escon­di­da –
Piñera, hör zu, geh zum Teufel!

– Ale­jan­dro Lilis – Gew­erkschaft der Hafenarbeiter*innen Chiles –
Heute hat die Gew­erkschaft der Hafenarbeiter*innen in Chile vere­int die Häfen von Iquique bis Pun­ta Are­nas lah­mgelegt. Genoss*innen, als Hafenarbeiter*innen dür­fen wir uns heute nicht unter­drück­en lassen. Heute wur­den wir unter­drückt, weil wir unsere Kinder, unsere Fam­i­lien vertei­di­gen. Und die Gesellschaft sieht uns dabei.… Gemein­sam, Genoss*innen, gemein­sam als Volk wer­den wir dieses Land auf­bauen, denn das ist es, was wir brauchen, wir müssen mehr denn je vere­int sein.

Wir Hafenarbeiter*innen, Genoss*innen, wir wer­den streiken, wir wer­den jeden Kampf des Volkes begleit­en. Weil wir es diesem Volk schuldig sind. Schaut euch die Straßen an, es fehlen viele; wir Arbeiter*innen machen einen entsch­iede­nen Aufruf, damit wir mor­gen und an allen weit­eren Tagen, an denen wir auf der Straße sind, alle anwe­send sind: alle pro­duzieren­den Sek­toren, alle Sek­toren des Han­dels, wir alle wer­den hier auf der Straße sein. Antofa­gas­ta ist aufgewacht und wir ste­hen alle in dieser Sit­u­a­tion zusam­men.

– OFF –
Die Gen­er­al­streiks und die großen Mobil­isierun­gen haben uns gezeigt, dass die Kraft zum Sieg vorhan­den ist. Es ist wichtiger denn je, dass der „Tisch der Sozialen Ein­heit“ und alle Gew­erkschaften einen ern­sthaften Schlacht­plan mit gestaffel­ten Streiks ausar­beit­en, zur Beendi­gung der Repres­sion und der 30 Jahre Elend.

Damit wir diejeni­gen sind, die über unsere Zukun­ft entschei­den und sie selb­st organ­isieren (und nicht die Gle­ichen wie immer), lasst uns die Koor­di­na­tion ver­stärken und Komi­tees für Not­fälle und Schutz in ganz Chile erricht­en!

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